Wetter
Überschwemmung ist nicht bedrohlich
Durch den ergiebigen Regen erinnert der Nordkreis Cloppenburg an eine Seenlandschaft. Die Flusspegel sind hoch. Eine Herausforderung sind die vollgesogenen Böden für die Landwirtschaft.
Barßel. Der Dauerregen der vergangenen Tage hat dazu geführt, dass weite Teile des Nordkreises an eine Seenlandschaft erinnern. Bedrohlich allerdings, da sind sich die Fachleute einig, ist die Situation noch lange nicht. „Wenn man das so sieht, dann ist man als Normalbürger schon etwas erschrocken“, sagt Hans Schulte, Bauamtsleiter bei der Gemeinde Barßel, und schiebt eine beruhigende Botschaft hinterher: „Das ist noch lange keine Situation, bei der wir den Deichschutz mobilisieren müssen“, sagt er. „Alle Deiche sind auf ein Jahrhunderthochwasser angepasst, und da sind wir noch weit drunter.“
Das Wichtigste ist für den Bauamtsleiter, dass in den Barßeler Wohngebieten keine Probleme aufgetreten seien. „In den Kanälen hat es bislang keinen Rückstau gegeben, es sei denn, da ist Laub reingekommen“, sagt Schulte. Das allerdings hat da nichts zu suchen. „Laub gehört in die Entsorgung“, mahnt er. Wichtig sei auch, dass das Wasser in den Gärten versickern könne. „Schottergärten sind da ein Problem, denn da versickert das Wasser nicht, sondern fließt dorthin, wo es nicht gebraucht wird.“
Rückhaltebecken gut gefüllt
Schultes Friesoyther Kollege Klaus Sandmann nimmt die Regenrückhaltebecken in den Blick. „Die sind fast alle sehr gut gefüllt“, sagt er. „Da auch die ableitenden Gräben große Wassermassen führen, erfolgt der Ablauf aus den Becken nicht immer in der gewünschten Form und Menge.“ Allerdings sei jedes Becken mit einem Notüberlauf ausgestattet, sodass für die direkten Anwohner keine Gefahr einer Überschwemmung bestehe.
Auch Sandmann hat festgestellt, dass Ableitungsgräben immer wieder verstopft sind. „Da findet sich häufig Grün- und Rasenschnitt wieder, der von Anliegern teilweise achtlos in die Gräben entsorgt wird“, ärgert er sich.
Herausforderung für Landwirte
In der Gemeinde Saterland sind nach Auskunft von Bürgermeister Thomas Otto aktuell bislang keine größeren Schäden an Wohngebäuden bekannt. Allerdings seien in niedrig gelegenen Gemeindebereichen, wie etwa in Bokelesch, größere Flächen überschwemmt. „Solche Ereignisse waren vor Jahrzehnten entlang der Sagter Ems durchaus nicht ungewöhnlich“, betont Otto.
Für die Landwirte sind die durchnässten Böden dennoch eine Herausforderung. „Noch hält die Pflanze das aus“, sagt Josef Preut aus Pehmertange. „Wenn es in zwei Wochen noch so ist, dann wird es kritisch, denn dann fängt das Getreide an zu hungern.“ Außerdem mache der feuchte Boden die eigentlich anstehende Düngung unmöglich. „Wir haben Probleme mit der Befahrbarkeit der Böden“, erläutert Preut. „Wenn wir da jetzt drauffahren, dann verdichten wir den Boden zu stark, und das wäre schlecht für die Pflanzen.“
Wasseracht reduziert Zuflüsse
Grund für die Durchnässung der Böden ist die Gesamtwetterlage der vergangenen Monate. „Das ganze Winterhalbjahr war sehr feucht, der Februar sehr nass, die Böden können nichts mehr aufnehmen, und dann ist in den letzten Tagen nochmal viel Regen dazu gekommen“, sagt Martin Windhaus, Geschäftsführer der Friesoyther Wasseracht. „Wenn ein Schwamm voll ist, geht halt nichts mehr rein.“
Hinzu komme der hohe Wasserstand der Nordsee. „Das Wasser drückt Richtung Land, deshalb wurde das Leda-Sperrwerk geschlossen“, erläutert er. Dadurch komme kein Wasser rein, es könne aber auch nicht aus dem Leda-Jümme-Gebiet abfließen. „Deshalb“, so Windhaus, „steigt das Wasser auch in den Unterläufen der Sagter Ems und der Soeste.“
Zur Entlastung versuche die Wasseracht, die Zuflüsse zu reduzieren. „Wir können das Wasser von der Soeste über den Friesoyther Kanal in den Küstenkanal ableiten“, sagt Windhaus. „Dadurch fällt der Soeste-Pegel um etwa 30 Zentimeter.“ Auch bei der Marka gebe es bei Neuscharrel eine Überlaufschwelle in den Küstenkanal. Letztlich helfen aber auch diese Wasserspiele nur wenig. „Es ist schon wirklich viel“, sagt Windhaus und gesteht: „In diesem Jahr möchte ich keine Hochwasserereignisse mehr haben.“