Lingen
Russen-Einstieg in Lingener Atomfabrik vom Tisch
Russland wird nicht in die Produktion von Brennelementen in Lingen in Niedersachsen einsteigen.
Der geplante Einstieg des russischen Unternehmens Rosatom in die Brennelemtenefabrik im emsländischen Lingen ist vom Tisch. Das hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck erklärt.
Der Grünen-Politiker teilte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine mit, dass der entsprechende Antrag zurückgezogen worden sei. Geplant war ein sogenanntes Joint-Venture zwischen dem französischen Kerntechnikkonzern Framatome und dem russischen Pendant Rosatom.
Das Bundeskartellamt hatte die Zusammenarbeit bereits durchgewunken. Seit längerer Zeit lag der entsprechende Antrag nun im Bundeswirtschaftsministerium. Wie Habeck nun erklärte, liege der Antrag nicht mehr zur Bearbeitung vor. Offenbar war er schon vor einigen Tagen zurückgezogen worden. Weitere Details nannte Habeck zunächst nicht.
Das Unternehmen Advanced Nuclear Fuels (ANF) in Lingen ist 1975 aus der gegründeten Exxon Nuclear GmbH hervorgegangen. Mit rund 328 Mitarbeitern werden im Emsland Brennelemente für Druck- und Siedewasserreaktoren gefertigt ebenso wie Spezialprodukte im Pulver- und Tablettenbereich.
Eigenen Angaben zufolge wurden seit Betriebsbeginn mehr als 38.000 Brennelemente, die aus mehr als 6,8 Millionen Brennstäben bestanden für Reaktoren in Deutschland und im westeuropäischen Ausland gefertigt. In der Vergangenheit bestanden auch Handelsbeziehungen mit russischen Unternehmen.
Insgesamt dürfen in Lingen pro Jahr bis zu 800 Tonnen Uranpulver hergestellt werden, von denen 650 Tonnen in Brennelementen verbaut werden dürfen. Ausgereizt hat das Unternehmen Informationen unserer Redaktion zufolge diese Grenzen allerdings nicht.
Für seinen Export von Brennelementen in vermeintlich unsichere Kernkraftwerke im Ausland stand das Unternehmen in den vergangenen Jahren auch immer wieder in der Kritik. Die Fabrik darf auch nach dem deutsche Atomausstieg Ende dieses Jahres weiter produzieren.