Serie „Das Vereinsleben und das Virus“

Es fehlt die Bewegung, um den Körper richtig zu trainieren

Holger Weers
|
Von Holger Weers
| 13.02.2022 17:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Volkstanzgruppe Saterland ist wegen Corona sprichwörtlich „aus dem Tritt“ geraten. Gerne würde man wieder öffentlich auftreten und dem Publikum einstudierte Tänze präsentieren. So wie auf dem Foto, wo Agnes Janßen (2. Vorsitzende), Clemens Ahrens (Kassenwart), Elfriede Deeken (Tanzleitung) und Dieter Gröneweg (stellvertretende Tanzleitung) die Radfigur nachstellen. Foto: Weers
Die Volkstanzgruppe Saterland ist wegen Corona sprichwörtlich „aus dem Tritt“ geraten. Gerne würde man wieder öffentlich auftreten und dem Publikum einstudierte Tänze präsentieren. So wie auf dem Foto, wo Agnes Janßen (2. Vorsitzende), Clemens Ahrens (Kassenwart), Elfriede Deeken (Tanzleitung) und Dieter Gröneweg (stellvertretende Tanzleitung) die Radfigur nachstellen. Foto: Weers
Artikel teilen:

Der General-Anzeiger taucht in die vielfältige Vereinswelt der Saterländer und Barßeler ein und erkundet, wie sehr das Corona-Virus den Vereinen bisher zugesetzt hat. Diesmal: Volkstanzgruppe Saterland.

Strücklingen - Die 26 aktiven Mitglieder der Volkstanzgruppe Saterland sind, wie so viele Gruppen in der Region, derzeit zum Nichtstun verdammt. Die Pandemie macht den leidenschaftlichen Tänzern, die sich gerne in ihren prachtvollen Trachten der Öffentlichkeit präsentieren, einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Keine Auftritte, keine Fahrten, keinerlei Versammlungen sind momentan möglich. „Seit dem 7. März 2020 wurde alles gestrichen“, sagen Tanzleiterin Elfriede Deeken und ihre Mittänzer.

Einzige Ausnahme bildete am 30. Juni des vergangenen Jahres ein Auftritt vor Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Der Landesvater besuchte im Rahmen seiner Sommertour das Saterland und wollte dabei Land und Leute sowie deren Sprache Saterfriesisch kennenlernen.

Nur für den Landesvater

Die Volkstanzgruppe Saterland bewahrt und fördert nicht nur Sitten und Gebräuche in der Region, sondern hält auch die saterfriesische Sprache lebendig. Einzig für diesen außergewöhnlichen Auftrittstermin hatte man im Vorfeld proben dürfen. Daneben konnte im August auch noch ein Familientag durchgeführt werden. Alles andere fiel der Corona-Pandemie mit ihren Auflagen zum Opfer. Dabei hatten einige wichtige Termine angestanden wie zum Beispiel im November 2020, als das 50-jährige Bestehen der Volkstanzgruppe Saterland mit einem Volkstanztreffen der Cloppenburger Gruppen bei Dockemeyer in Ramsloh geplant war.

Im gleichen Jahr hätten die Saterländer Tänzerinnen und Tänzer auch an der Europeade - ein jährlich stattfindendes Fest mit bis zu 6000 Teilnehmern, die Volkstänze und Musik aus ganz Europa mitbringen - mitwirken sollen. Die Veranstaltung sollte in Klaipeda (Litauen) stattfinden. Nachdem auch Sizilien im vergangenen Jahr wegen der Pandemie als Ausrichter absagen musste, versucht es Klaipeda vom 13. bis 17. Juli in diesem Jahr erneut.

Mit viel Leidenschaft tanzen

Für 2020 waren die Saterländer Tänzer für die Teilnahme bereits in finanzielle Vorleistung getreten. Nach einigem Hin und Her erhielten sie ihr Geld – bis auf eine kleine Restsumme – zurück. „Wir hoffen, dass es dieses Mal mit Klaipeda klappt“, sagt Clemens Ahrens, Kassenwart der Volkstanzgruppe Saterland.

Die Saterländer betreiben ihr Hobby mit viel Leidenschaft. Um die zahlreichen Tänze und deren Abfolge einzustudieren, müssen sie sehr viel üben. „Volkstanz, so wie wir ihn betreiben, ist Sport pur. Es gibt keine großen Pausen bei den Auftritten“, betont Ahrens. Da es sich dabei um einen Kontakt(sport) für Tanzpaare oder Gruppen handelt, ist in Zeiten von Corona oberste Vorsicht geboten.

Ähnliche Artikel

„Ab Mitte November, als die Infektionszahlen wieder stiegen, haben wir jeden Tag einen Test gemacht“, erzählt der Kassenwart. Um in voller Stärke tanzen zu können, gingen einige Volkstanzgruppen in Niedersachsen besondere Wege. „Einige Gruppen in Südniedersachsen haben im Winter in Gewächshäusern, andere in einer Reithalle getanzt“, erklärt Dieter Gröneweg, stellvertretender Tanzleiter. Ein Online-Einzeltraining für Mitglieder der Volkstanzgruppe Saterland wurde gar nicht erst in Erwägung gezogen. „Volkstanz ist ein Gruppensport. Dies hätten zudem unsere Leute auch gar nicht mitgemacht“, sagt die 2. Vorsitzende Agnes Janßen. Kontakt hielt man über WhatsApp oder per Telefon.

Zwei bis drei Monate üben

Die Leidenschaft für das Tanzen ist bei den Saterländern nach wie vor ungebrochen. Es hat wegen Corona keine Abgänge gegeben. Sollte es in absehbarer Zeit wieder losgehen, könnte es ein weitaus drängenderes Problem geben. „Für ein Tanzprogramm müssen wir vorher zwei bis drei Monate üben. Das ist sehr aufwendig“, erklärt der stellvertretende Tanzleiter Gröneweg. Wenn sich üblicherweise mehrere Volkstanzgruppen bei einer Veranstaltung treffen, würden in Absprache die gleichen Tänze aufgeführt. Diese könnten aber in der Schrittfolge variieren.

Ein fester Termin im Jahr der Volkstanzgruppe Saterland ist der Bekensdai (Stiftungsfest der Saterfriesischen Verfassung), der meist im Februar abgehalten wird. Hierzu wird nicht nur getanzt, sondern auch die Jahreshauptversammlung abgehalten. Im vergangenen Jahr musste die Veranstaltung ausfallen. Am 1. März will man nun einen erneuten Anlauf unternehmen. „Wir haben jetzt zwei Jahre fast nichts gemacht. Es fehlt die Bewegung, um den Körper richtig zu trainieren.

Üblicherweise haben wir 60 bis 70 Tänze im Programm“, erzählt die 2. Vorsitzende Agnes Janßen. „Volkstanz hält dich nicht nur körperlich und geistig fit, sondern fördert auch die Gemeinschaft“, wirbt Clemens Ahrens für den Sport. „Wir hoffen so sehr, dass es im Sommer weitergeht und wir wieder loslegen können“, sagt Elfriede Deeken. Sollte sich die Hoffnung erfüllen, könnte die Teilnahme am Tag der Niedersachsen (10. bis 12. Juni) in Hannover und an der Europeade in Klaipeda Wirklichkeit werden. Vielleicht klappt es sogar am 19. November mit dem Volkstanztreffen der Cloppenburger Gruppen bei Dockemeyer. Dann will die Volkstanzgruppe Saterland endlich ihr 50-jähriges Vereinsjubiläum nachholen.