Soziales
Westoverledinger Facebookgruppe sorgt für Lichtblicke
Die Facebook Gruppe Lichtblicke sorgt im wahrsten Sinne des Wortes für Lichtblicke. Gründerin Ilona Santen aus Steenfelde erklärt, warum sie sich für Bedürftige sammelt.
Steenfelde - Weihnachten 2017, privater Spendenaufruf. Eine Gruppe von Müttern aus Steenfelde möchte Bedürftige beschenken, sammelt und bringt Hilfsgüter zur Bahnhofsmission nach Leer. Daraus wird ein langfristiges Engagement. Im Gespräch erklärt uns Ilona Santen, warum es ihr und ihren Mitstreiterinnen wichtig ist weiterzumachen und dabei unabhängig zu bleiben.
Eng arbeiteten die Ehrenamtlichen mit Diakonie, Rotem Kreuz, Wohnungslosenhilfe und Suppenküche zusammen. Nur eigene Erkrankungen und Corona hätten den Elan der Helferinnen etwas gedämpft. Im Sommer 2020 sorgte der erste Spendenaufruf via Facebook für große Resonanz: „Das hat eingeschlagen wie eine Bombe“, erinnert sich Santen. Es kamen viele Hilfsangebote und „nur positive Reaktionen“. Mehrere Firmen unterstützten die Helferinnen, die ihrer Gruppe den Namen „Lichtblick“ gegeben haben, mit Sachspenden.
Sofort helfen ohne „Papierkram“
Zwischenzeitlich wollten sich die Helfer eigentlich zu einem Verein zusammenschließen. Als Vorsitzende eines Kindergarten-Fördervereins fühlte sich die Steenfelderin dafür gut gewappnet. Dass es dazu nicht kam, bereut die gelernte Köchin allerdings nicht und nennt dafür zwei Gründe. Zum einen ist da der „umständliche Papierkram“. Wichtiger aber ist Santen der zweite Grund: „Wir wollen weiter unabhängig helfen“, erklärt die 50-Jährige. Sofort reagieren zu können, wenn sich Bedarf zeigt, ohne Regeln oder Vereinsvorschriften, das macht einen großen Teil ihres Selbstverständnisses aus. „Wer in offizieller Stelle tätig ist, kann nicht immer so, wie er will“, hat die Steenfelderin beobachtet. Unabhängig zu agieren könne außerdem Ungerechtigkeiten ausgleichen, die im System immer mal entstehen.
Das Engagement der Lichtblick-Mitglieder beschränkt sich nicht auf Spendenabgaben, sie setzen sich auch persönlich ein. Santen kocht regelmäßig für die Bahnhofsmission. Zu Weihnachten hat sie mit der Unterstützung ihrer Mitstreiterinnen ein Festessen für 200 Personen realisiert. Der Hauptteil der Planung der Gruppe liege bei ihr, sagt Santen. Da kommen viele Stunden zusammen, aber so genau zähle sie nicht.
Neue Aufgabe gesucht
Was treibt Ilona Santen an? Zuerst war es die Suche nach einem Ausgleich. „Ich habe damals meine Eltern gepflegt. Das ging an die Substanz“, erinnert sie sich. Als Kontrast dazu fand sie den Förderverein für den Kindergarten. Dort traf die Steenfelderin wie erhofft auf blühendes Leben. Aber auch auf Familien, die es finanziell nicht leicht hatten. Santen erkannte sich selbst wieder: „Hartz IV und alleinerziehend und immer versucht man, den Schein zu wahren.“ Irgendwann sei in einer Gruppe der Eltern die Ideen entstanden, nach dem Vorbild von Herma Schoon eine Spenden-Box wie in Wiesmoor zu organisieren. Die Spenden-Bereitschaft ist groß. Die Gruppe dokumentiert sie eindrucksvoll auf ihrer Facebook-Seite. Wer hier spendet, ist ganz unterschiedlich, aber die Steenfelder haben beobachtet: „Leute, die selbst erfahren haben, wie es ist Hilfe zu bekommen, wenn die Hütte brennt, das sind die ersten, die um die Ecke kommen, um anderen wieder zu helfen.“
An diesem Vormittag ist Ron Willems in die Planung eingebunden. Der 45-Jährige engagiert sich als Ansprechpartner für Wohnungslose und sucht den direkten Kontakt mit ihnen. In den vergangenen Wochen haben die Steenfelder den Wohnungslosen gebrauchte Schlafsäcke und Iso-Matten gebracht. Die sind sehr begehrt, auch für die Hunde, die mit ihren Besitzern in der Kälte übernachten.
Das Gespräch auf Augenhöhe ist für Obdachlose wichtig, weiß Willems. Der Frührentner betont, dass viele ganz unverschuldet in die Lage gekommen sind. Es mache ihm Freude, seine Zeit sinnvoll für diese Menschen einzusetzen, betont der Familienvater. Manchmal gehe es in den Gesprächen zuerst um kaputtes Schuhwerk. Später erfahren die Helfer dann, wo der Schuh wirklich drückt.
Annahmestelle und Kontakt
Mehr zur Gruppe „Lichtblick“ Spenden für den Bedarf des täglichen Lebens gehen an Obdachlose, Bedürftige oder von Altersarmut betroffene. Die Verteilung erfolgt über die Bahnhofsmission, Suppenküche und Obdachlosenhilfe im Landkreis Leer oder über die Mitglieder der Gruppe persönlich. Die Annahmestelle ist in der Krokusstraße 4 in 26810 Steenfelde, Westoverledingen. Telefonisch ist die Gruppe unter 0151/18312551 oder über die Facebook-Gruppe „Lichtblick“ zu erreichen.