Hochzeiten

An einem Tag voller Zweien werden sie eins

Jens Schönig
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Von Jens Schönig
| 21.02.2022 19:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Annika Denef und Alwin Hippen haben sich den 22.2. als Hochzeitstermin ausgesucht. Foto: Ortgies
Annika Denef und Alwin Hippen haben sich den 22.2. als Hochzeitstermin ausgesucht. Foto: Ortgies
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Das Schnapszahl-Datum 22.2.22 nutzen in diesem Jahr viele Paare zum Heiraten. Wir fragten nach, warum dieses und ähnliche kuriose Daten so beliebt sind und warum es eigentlich Schnapszahl heißt.

Aurich - Fünf Zweien auf einen Streich. Dieser Dienstag, der 22.2.‘22 ist schon ein ganz besonderes Datum. Und wie viele andere ungewöhnliche Datumskonstellationen ist dieser Tag beliebt bei Brautpaaren, um sich das Jawort zu geben. Vermutlich so alt wie das Heiraten selbst ist der mit solchen Daten verbundene Witz, so könne sich der Bräutigam den Hochzeitstag besser merken. Aber wie viel Wahrheit steckt in der Pointe, was bewegt Paare außerdem zum Heiraten an einem Schnapszahl-Datum? Und warum heißt die Schnapszahl eigentlich so? Wir haben uns bei Brautpaaren, Ehepaaren und einer Psychologin umgehört.

Was und warum

Darum geht es: An einem Schnapszahldatum wird überproportional oft geheiratet. Auch in Ostfriesland.

Vor allem interessant für: Alle, die noch heiraten wollen und alle, die sich für Schnapszahlen interessieren.

Deshalb berichten wir: Der Februar enthielt gleich zweimal ein Schnapszahl-Datum und bis zum nächsten sind es noch über elf Jahre.

Den Autor erreichen Sie unter: j.schoenig@zgo.de

Mehrstellige Zahlen, die sich aus ein und derselben Ziffer zusammensetzen, werden im allgemeinen Schnapszahl genannt. In der Mathematik heiß sie auch Repdigit (englisch für „repeated digits“, deutsch „wiederholte Ziffern“). Für den Begriff Schnapszahl gibt es zwei Erklärungsansätze. Einer beruht auf Kartenspielen, bei denen Punkte verteilt werden. Wenn ein Spieler eine Punktzahl wie die 11 oder die 777 erreicht, muss er seinen Mitspielern einen Schnaps ausgeben. Die andere Erklärung kommt daher, dass man nach zu viel Schnaps manchmal doppelt sieht. Für einen Betrunkenen sieht dann eine 3 aus wie eine 33. Möglich, dass beide Erklärungen direkt zusammenhängen.

Wie viele Ostfriesen heiraten am Schnapszahl-Tag?

An einem Werktag im Februar zu heiraten, käme normalerweise nur wenigen in den Sinn. An diesem Dienstag ist das anders, auch in Ostfriesland. In Aurich und Südbrookmerland stehen jeweils fünf Vermählungen auf dem Plan, in Ihlow sind es vier, in Wiesmoor drei und in Großefehn immerhin auch noch eine. In Leer sind sieben Hochzeiten geplant. „Damit sind wir ausgebucht“, sagt die Pressesprecherin der Stadt, Sabine Dannen. In Emden wird sogar achtmal geheiratet. „Sonst sind es im Februar mal ein bis zwei“, sagt Standesamt-Leiterin Monika Friesenborg.

Jessica und Aiko Reiners haben gezielt ein Schnapszahl-Datum für ihre Hochzeit gewählt. Foto: privat
Jessica und Aiko Reiners haben gezielt ein Schnapszahl-Datum für ihre Hochzeit gewählt. Foto: privat

Auch ihr Auricher Kollege Enno Menssen zeigt sich beeindruckt. „An einem Freitag im Frühjahr oder Sommer sind fünf Hochzeiten an einem Tag relativ normal“, sagt er. „Aber für einen Dienstag im Winter ist das schon sehr beachtlich.“ Alle Standesämter können aber ihr Pensum auch am Schnapszahl-Tag normal abarbeiten, „Sonderschichten“ oder längere Öffnungszeiten sind nicht notwendig. Nah dran war Großefehn in der Vergangenheit schon einmal, wie sich der Fehntjer Standesamtsleiter Rudolf Rademacher erinnert. „Am 09.09.‘09 hatten wir passenderweise neun Hochzeiten“, erinnert er sich. „Die haben meine Kollegen und ich im Wechsel absolviert.“

Warum gerade an diesem Tag?

Dass zwei Menschen sich an einem Tag voller Zweien vereinen, entbehrt freilich nicht einer gewissen Symbolik. Für die Auricherin Annika Denef (45) und ihren Zukünftigen Alwin (47) hört die bei den fünf Zweien noch nicht auf. „Wir sind vor zwei Jahren zusammengekommen, am 20.2.‘20“, sagt sie. „Eigentlich hätten wir genau zwei Jahre später heiraten wollen, aber das war ja ein Sonntag. Dazu kommt, dass es für uns beide auch die zweite Hochzeit ist und wir beide zwei Kinder haben. So passt das Datum toll für uns, auch wenn ich eigentlich gar kein Fan von Schnapszahlen bin.“ Auch Shirley Garrels (29) und Dario Bangel (24), Restaurantbesitzer aus Neermoor, heiraten an diesem Dienstag. Geplant war das eigentlich nicht. „Wir wollten eigentlich an einem Montag heiraten, weil das Restaurant da Ruhetag hat“, erklärt Garrels. „Als wir dann auf den 21. Februar kamen, sagte Dario ‚Lass uns lieber den 22. nehmen, den kann ich mir besser merken.‘ So ist es dann doch die Schnapszahl geworden.“

Svenja und Gerrit Bathow haben sich die Schnapszahl als Hochzeitsdatum ausgesucht. Foto: privat
Svenja und Gerrit Bathow haben sich die Schnapszahl als Hochzeitsdatum ausgesucht. Foto: privat

Genau genommen hat dieser Monat sogar zwei Schnapszahlen. So haben sich einige Paare, wenn auch deutlich weniger, am 2. Februar, dem Datum mit vier Zweien vermählt. Zu Ihnen gehören Svenja (31) und Gerrit Bathow (32) aus der Krummhörn, die in Reit im Winkl heirateten. Die Schnapszahl kam eher zufällig zustande. „Wir machen jedes Jahr in den Zeugnisferien Winterurlaub in Bayern“, sagt Svenja Bathow. „Und weil Gerrit Landwirt ist, wollten wir auf jeden Fall im Winter heiraten. Der Mittwoch passte einfach zeitlich am besten. Es wäre am 3. Februar aber genauso in Ordnung für uns gewesen.“ Gezielt ausgesucht haben sich Jessica (28) und Aiko Reiners (32) aus Oldeborg den 2.2. „Es ist ein wunderschönes Datum, einen Tag vor meinem Geburtstag“, sagt Jessica Reiners. „Es soll uns natürlich auch Glück für unsere Ehe bringen.“

Besonderer Tag für eine besondere Entscheidung

Eine deutlich ältere Schnapszahl hat Elke Trauernicht (55) als Hochzeitsdatum, es ist der 9.9.‘99. Einen besonderen Glücksbringer hat sie darin nicht gesehen. „Das Datum bringt so viel Glück wie jedes andere“, sagt sie. „Und auch, dass man sich das Datum besser merken kann, ist wohl eher Wunschdenken. Ein Jahr später ist die Schnapszahl schon dahin und es ist ein ganz normales Datum. Da heiratet man wohl lieber an seinem Geburtstag, den vergisst man nicht so schnell.“

Psychologin Dr. Ute Schulewski aus Leer kann die Vorliebe für Schnapszahlen nachvollziehen. „Die Heirat ist eine besondere Entscheidung und der Hochzeitstag ein besonderer Tag im Leben“, sagt sie. „Der soll für viele auch an einem besonderen Datum sein. Damit verbindet man natürlich auch die Hoffnung, dass vor allem der Partner, aber auch Verwandte und der Freundeskreis sich das Datum gut merken können. Das macht ja auch deutlich, dass die Paare sich Gedanken gemacht haben und diesen Tag nicht der Beliebigkeit überlassen wollen.“ Worauf es letztlich wirklich ankommt, fasst Elke Trauernicht zusammen. „Hauptsache, man ist glücklich“, sagt die Fehntjerin, die in zwei Jahren mit Ehemann Harald (52) Silberhochzeit feiern kann. „Ich bereue es jedenfalls keinen Moment und würde es jederzeit so wieder machen.“

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