Papenburg
CDU im nördlichen Emsland mit Mitgliedsanträgen überschwemmt
Kurz vor Fristablauf zur Teilnahme an der Urwahl für die Kandidatenkür zur Landtagswahl 2022 ist die CDU im nördlichen Emsland von Mitgliedsanträgen regelrecht überflutet worden. Nun besteht dringend Klärungsbedarf.
Wie der Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Aschendorf-Hümmling, Günter Wigbers, am Abend mitteilte, gingen bei den Christdemokraten exakt 771 Aufnahmeanträge ein, „schwerpunktmäßig aus der Samtgemeinde Werlte“.
Nach übereinstimmenden Informationen unserer Redaktion soll ein Großteil der Anträge am späten Donnerstagnachmittag, 10. Februar 2022, auf der Geschäftsstelle des Kreisverbandes in Papenburg eingegangen sein. Bis dato zählte der Verband rund 1800 Mitglieder.
Dass die offenbar mit Abstand meisten Neuanträge vom Hümmling kommen, lässt den Schluss zu, dass damit massiv die Bewerbung von Hartmut Moorkamp unterstützt werden soll. Der Landwirt aus Rastdorf ringt mit Vera Butterweck-Kruse (Lehe) und Heinz-Hermann Hoppe (Sustrum) um die Kandidatur für die Christdemokraten bei der Landtagswahl im Herbst. Wigbers zufolge aber zeigten sich alle drei Kandidaten von der Entwicklung überrascht.
Darüber entscheiden, wer aus dem Trio sich den Wählern im Bemühen um die Nachfolge von Bernd Busemann (Dörpen), der nach 28 Jahren nicht wieder antritt, stellen darf, sollen die CDU-Mitglieder bislang in einer Urwahl am 26. Februar. Nun wird der bisherige Fahrplan bis dahin umgekrempelt.
Der Kreisverband und auch die drei Kandidaten hatten zuvor offensiv um Neumitgliedschaften geworben. Wer bis Donnerstag, 10. Februar 2022, Mitglied werde, dürfe bei der Urwahl mit abstimmen.
Von diesem Angebot haben nun offenbar insbesondere die mutmaßlichen Unterstützer von Moorkamp in einer konzertierten Aktion Gebrauch gemacht. Wilhelm Goldschmidt, langjähriger CDU-Ratsherr in Werlte, verhehlt das auch gar nicht. Er sei vom Samtgemeindeverband gebeten worden, die Aktion zu unterstützen, sagte Goldschmidt am Freitag im Gespräch mit unserer Redaktion. Das habe er getan.
Vom Ergebnis zeigt er sich selbst überrascht. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel wird“, so Goldschmidt. Nach seiner Auffassung ist das Vorgehen legitim und sei auch in der Vergangenheit schon so praktiziert worden.
Wie geht es nun weiter? „Der Kreisverband hat über die Annahme der Mitgliedsanträge zu entscheiden“, erklärt Wigbers. Grundsätzlich freue man sich über jedes neue Mitglied. „Allerdings löst diese ungewöhnliche Menge Klärungsbedarf aus. Dafür brauchen wir Zeit“, so der Kreisvorsitzende.
Das bedeutet: Der Verband terminiert den Zeitplan für die Kandidatenaufstellung neu – im Einvernehmen mit den drei Bewerbern, wie Wigbers betont. Wie der Sögeler weiter ausführt, sind die für den kommenden Dienstag und Donnerstag geplant gewesenen digitalen Vorstellungsrunden abgesagt. Dasselbe gelte für die für Freitag, 25. Februar, terminierte Aufstellungsversammlung. „Die Mitglieder werden zeitnah über das weitere Vorgehen informiert“, so Wigbers.
Fakt ist: Gemessen an den Zahlen kommt die Antragsflut einer Unterwanderung des Kreisverbandes gleich.
Ein langjähriges CDU-Mitglied in ehedem führender Position im Emsland wird im Gespräch mit unserer Redaktion noch deutlicher. Der Christdemokrat spricht von einer „Manipulation in reinstem Wasser“ und „Taschenspielertricks“. Nach seinen Worten waren am Donnerstag eine Viertelstunde vor Büroschluss fünf Aktenordner mit den Anträgen abgegeben worden.