Kolumne Intern

Von Pressesprechern, die leider oft nicht sprechen wollen

Joachim Braun
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Eine Kolumne von Joachim Braun
| 11.02.2022 09:39 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Joachim Braun
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Die Bedeutung von Pressesprechern für das, was in der Zeitung steht, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Egal, welches Thema wir bearbeiten, meist brauchen wir Antworten, die uns nur sie geben können.

Grundsätzlich haben wir es mit zwei Arten zu tun: Pressesprecher von (privaten) Unternehmen, deren Aufgabe es ist, ihre Firma gut zu verkaufen. Sie sollten nicht lügen, müssen aber nichts verraten, was sie als nachteilig erachten. Und dann gibt es die Sprecher von öffentlichen Institutionen: also von Landkreisen, Städten, Behörden, Krankenhäusern und auch Sparkassen. Gegenüber ihnen haben wir ein Auskunftsrecht gemäß Paragraph 4, Pressegesetz. Davon war hier schon mehrfach die Rede. Sie müssen also Auskunft geben, auf fast alle unsere Fragen, und das auch noch „zeitnah“.

Zur Person

Joachim Braun (56) ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General-Anzeigers und der Borkumer Zeitung. Davor leitete er die Redaktionen der Frankfurter Neuen Presse und des Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. 2012 wurde er von einer Fachjury zu Deutschlands „Regional-Chefredakteur des Jahres“gewählt.

Das passiert leider oft nicht, und irritierenderweise gerade bei jenen Pressesprechern, die mal unsere Kollegen und als Journalisten tätig waren. Jene also, die genau wissen, warum wir welche Fragen stellen und die wissen, was der Faktor Zeit für uns bedeutet. Da gibt es solche, die brauchen schon mal mehrere Wochen für völlig harmlose Anfragen und andere, denen wir zum Beispiel anbieten, ein Gespräch mit einem der Mitarbeiter am Corona-Telefon des Gesundheitsamts zuführen, um deren schwere Arbeit darzustellen, und die uns ohne Begründung absagen. Weil sie offenbar nicht verstehen, dass dies eine Chance wäre, Werbung für die schwierige Situation vor Ort zu machen. Das ist bedauerlich.

Wie gut das Verhältnis zwischen Pressesprecher und Journalisten ist, hat viel mit Vertrauen zu tun. Vertraut er, kann der Sprecher auch mal etwas erzählen, was nicht zitiert wird, was aber wichtig ist, damit der Journalist den Kontext versteht. Gerade Behördensprecher, die zuvor in Ostfriesland als Journalisten tätig waren, haben oft dieses Vertrauen nicht (warum eigentlich?) und verstehen sich offenbar als Presseverhinderungssprecher. Schade für diese Leute, für uns und schade für die Leser.

Kontakt: j.braun@zgo.de

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