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Otto schmerzen Konzertabsagen in Ostfriesland „doppelt“

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 24.02.2022 17:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
So würden ihn viele wieder gerne sehen: Otto Waalkes bei einem seiner jüngsten Auftritte in der Auricher Sparkassen-Arena. Foto: Ortgies/Archiv
So würden ihn viele wieder gerne sehen: Otto Waalkes bei einem seiner jüngsten Auftritte in der Auricher Sparkassen-Arena. Foto: Ortgies/Archiv
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Eigentlich sollte die große Tour des Komikers und Schauspielers Otto Waalkes in seiner Heimatstadt Emden starten und den letzten Schliff bekommen. Doch daraus wird nichts. Otto singt trotzdem.

Emden/Aurich - Eine große deutsche Boulevard-Zeitung findet das „gar nicht lustig“ - und viele Fans des Komikers und Schauspielers Otto Waalkes dürften das genauso sehen. Tausende in dieser Region, dem übrigen Deutschland sowie einigen Nachbarländern hatten lange darauf gewartet, den Ostfriesen mal wieder live auf der Bühne zu erleben. Doch Otto hat seine für 2022 geplante Tournee in dieser Woche komplett abgesagt. Sie war bereits von 2021 auf dieses Jahr verschoben worden.

Was und warum

Darum geht es: die Absage der Otto-Tournee und die Folgen

Vor allem interessant für: alle Otto-Fans und diejenigen, die sich für Konzerte und Veranstaltungen interessieren.

Deshalb berichten wir: Otto sagte seine für 2022 geplante Tournee in dieser Woche ab. Wir versuchen, das einzuordnen und haben auch mit dem Komiker darüber gesprochen.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Die Tour wäre am 2. April in Ottos Heimatstadt Emden gestartet. In der Nordseehalle wollte sich der Star auch auf die 86 Shows in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg „warm laufen“ und ihnen den letzten Schliff geben. Die Hamburger Agentur des Stars hatte die Halle deshalb für vier Tage gemietet.

Nordseehalle warb noch für Tourneestarts

Erst wenige Tage vor der Absage hatte die Emder Kulturchefin Kerstin Rogge-Mönchmeyer noch die größte ostfriesische Mehrzweckhalle als ideale Veranstaltungsstätte für Künstlerinnen und Künstler beworben, die sich ungestört von Fan-Belagerungen auf ihre Tournees vorbereiten wollen. Als Beispiel hatte sie Otto genannt, der die Halle seiner Heimatstadt nicht zum ersten Mal für diesen Zweck nutzen wollte.

Über die finanziellen oder anderen Auswirkungen die Absage für den städtischen Kulturbetrieb Kulturevents wollte sich die Hallenverwaltung mit Hinweis auf die Vertraulichkeit der Vertragsinhalte nicht äußern. Auf Nachfrage dieser Zeitung teilte sie lediglich mit, dass mit den Veranstaltern eine Stornierungsgebühr vereinbart worden sei.

Drei Gastspiele waren in Ostfriesland geplant

Es wäre nicht Ottos einziges Gastspiel dieses Jahres in Emden geblieben. Für den 19. November war ein weiterer Termin geplant. Am Tag davor wollte der Komiker in der Sparkassen-Arena in Aurich auftreten. So viele Auftritte des Künstlers in Ostfriesland innerhalb eines Jahres gab es bislang noch nicht.

Auch bei der Veranstaltungsagentur Marema in Aurich, die als örtlicher Veranstalter des Otto-Gastspiels in der Sparkassen-Arena fungierte, sind sie enttäuscht über die Absage. Mitarbeiterin Conny Kleinschmidt hat keine Erklärung, warum diese Entscheidung zu einer Zeit fiel, in der weitgehende Lockerungen der Corona-Beschränkungen absehbar sind. „Vielleicht sind es auch personelle Geschichten“, mutmaßt die Sprecherin angesichts des Aderlasses in der Veranstaltungsbranche während der Pandemie.

Keine Planungssicherheit für Veranstalter

Generell ließen sich keine Aussagen zu den Planungen von Konzertveranstaltern und Künstlern in dieser Zeit machen. „Das ist von Künstler zu Künstler unterschiedlich“. Einige Konzerte, die Marema für die nächste Zeit plante, seien nur um einige Monate verschoben worden, andere hingegen um ein Jahr.

Die Veranstalter der Otto-Tournee sehen sich nach eigenen Angaben trotz der aktuellen Lockerungen dazu gezwungen, alle Shows abzublasen. Die aktuellen Maßnahmen, die unterschiedlichen Verordnungen und Bestimmungen in Europa wie auch in den Bundesländern würden für die Tour keine Planungssicherheit garantieren. Die sei jedoch für eine Tour dieser Größenordnung unverzichtbar.

Otto möchte Ostfriesen umarmen

„Lachen auf Abstand, Singen mit Masken, Feiern mit angezogener Spaßbremse - das wären gerade für eine Otto-Show keine guten Voraussetzungen.“ Auch eine Verschiebung der Tournee um ein weiteres Jahr sei aus organisatorischen Gründen nicht umsetzbar. Viele Konzerthallen seien für die kommenden Jahre nahezu ausgebucht, heißt es.

Otto bedauert die Absage, zumal sie auch drei Gastspiele in seiner ostfriesischen Heimat betrifft. „Das tut doppelt weh. Aber gerade hier, wo ich jeden Zweiten kenne und umarmen möchte – ne, solange das nicht geht, geht bei mir gar nichts“, sagte er dieser Zeitung.

Ein Lied für die Fans

Seinen Fans überbrachte der 73-Jährige die schlechte Nachricht mit einem Lied auf Instagram. In einem gut einminütigen Video singt er beispielsweise: „Bei Regen und Schnee geh‘ ich gern auf Tournee. Aber dieses Jahr geht‘s leider nicht.“ Dabei trägt er einen roten Trainingsanzug, eine Ottifanten-Mütze und begleitet sich selbst mit der Gitarre.

Im Gegensatz zu Künstlern wie Waalkes, die große konzentrierte Touren fahren, sind viele Künstlerinnen und Künstler dauerhaft auf Tour. So auch Annie Heger. „Es ist eine unglaubliche Gratwanderung gerade“, sagt die gebürtige Ostfriesin im Gespräch mit unserer Zeitung. Aktuell arbeite sie an einem neuen Album der „Deichgranaten“ und versuche gleichzeitig, so viele Bühnentermine wie möglich zu sichern und auch zu spielen. „Das ist aber nicht einfach und der ,Freedom Day‘ ändert daran eigentlich nichts“, sagt Heger.

So geht es anderen Künstlern

Woran liegt das? „Mir persönlich macht so etwas wie ein ,Freedom Day‘ eher Angst“, gesteht Heger. Das liege vor allem daran, dass sie befürchtet, dass die Menschen dann wieder alle Vorsicht fahren lassen, dass die Gesellschaft „dann nicht mehr bereit ist, vulnerable Gruppen zu schützen“. Und weiter: „Deswegen sehe ich einen festen Tag, nach dem alles wieder anders sein soll, nicht als Lichtstreif am Horizont.“ Ihr wäre ein sanfter Übergang vor allem mit dem Fokus auf Open-Air-Veranstaltungen im Sommer lieber.

Die Sängerin, Moderatorin und Plattdeutsch-Aktivistin Annie Heger versucht gerade, so viele Bühnentermine wie möglich zu spielen. Foto: Archiv
Die Sängerin, Moderatorin und Plattdeutsch-Aktivistin Annie Heger versucht gerade, so viele Bühnentermine wie möglich zu spielen. Foto: Archiv

Doch die Pandemie macht die Planung für Künstlerinnen und Künstler wie Annie Heger noch aus einem anderen Grund schwierig, völlig losgelöst davon, was wann wie gelockert wird. „Kühlschränke“, sagt Annie Heger, „an denen hängen bei den Menschen noch so viele Konzertkarten, dass kaum neue gekauft werden.“ Das schlage sich in den Vorverkaufszahlen nieder. „So mussten wir gerade das Platt-Art-Festival absagen, das auch rund 40 Veranstaltungen besteht“, sagt Heger.

Vorverkauf läuft schlecht

Normalerweise seien die meisten der Veranstaltungen im Vorverkauf schon komplett gebucht, das sei dieses Mal deutlich anders gewesen. „50 Prozent der Termine, die gerade abgesagt werden, hängen mit dem mangelnden Vorverkauf zusammen“, schätzt Heger – auch aus eigener Erfahrung. Neben den Kühlschrankkarten, also den aus den vergangenen zwei Jahren noch nachzuholenden Terminen, spiele eine gewisse Unsicherheit bei den Gästen hier sicher auch eine Rolle. Warum Karten kaufen, wenn man gar nicht sicher sein kann, dass etwas stattfindet?

Annie Heger möchte die Künstlerinnen und Künstler hier aber nicht falsch verstanden wissen. „Wir wollen alle spielen!“, betont sie. Niemand mache sich eine Absage leicht, aber mit jedem Termin seien Kosten verbunden, die gedeckt werden müssen. Die stete Unsicherheit sei für sie und ihre Kolleginnen und Kollegen „schwer zu ertragen“. Weiterhin „kann ich meinen Beruf einfach nicht planen, kann weder mich noch mein Programm weiter entwickeln“, sagt sie. Auch deswegen hofft Heger auf den Sommer, wo Abstand unter freiem Himmel wieder einfacher wird.

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