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Energiepreise steigen: Hilfe vor dem Bankrott

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 17.02.2022 16:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die hohen Energiepreise könnten viele Menschen in finanzielle Schieflage bringen. Symbolfoto: Adobe Stock/Daisy Daisy
Die hohen Energiepreise könnten viele Menschen in finanzielle Schieflage bringen. Symbolfoto: Adobe Stock/Daisy Daisy
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Energie wird teuer. Das trifft gerade Haushalte mit geringem Einkommen besonders schwer. Oft kommt Hilfe zu spät, die Schuldenfalle schnappt zu. Ein Projekt soll das im Kreis Leer verhindern helfen.

Jemgum/Landkreis Leer - Horrende Heizkosten und steigende Strompreise: Verbraucher und Unternehmen bekommen die Anspannung am Energiemarkt deutlich zu spüren. Das nahm die Jemgumer SPD zum Anlass, einen Antrag zu stellen: Die Bürgerinnen und Bürger sollen Hinweise bekommen, wo sie kostenlose Schuldnerberatungen finden können.

Was und warum

Darum geht es: Strom, Wasser und Heizung braucht jeder. Bei den steigenden Preisen derzeit kann das gerade einkommensschwache Haushalte in eine Schuldenspirale bringen. Ein Projekt soll helfen, Geld zu sparen, aber auch die Umwelt wird so geschützt.

Vor allem interessant für: diejenigen, die bei der Energie sparen wollen oder müssen

Deshalb berichten wir: Die SPD in Jemgum wies darauf hin, dass die Hilfe bei den hohen Energiepreisen schnell kommen muss.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Helmut Plöger (SPD) trug die Idee vor und ist selbst jahrelang beruflich in der Schuldnerberatung tätig gewesen. Seine Erfahrung: „Man muss möglichst früh auf die Angebote aufmerksam machen.“ Meist dauerte es zu lange, ehe die Menschen reagierten, wenn sie in finanzielle Schieflage geraten. „Meiner Erfahrung nach wird es dann immer schwieriger, aus den Problemen wieder herauszukommen“, sagt er. Genau das sei der Grund, weshalb der sogenannte Stromspar-Check ins Leben gerufen worden ist, sagt Dana Knipper, Lokalkoordinatorin des Projektes. Der Verein Rückenwind war an den Arbeitskreis Schule Rhauderfehn (AKSR) herangetreten, Knipper übernahm die Projektleitung im Kreis Leer. Der Verein Rückenwind unterstützt Menschen im Kirchenkreis Rhauderfehn, die in ihrer Not Kontakt zur Sozial- und Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes aufnehmen. Es sollten Helfer gefunden werden, die bereits unterstützen, bevor die Schuldenspirale beginnt.

Spartipps und Soforthilfe

„Wenn sich die Probleme auftürmen, wird es immer schwerer, einen Weg aus der Verschuldung zu finden“, sagt Knipper. Stetig steigende Energiepreise bedeuteten vor allem für Menschen mit geringem Einkommen immer häufiger Stromsperren. Angesichts hoher Abschläge und Nachzahlungen ist das bundesweite Projekt Stromspar-Check gerade für einkommensschwache Haushalte eine Prävention vor Energiearmut. Wie? In der eigenen Wohnung wird kostenlos zum Energiesparen im Alltag beraten, wenn man das möchte. „So schont man nicht nur den eigenen Geldbeutel, sondern auch die Umwelt“, sagt Knipper. Zunächst waren die Koordinatoren im Overledingerland aktiv, jetzt soll es auf den gesamten Landkreis Leer ausgeweitet werden. „Anfang April ist es offiziell so weit, aber schon jetzt wären wir bereit“, sagt sie.

Die Stromspar-Helfer besuchen interessierte Haushalte, messen vor Ort den Strom- und Wasserverbrauch von Geräten und analysieren das Verbrauchsverhalten der Bewohnerinnen und Bewohner. „Wir schauen, welche Lampen in Betrieb sind, wie viel Wasser durch die Dusche rauscht oder welches Fenster zieht“, zählt Knipper auf. Es gibt Tipps, wie allein durch Verhaltensänderungen Energie eingespart werden kann – auch ohne bauliche Maßnahmen. „Außerdem bringen sie Energie- und Wassersparartikel mit, die direkt eingebaut werden können, aber natürlich nur, wenn das auch gewünscht ist“, sagt sie.

Verhinderung einer Sperre

Zu diesen kostenlosen „Soforthilfen“ gehörten unter anderem LEDs, schaltbare Steckdosenleisten, Kühlschrankthermometer, Durchflussbegrenzer, wassersparende Duschköpfe, Hygrometer, Zeitschaltuhren oder auch Zugluftstopper. Berechtigt seien Personen, die Sozialleistungen wie beispielsweise Arbeitslosengeld II, Grundsicherung, Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen. „Aber auch Rentner mit wenig Geld beraten und unterstützen wir gerne“, sagt Knipper. Wer also unter der Pfändungsfreigrenze liege, könne beraten werden.

Seit 2008 sind der Deutsche Caritasverband und der Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands für die Umsetzung und Weiterentwicklung der Projektinhalte verantwortlich. Den „Stromspar-Check“ gibt es in mehr als 150 Städten und Gemeinden. 350.000 Haushalte waren dabei. „Es gibt Kreise, in denen es sich so durchgesetzt hat, dass Energieanbieter einen Stromspar-Check empfehlen und so lange von einer Sperre absehen“, sagt sie. In der Gemeinde Jemgum will man gemeinsam mit den anderen Kommunen in die Öffentlichkeitsarbeit starten. „Wir suchen auch noch nach Orten, wo wir auf das Projekt aufmerksam machen können, wenn es ganz offiziell im ganzen Kreis losgeht“, sagt Knipper.

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