Seeltersk

Reich an Grammatik: Saterfriesisch

Henk Wolf
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Von Henk Wolf
| 26.02.2022 18:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Henk Wolf schreibt in seiner wöchentlichen Kolumne über die saterfriesische Sprache. Foto: Privat
Henk Wolf schreibt in seiner wöchentlichen Kolumne über die saterfriesische Sprache. Foto: Privat
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Das Saterfriesische ist reich im Vergleich zu den übrigen friesischen Sprachen - zumindest grammatikalisch gesehen. Da gibt es nach Geschlecht unterschiedene Zahlwörter und jede Menge Präpositionen.

Die friesischen Sprachen haben einige für Niederländer und Deutsche sehr besondere Eigenschaften. Berühmt oder berüchtigt ist inzwischen, dass die Zahlen 1, 2 und 3 unterschiedliche männliche und weibliche Formen haben: ‚zwei Blumen heißt auf Saterfriesisch ‚two Bloumen‘, aber ‚zwei Hunde‘ ist ‚twäin Huunde‘. Nordfriesisch hat mit ‚tou bloume‘ und ‚twäin hüne‘ den gleichen Unterschied. Nur im Westfriesischen ist er verschwunden.

Eine weniger bekannte Eigenschaft des Friesischen ist, dass es den bestimmten Artikel auf so viele verschiedene Weisen ausdrücken kann. Deutsch ist mit der/die/das in allen vier Fällen schon imstande, Lernende verrückt zu machen, aber Saterfriesisch hat neben den Geschlechtern und der Mehrzahl in zwei Fällen auch noch die Artikel „de“ und „et“ für bereits bekannte Sachen und die Artikel „e“ und „t“, die nur nach Präpositionen verwendet werden.

Damit ist Saterfriesisch von den drei friesischen Sprachen die reichste. Nordfriesisch und Westfriesisch haben von diesen drei Gruppen von bestimmten Artikel nur noch zwei übrig – immer noch eine mehr als Deutsch und Niederländisch.

Besonders an den friesischen Sprachen ist auch, dass nur eine Präposition oftmals nicht reicht. „Nach Hause“ ist nicht „ätter Huus“, sondern „ätter Huus wai“. „Die Treppe hinauf“ ist „bie de Trappe hoog“. „Ich habe nichts dagegen“ ist „Deer häbe iek niks ap juun“. Auch Nord- und Westfriesisch haben sehr viele von diesen doppelten Wörtern: „in önj e tjooler“ ist nordfriesisch für ‚in den Keller‘ und „tsjin de wand oan“ ist westfriesisch für ‚gegen die Wand‘.

Bauke Slofstra von der Fryske Akademy, der an der Verfassung der neulich erschienenen Grammatik des Saterfriesischen beteiligt war, erforscht diese Art von Konstruktionen jetzt für eine wissenschaftliche Grammatik, die Ende diesen Jahres erscheinen soll. Er hat schon genug verschiedene Beispiele gefunden, um darüber ein ganzes Kapitel zu schreiben.

Kontakt: Seeltersk@ga-online.de

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