Politik

Frauen in Spitzenpositionen – nicht bei den Leeraner Grünen

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 11.02.2022 11:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In der Grünen-Fraktion sind die Frauen in der deutlichen Mehrheit. Die höchsten Ämter gingen aber an einen Mann. Foto: Ortgies
In der Grünen-Fraktion sind die Frauen in der deutlichen Mehrheit. Die höchsten Ämter gingen aber an einen Mann. Foto: Ortgies
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In der Fraktion der Grünen in Leer sind die Frauen in der deutlichen Mehrheit. Diese Quote schafft keine andere Fraktion im Rat. Trotzdem ist die CDU den Grünen in der Frauenförderung voraus.

Leer - Kaum eine andere Partei in Deutschland hat sich so stark der Gleichberechtigung und der Frauenförderung verschrieben, wie die Grünen. In ihrer Satzung haben sie unter anderem festgehalten, dass bei der Vergabe von Ämtern im Zweifel die Frauen den Erstzugriff haben.

Die Grünen-Fraktion im Leeraner Stadtrat geht aber einen anderen Weg. Sie besteht aus sechs Frauen und zwei Männern. Die beiden höchsten Führungsposten – der des Fraktionsvorsitzenden und der des stellvertretenden Bürgermeisters – hat wie in der vergangenen Wahlperiode auch ein Mann übernommen: Bruno Schachner. Warum?

Diskussionen im Vorfeld

Im Vorfeld der Vergabe der Ämter habe es durchaus die Diskussion gegeben, dass er einen der beiden Posten abgeben solle, bestätigt Schachner. „Ich habe lange darüber nachgedacht, mit vielen Menschen gesprochen und mich schließlich dafür entschieden, sowohl für den Fraktionsvorsitz und für den Posten des stellvertretenden Bürgermeisters zu kandidieren.“ Er glaube, dass er mit seiner Erfahrung und dem guten Kontakt zu den anderen Fraktionen einen wichtigen Beitrag dazu leisten könne, die Missstimmungen innerhalb der Leeraner Politik aufzulösen. Letztlich habe auch keine der Frauen gegen ihn kandidiert und er sei ohne Gegenstimme gewählt worden.

Bruno Schachner ist sowohl der Fraktionsvorsitzende der Grünen in Leer als auch stellvertretender Bürgermeister. Foto: Archiv
Bruno Schachner ist sowohl der Fraktionsvorsitzende der Grünen in Leer als auch stellvertretender Bürgermeister. Foto: Archiv

Es habe sehr wohl eine Frau deutlich gemacht, dass sie gerne eines der Ämter übernehmen wolle, sagt Engeline Kramer. Diese Frau sei allerdings vor einer Kampfkandidatur zurückgeschreckt. „Ich bedauere es sehr, dass weder der Fraktionsvorsitz noch der Posten des stellvertretenden Bürgermeisters von einer Frau übernommen wurde“, sagt sie.

Lieber rausgehalten

“Das wäre für die Außenwirkung wichtig gewesen“, sagt auch Freya Schäfer, mit 18 Jahren das jüngste Fraktionsmitglied der Grünen. Wie Katharina Birch und Sonja Wagenseil ist sie neu im Stadtrat. „Unsere Frauenquote ist so megastark, das hat keine andere Fraktion“, sagt Schäfer. Leider spiegele sich das bei der Vergabe der Ämter nicht wieder. Die Frau, die sich ebenfalls für eines der Ämter interessiert habe, habe zurückgezogen, „weil Bruno es so gerne machen wollte“. Sie selber habe sich während der Sitzung „rausgehalten“. „Ich bin ja ganz neu und wollte keinen Unfrieden reinbringen.“

Nicht alle der Frauen der Grünen-Fraktion stehen der Bündelung der Ämter bei Bruno Schachner kritisch gegenüber: „Für mich ist das völlig in Ordnung“, sagt Sonja Wagenseil. Die Frauenförderung halte sie für wichtig und unterstütze sie unbedingt. „Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass eine Frau die Posten wirklich haben wollte.“ Sie selber habe noch kein Amt haben wollen, sondern wolle sich zunächst orientieren.

Auch SPD und CDU haben ihren Posten des stellvertretenden Bürgermeisters jeweils mit einem Mann besetzt: die SPD mit Jochen Kruse und die CDU mit Thomas Bruns. Der Fraktionsvorsitzende der SPD ist Heinz Dieter Schmidt und die CDU hat mit Ursel Nimmrich an der Spitze der Fraktion ein echtes Alleinstellungsmerkmal in der Leeraner Politik.

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