Alles Kultur

Die Perlen aus dem Radio

Annie Heger
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Eine Kolumne von Annie Heger
| 14.02.2022 09:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Annie Heger neu
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Sechsmal in der Woche veröffentlichen wir auf unserem Internet-Auftritt eine Kolumne. Montags geht es immer um Kultur.

„Video killed the Radio Star“ sangen The Buggles bereits vor 40 Jahren. Damals waren Musikvideos der ultimative und neueste, heiße Hype. Mittlerweile müsste der Titel wohl heißen „Streaming killed the Radio“. 100 Jahre ist das Radio relevant gewesen für Nachrichten, Fußball, Musik, Hörspiele und auch als Propaganda-Vehikel. Das Radio hat jahrzehntelang mit seinen Übertragungen die Straßen leer gefegt und war lange das schnellste Medium, um Nachrichten zu verbreiten.

Zur Person

Annie Heger (38), geboren in Aurich und heute hauptsächlich in Berlin lebend, ist abgebrochene Religionslehrerin, abgebrochene Diätassistentin und geprüfte Heilpraktikerin für Psychotherapie, aber vor allem ist sie als Künstlerin bekannt. Sie singt, ist Schauspielerin und moderiert Shows, Festivals, Varietés und Galas. Außerdem ist sie Plattdeutsch-Aktivistin, unter anderem als Intendantin des „PLATTart“-Festivals.

Die allererste öffentliche Rundfunkübertragung war übrigens ein Weihnachtskonzert am 22.12.1920. Ich kann mir die Spannung kaum vorstellen, als die Menschen vor dem Gerät saßen und endlich die ersten Töne erschallten. Alles hat seine Zeit und die des Radios wirkt für viele so, als sei sie vorbei. Denn Streamingportale haben eine quasi bodenlose Audiothek, die keine Musikwünsche offenlässt und das zu jeder Tages- und Nachzeit.

Wie ist das in den ostfriesischen Wohnzimmern, Werkstätten und Autos? Hören Sie noch Radio? Bei all den Möglichkeiten alles auf Spotify und Co. hören zu können, scheint es ja geradezu eine verpasste Chance zu sein, ein linear funktionierendes Radioprogramm anzuschalten. Oder nicht? Um ehrlich zu sein, ich bin schnell von einer großen Auswahl überfordert und freue mich, wenn sich Redakteur*innen Gedanken machen, was sie ihrer Hörerschaft vorspielen wollen und noch das ein oder andere zum Song zu erzählen haben. Ja, viele Sender haben feste Playlisten und sich immer wiederholende Songs, doch es gibt sie noch, die Perlen der Programmgestaltung.

Anfang des Jahres sagte ein Bekannter zu mir, dass er sich freut, wenn er mich bei der Arbeit auf dem Kran im Radio hört. Ich werde von Menschen gehört, die auf einem Kran arbeiten – fühlt sich fast an wie ein Ritterschlag. Doch anders als vermutet hören im Schnitt in Deutschland täglich circa 54 Millionen Menschen Radio. Die Radionutzung ist also stabil geblieben.

Kleiner Tipp: Heute ist Valentinstag, vielleicht ist das einen Radiowunsch für den Liebling wert? So etwas persönliches gibt es nämlich bei keiner Spotify-Playlist.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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