Corona in Ostfriesland

Luca-App für ostfriesische Behörden weitgehend nutzlos

| | 11.02.2022 11:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mehrere Bundesländer wollen die Luca-App nicht weiter nutzen. Was ist mit Niedersachsen? Foto: Soeder/DPA
Mehrere Bundesländer wollen die Luca-App nicht weiter nutzen. Was ist mit Niedersachsen? Foto: Soeder/DPA
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Drei Millionen Euro hat das Land bislang für die Luca-App bezahlt. Nur: In Ostfriesland hat deren Einsatz bislang fast nichts gebracht. Bis zu 35.000 Euro hat hier eine einzige Abfrage gekostet.

Ostfriesland - Die bei Datenschützern umstrittene Luca-App zur Corona-Kontaktverfolgung ist für die Gesundheitsämter in Ostfriesland weitgehend nutzlos geblieben: Der Kreis Wittmund beispielsweise hat Behördenangaben zufolge bislang vier bis fünf Abfragen getätigt, die in zwei bis drei Fällen dazu geführt haben, ein Infektionsgeschehen offenzulegen oder einzudämmen. In Emden waren es insgesamt nur zwei Fälle, in denen eine Abfrage stattgefunden hat. „Insofern hat die Luca-App für Emden eher eine untergeordnete Rolle bei der Kontaktverfolgung“, schreibt Stadtsprecher Eduard Dinkela. Und Ralf Klöker vom Kreis Wittmund teilt mit: „In Anbetracht des äußerst geringen Nutzens von Luca für unseren Landkreis ist es entbehrlich.“

Die Kreise Aurich und Leer teilen mit, dass sie keine Statistik über die Luca-Abfragen erhoben hätten. „Es lässt sich jedoch sagen, dass die Datenabfrage eher gering war“, schreibt Jens Gerdes vom Kreis Leer. Einzig Rainer Müller-Gummels vom Kreis Aurich gibt eine vorsichtig positive Auskunft: „Grundsätzlich haben die Daten geholfen, die Situation einzuschätzen und gegebenenfalls Kontaktpersonen zu benachrichtigen.“ Ob vereinzelte optimistische Aussagen dazu führen, dass das Abo für die Luca-App verlängert wird? In der Hand haben das nicht die Gesundheitsämter, sondern das Land. Verschiedene Bundesländer, darunter Bremen und ganz aktuell Rheinland-Pfalz, verlängern nicht. Der niedersächsische Vertrag läuft Ende März aus. Auf Nachfrage sagt eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums: „Wir sind in der Entscheidungsfindung.“

Theoretisch ganz praktisch

Insgesamt hat die Luca-App das Land bisher drei Millionen Euro gekostet. Teilt man diese Summe durch alle 43 niedersächsischen Gesundheitsämter, kommt man auf rund 70.000 Euro pro Kreis beziehungsweise kreisfreie Stadt. Heißt: Für den Kreis Wittmund haben die Steuerzahler etwa 14.000 Euro pro Luca-Abfrage bezahlt, für die Stadt Emden sogar rund 35.000 Euro.

Bekannt wurde die privat vertriebene Luca-App, weil sie Betrieben wie Restaurants ermöglicht, selbst keine Kontaktdaten von Gästen mehr erfassen zu müssen. Stattdessen checken sie per QR-Code mit dem Smartphone ein und wieder aus. Im Falle einer Infektion kann das Gesundheitsamt auf die persönlichen Daten der Gäste zugreifen – zumindest in der Theorie. In der Praxis kommen die Behörden angesichts der aktuellen Omikron-Welle mit der Kontaktnachverfolgung nicht mehr hinterher.

Datenschützer kritisieren die App

Kritisiert wird die App von Datenschützern insbesondere, weil sie die persönlichen Daten auf einem zentralen Server speichert – anders als die bundeseigene Corona-Warn-App (CWA). Bei dieser werden alle Kontakte und Check-Ins lokal auf dem Handy des Nutzers verwaltet – und nur dann freigegeben, wenn er der App meldet, infiziert zu sein und andere warnen zu wollen. Dieses Warnsystem funktioniert unabhängig von den Behörden. Sobald ein positiver Test eingetragen wird, informiert die CWA alle Kontakte, die dann auf ihrem Smartphone eine rote Warnung angezeigt bekommen. Warnender und Gewarnte bleiben anonym. Eine Schwachstelle: Nur wenn die Testergebnisse wirklich eingetragen werden, funktioniert das System. Angesichts der bis an die Belastungsgrenze beschäftigten Labore und Ämter werden mache Menschen erst dann gewarnt, wenn der Warnende schon wieder genesen ist.

Neben dem Datenschutz hat die CWA gegenüber der Luca-App noch einen weiteren Vorteil: Sie braucht fürs Ein- und Auschecken keine Internetverbindung. „Es gibt viele Kollegen, bei denen die Gäste Zettel ausfüllen müssen, weil sie auf dem Land keinen Handy-Empfang haben – und die Luca-App deshalb nicht funktioniert“, sagt Erich Wagner, Ostfriesland-Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands. Viele Betriebe stellten auf das Einchecken mit der CWA um, das laut niedersächsischer Corona-Verordnung ausreichend ist, um die Standards zu erfüllen.

Die Länder, die Luca gekündigt haben, setzen jetzt ausschließlich auf die vom Robert-Koch-Institut verwaltete CWA. Ob Niedersachsen mitzieht und so enorme Kosten spart, zeigt sich spätestens im März.

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