Gastronomie
Imbiss-Boom in Pandemie-Zeiten
Im Schnitt kommt jeweils auf 1300 Einwohner der Gemeinde Rhauderfehn ein Imbiss. Denn während der Corona-Pandemie hat sich die Zahl der Betriebe auf 15 erhöht.
Rhauderfehn - Während der Corona-Krise hat sich die Gemeinde Rhauderfehn weiter zu einem Paradies für Fastfood-Liebhaber entwickelt. In den vergangenen zwei Jahren haben vier neue Betriebe aufgemacht. Im Schnitt kommt auf alle 1300 Einwohner der Gemeinde ein Imbiss. Die meisten der 15 Betriebe haben sich auf das Geschäft mit Pizza und Döner spezialisiert.
Das war nicht immer so. Ob er heute noch nach Rhauderfehn gekommen wäre, wisse er nicht, sagt Ibrahim Özdamar. Seit 1994 gehört ihm das Kebabhaus und die Pizzeria Pantry. „Damals gab es in Rhauderfehn noch keinen Döner“, sagt er. Deshalb habe er sich für den Standort im Zentrum von Westrhauderfehn entschieden. „Mich haben die Leute gefragt, was Döner ist“, erinnert er sich.
Traditioneller Standort
In den 28 Jahren seitdem hat sich das Angebot in der Gemeinde vervielfacht. Zwischen den Ortsteilen Burlage und Collinghorst gibt es acht weitere Betriebe mit einem ähnlichen Angebot. Laut Marco Groenewold von der Gemeinde Rhauderfehn haben während der Corona-Pandemie vier weitere Imbisse eröffnet.
Der erste, der nach Beginn der Pandemie aufgemacht hat, ist Milanos Imbiss am Busbahnhof in Westrhauderfehn. Dort hat sich Sebastian Turuku im Sommer 2020 selbstständig gemacht. Der Standort ist traditionsreich. Dort hatte Conrad Ahlers 1959 den ersten festen Imbissstand im Landkreis Leer eröffnet. Das Geschäft führten seine Tochter Anita und ihr Mann Reinhard Ahlers bis 2004. Anschließend gab es dort mehrere Betreiberwechsel, bis Turuku sich dort selbstständig machte. Dort stehen seit Jahrzehnten Pommes, Currywurst, Hamburger und Ähnliches auf der Speisekarte.
Mit Baguettes abgrenzen
Ebenfalls im Jahr 2020 eröffnete Hemed Jajan an der Rhauderwieke „Dinos Croque“. „Besonders zufrieden sind wir nicht“, sagt er. Kurz nach der Eröffnung gab es einen Lockdown. Da sei es schwer gewesen, sich einen Kundenstamm aufzubauen. „Es wäre schön, wenn Corona vorbei wäre, dann könnten wir wieder mehr machen“, sagt Jajan. Er bietet seine Speisen auch über das Internet an. Über eine Webseite können Döner und Pizza per Mausklick bestellt werden – und der Kunde bekommt sie bis an die Haustür gebracht.
Um sich von seinen Mitbewerbern abzugrenzen, gehören auch Baguettes zum Angebot. Das spiegele sich auch in dem Namen „Dinos Croque“ wider. Croque ist ein französischer Ausdruck für Baguette und bedeutet direkt übersetzt „Abbeißen“. Aber nicht nur die neuen, wie „Dinos Croque“ leiden unter der Pandemie. „Ich kämpfe mit der Existenz“, sagt Johannes Thoben. Er betreibt den traditionsreichen Imbiss „Le Point“ in Langholt. Auch einige Stammgäste würden seltener kommen – und ein Großteil der Speisen würde er außer Haus verkaufen. Doch das sei weit weniger als vor der Pandemie. Wie viel weniger, könne man an den Tagen der Müllabfuhr gut sehen, sagt Thoben: „Vor dem Lockdown habe ich fünf bis sechs Müllsäcke an die Straße gestellt, jetzt einen.“ Bei ihm kommt noch hinzu, dass das Bistro Ende 2017 abgebrannt ist und Thoben deshalb lange schließen musste. Dann folgte die Corona-Pandemie unter der er zu kämpfen habe. Trotz der Probleme der Gastronomie wurde das Angebot in der Gemeinde auch im Jahr 2021 um zwei weitere Imbiss-Betriebe erweitert: das Pizzahaus am Rajen sowie Silina im ehemaligen Schlecker in Klostermoor.
Nur ein Asia-Imbiss
Gerade wenn ein neues Geschäft aufmacht, würde er das als Alteingesessener spüren, sagt Özdamar. Dann würden einige in der ersten Zeit auch bei dem Mitbewerber probieren. Viele Stammkunden würden aber meist zurückkommen. Viele kenne er schon seit ihrer Kindheit.
Aber nun ist er nicht mehr der einzige mit Döner, Pizza und Co. Es gibt acht Mitbewerber. Ein richtiges Alleinstellungsmerkmal hat lediglich der Asia-Imbiss Bao Tram. Dessen einziger direkter Mitbewerber hat sein Geschäft im E-Center vor einigen Jahren nach einem Brand geschlossen.
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