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Neubau in Leer: „Ein Gebäude, das sich auch in Hamburg gut machen würde“

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 25.02.2022 12:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
So soll das Gebäude von der Nessestraße aus aussehen. Visualisierung: Briese
So soll das Gebäude von der Nessestraße aus aussehen. Visualisierung: Briese
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Die erste Baureihe der Halbinsel Nesse ist architektonisch beeindruckend. Jetzt soll sich auch in der zweiten Reihe etwas tun. Politik und Bürgermeister sind begeistert von den Plänen.

Leer - Auf der einen Seite des Hafens die malerische Altstadt, auf der anderen die Nesse mit ihren architektonisch besonderen, modernen Gebäuden – zwei Seiten von Leer, verbunden durch die Brücke vom Ernst-Reuter-Platz zum Willi-Brandt-Platz, bei deren Bau nicht umsonst auf die jeweiligen Sichtachsen geachtet wurde.

Was und warum

Darum geht es: Auf der Nesse soll ein innovatives und modernes Wohn- und Geschäftsgebäude entstehen, dass zum Anziehungspunkt für alle Leeraner werden könnte.

Vor allem interessant für: alle Leeraner, insbesondere die, die auf der Nesse wohnen oder arbeiten

Deshalb berichten wir: Familie Briese hat ihr Projekt im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Allerdings ist es hinter der ersten Baureihe auf der Nesse vorbei mit der Modernität. Das soll sich ändern. Die Reeder-Familie Briese hat am Donnerstag dem Stadtentwicklungsausschuss ihre Vision eines Wohn- und Geschäftsgebäudekomplexes vorgestellt, den sie auf dem Grundstück zwischen Feuerwehr, Ostfrieslandhalle und Nessestraße verwirklichen will.

Sjard Briese, Enkel des Reederei-Gründers Roelf Briese, erntete mit seiner Präsentation, in die neben seinen auch die Vorstellungen seiner Mutter Dr. Amke Briese und seines Großvaters Roelf Briese eingeflossen seien, in dem Gremium begeisterte Reaktionen. „Das ist ein Gebäude, das sich auch gut in Hamburg machen würde“, brachte es Bruno Schachner (Grüne) auf den Punkt. Das ist geplant:

Aufbau

Der Gebäudekomplex gruppiert sich um einen großen Innenhof herum, der öffentlich zugänglich sein soll und auch Wochenmärkte oder kulturelle Veranstaltungen möglich machen soll. Das Erdgeschoss des Gebäudeteils zur Nessestraße hin sei Gewerbe vorbehalten, hier seien Gastronomie mit Außenbestuhlung und verschiedene Geschäfte denkbar, so Briese. Das Angebot richte sich an die Bewohner, aber auch an die Mitarbeiter der umliegenden Firmen und letztlich an alle Leeraner. Sowohl eine große Terrasse im ersten Stock als auch eine Dachterrasse sollen für die Allgemeinheit offen sein.

Der Innenhof soll ein Treffpunkt für die Bewohner, aber auch für die anderen Leeraner sein. Hier könnten auch Wochenmärkte oder kulturelle Veranstaltungen Platz finden. Visualisierung: Briese
Der Innenhof soll ein Treffpunkt für die Bewohner, aber auch für die anderen Leeraner sein. Hier könnten auch Wochenmärkte oder kulturelle Veranstaltungen Platz finden. Visualisierung: Briese

Die 40 bis 60 Wohnungen mit einer Größe zwischen 50 und 120 Quadratmetern sollen auf drei Etagen verteilt sein, haben alle eine eigene Terrasse und sollen dank eines besonderen Baustils unkompliziert an die sich womöglich verändernden Bedürfnisse ihrer Bewohner angepasst werden können. Tragende Elemente sollen aus Holz sein, die nichttragenden Wände könnten bei Bedarf versetzt werden, um beispielsweise zusätzliche Räume zu schaffen oder Räume zu vergrößern. Die Parkplätze befinden sich hinter dem Haus, also zu den Bahnschienen hin.

Nachhaltigkeit

Das Thema Nachhaltigkeit sei seiner Familie sehr wichtig“, sagte Sjard Briese. „Wir wollen ein Gebäude, das auch in 30 oder 50 Jahren noch ganz vorne ist.“ Deshalb setze man auf den Baustoff Holz, der CO2 speichere, wolle Brauch- und Regenwasser auffangen, reinigen und so weit wie möglich dem Wasserkreislauf im Gebäude zuführen.

Öffentlich zugängliche Terrassen soll es auch in der ersten Etage geben. Visualisierung: Briese
Öffentlich zugängliche Terrassen soll es auch in der ersten Etage geben. Visualisierung: Briese

Die große Dachterrasse biete sich geradezu als Photovoltaikstandort an. Die Tatsache, dass alle Wohnungen an zwei Seiten Tageslicht haben werden, mache eine natürliche Belüftung möglich.

Zeitplan

Noch sei alles eine Vision, betonen Sjard Briese und seine Mutter. Inwieweit sie noch verändert werden muss, würden die nächsten Monate zeigen, wenn die konkreten Abstimmungen mit der Stadt anstehen. Toll wäre es, wenn sie bis zum Jahresende eine Baugenehmigung bekommen könnten. Die reine Bauzeit werde sicher zwei oder drei Jahre in Anspruch nehmen, sagt Dr. Amke Briese.

Der Name

„Wulkje“, wie das Sahne-Wölkchen im ostfriesischen Tee hat die Familie Briese ihr Gebäude genannt. Seine Familie fühle sich Ostfriesland und seinen Traditionen sehr verbunden, erklärte Sjard Briese. Bei der Gestaltung des Gebäudes habe man sich von der Ostfriesischen Teekultur leiten lassen: eine rote Fassade, die einerseits den Ton der roten Klinker vieler alter Gebäude in Leer aufnehme und anderseits die Farbe des Tees. Dazu weiße Gardinen als Sonnenschutz für die Balkone, die im Laufe des Tages ihre Positionen ändern, sich öffnen und schließen und so eine sich dauernd verändernde Ansicht schaffen – ähnlich wie das sich stetig wandelnde Sahne-Wölkchen im ostfriesischen Tee.

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