„Gartentipps“

„Nicht zu schnittig in das Frühjahr starten“

Thomas Harms
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Von Thomas Harms
| 13.02.2022 12:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Baum- und Strauchschnitt sollten mit Augenmaß erfolgen, rät Gartenexperte Thomas Harms. Foto: Ortgies
Der Baum- und Strauchschnitt sollten mit Augenmaß erfolgen, rät Gartenexperte Thomas Harms. Foto: Ortgies
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„Nicht zu schnittig in das Frühjahr starten“, rät Gärtnermeister Thomas Harms diesmal in seinen Gartentipps. Beim Strauch- und Baumschnitt ist Augenmaß gefragt.

Oberledingerland - Zurzeit lädt das Wetter ja wirklich nicht zu Gartenarbeiten ein, abgesehen vielleicht von der Beseitigung von Sturmschäden. Aber wenn die Sonne doch einmal für ein oder zwei Stunden scheint, kann ich mir sicher sein, dass mein alter Schulfreund Günther mich anruft und Fragen zum Thema Strauchschnitt stellt. Wir haben trotz Corona immer noch regelmäßige Kontakte in der Freundesgruppe. Und coronabedingt haben einige aus dieser Gruppe nun mehr Zeit für den Garten, eventuell auch den Ehrgeiz, jetzt mal alles richtig zu machen.

Ich empfinde es immer als sehr angenehm, wenn Günther anruft, und freue mich dann später zu sehen, dass er meine Ratschläge angenommen und umgesetzt hat. Ist ja auch besser, den Fachmann um Rat zu fragt, ehe man zum Beispiel den Hortensien mit der Gartenschere oder noch schlimmer, mit der Handsäge zu Leibe rückt. Dem Frühjahrsputz im Garten und dem Drang, möglichst alle Sträucher im Garten in handliche Kugelform zu schneiden, fallen bei vielen frühblühenden Sträuchern, so auch den Hortensien, die bereits im Herbst angelegten Blühknospen zum Opfer.

Nur die alten Blüten entfernen

Diese Blühknospen liegen genau unterhalb der letztjährigen Blüten. Danach kommen dann die Blattknospen. Wenn im Mai die Blätter durchtreiben, bleiben die oberhalb stehenden Triebenden ohne Blüte. Augenscheinlich hat dann jemand die Blütenansätze herausgeschnitten. Wenn also Hortensien beschnitten werden sollen, dann bitte direkt nach der letzten Blüte nur die alten Blüten entfernen. Darunter entsteht bereits die Blüte des nächsten Jahres.

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Eine Ausnahme von dieser Regel will ich hier nicht unterschlagen: Die Pflanzenzüchter sind nicht untätig gewesen, haben unter anderem unter dem Handelsnamen „Endless Summer“ vor einigen Jahren Hortensien entwickelt, die regelmäßig nachblühen, weil die Blütenknospen sich ständig neu bilden. Aber keine Rose ohne Dornen (botanisch sind es übrigens Stacheln): Diese Züchtungen haben sich als nicht so blühfreudig erwiesen, wie es die Werbung uns weismachen wollte.

Sträucher wie zum Beispiel Spireen, Hasel, Mahonien, Magnolien, Winterjasmin und Zaubernuss, die bei uns bereits im Februar bis März blühen, sollte man selbstverständlich nicht noch vorher beschneiden und keinesfalls abschneiden. Einerseits sind die ersten Blüten des Jahres Farbkleckse im sonst so grauen Garten, andererseits sind diese Sträucher mit ihren Blüten Futterquelle für Insekten. Im April zieht die Blüte der Felsenbirnen, Forsythien, Kornelkirschen und Ranunkelsträucher dann weitere hungrige Insekten an, die wiederum Nahrungsquelle für viele heimische Vogelarten sind. Also: Schere und Säge stillhalten und der Natur etwas Gutes tun!

Taubenmist ist ideal

Was macht eigentlich ihr Gemüsegarten? Wenn ich Ihnen schon das Abschneiden der Gehölze madig gemacht habe, dann möchte ich doch wenigstens noch einen neuen Arbeitsvorschlag einbringen. Wenn es sich nicht gerade um Kartoffelbeete handelt, die vor der Pflanzung der Erdäpfel gerne noch einen kräftigen Nährstoffschub, klassisch mit Stallmist, erhalten, dann sind die meisten Gartenpflanzen mit einer genügsamen Düngung recht zufrieden. Bei mir im Garten hat sich dafür der Kompost aus dem eigenen Garten, angereichert mit zugekauftem Breinermoorer Kompost bestens empfohlen.

Dazu dann noch eine gute Handvoll Hornspäne als länger wirkende Komponente zur Versorgung mit Stickstoff, dann ist man gut vorbereitet. Wenn Sie einen Brieftaubenzüchter in der Nachbarschaft haben, kann sich die Frage nach dem anfallenden Taubenmist lohnen. Dieser Taubenmist, in Wasser zu Jauche aufgeweicht, ist ein absoluter Spitzendünger, wenn die Tomaten im Juni zu Hochform auflaufen und wöchentlich einen Extraschuss Futter an die Wurzeln haben möchten. Dünn aufgestreut und gut eingearbeitet, kann man auch seinen Blumenbeeten damit etwas Gutes tun.

Kohlbeete oder Wurzelgemüse allerdings sollte man besser nicht mit tierischen Exkrementen düngen, man steigert damit auch die Gefahr des Befalls mit Schadinsekten.