Nostalgie
Strücklinger Parkett: Erinnerungen eines Tanzlehrers
Andree Winkler, Filialleiter des Modehauses Böckmann, ist vielen auch als langjähriger Tanzlehrer des Strücklinger Tanzstudios von Brigitte von Pidoll bekannt. Er erinnert sich an bewegte Zeiten.
Strücklingen - Es war eine Boom-Zeit für Jugendliche: Tanzwütig waren sie. In den Tanzunterricht zu gehen, gehörte dazu. Brigitte von Pidoll sah in ihrem Tanzstudio in Strücklingen Generationen von Tänzern kommen und gehen. Doch das ist lange her. Die Tanzschule gibt es seit 2012 nicht mehr. In dem Gebäude entstehen nun Wohnräume. Mit ihrem Tanzstudio brachte Brigitte von Pidoll, die in erster Ehe den Nachnamen Baczinski trug, von 1977 an ein Vierteljahrhundert lang Glamour und Geselligkeit nach Strücklingen.
Daran erinnert sich sehr gerne und ohne Wehmut Andree Winkler aus der Schifferstraße in Ostrhauderfehn. Mehr als 22 Jahre lang brachte er als Tanzlehrer jungen Leuten und erwachsenen Paaren Tanzschritte bei. Nicht von Berufs wegen, sondern einfach als Hobby. Beruflich ist Winkler Filialleiter des Rhauderfehner Modehauses Böckmann.
Einer der ersten Schüler
„Ich war erst 14 Jahre und war, als die Tanzschule eröffnet wurde, der erste Schüler von Brigitte von Pidoll, die damals noch Brigitte Baczinski hieß“, erinnert sich der Fehntjer. Es waren zunächst nur wenige, die sich aufs Parkett wagten. „Ich war vom Tanzen begeistert, und meine Eltern meinten damals: „Geh’ mal in die Tanzschule. Da bist du gut aufgehoben“. Schon bald sei er Vortänzer geworden und nach gut zwei Jahren habe er den Männern die ersten Tanzschritte gezeigt. In den 80er Jahren habe er dann seine Tanzlehrerprüfung abgelegt.
„An die Zeit bei Brigitte erinnere ich mich sehr gerne. Es war mit ihr ein sehr enges freundschaftliches Verhältnis. Man kann wohl sagen, ich war ein Kind des Hauses, fast wie ein Familienmitglied. Brigitte war für mich wie eine große Schwester“, schildert Winkler. Tanzen war damals eine beliebte Freizeitgestaltung. Junge Männer kamen mit Jackett und Krawatte ins Tanzstudio, die Haare glatt gescheitelt. Die Mädchen trugen knielange Kleider, die Haare toupiert.
Einen weiteren Boom gab es 1987, als der Film Dirty Dancing die Massen im Kino begeisterte. Dadurch zog auch eine neue Generation des Tanzens ein. „Wir haben uns dann daran angepasst“, sagt Winkler. Vom Rock bis zum Steptanz wurde in Strücklingen alles angeboten. Auch der Bauchtanz und Aerobic hielten Einzug. Brigitte und ihr Tanzpartner waren immer offen für Neues, holten es ins Saterland und probierten es aus, ob als Mitternachts- oder Singlekurs.
Hunderte Kinder bei Aufführungen
Es gab auch immer wieder Tanzaufführungen. Angefangen von den „Weihnachtsmännern“ bis hin zu „Meister Adebar“. Es sei immer ganz toll gewesen, erzählt Winkler. „Hunderte von Kindern haben damals mitgemacht. Es war traumhaft“, so der 58-Jährige.
Schön waren auch die vielen Abschlussbälle. Das Bedürfnis nach mehr Freiheit sei da gewesen, entfaltete sich aber erst später. Die Kleiderordnung sei nach und nach verschwunden. Statt Schlips und Kragen hielten bei den Männern Strickblazer Einzug. Auf der Fläche kamen Party-Tänze in Mode. „Wir haben Beat-Partys eingeführt. Da wurde alles lockerer, und die jungen Leute zogen an, was sie wollten. Es war Stimmung in der Bude.“
In den 22 Jahren als Tanzlehrer habe er viele Menschen kennengelernt. Daraus seien auch Freundschaften entstanden. Vor kurzem seien er und seine Frau von einem früheren Tanzpaar eingeladen worden, deren Silberhochzeit mitzufeiern, berichtet Winkler. Auch seine Tanzpartnerinnen - Edeltraud Schröder, Hannelore Richter, Brigitte de Buhr oder Anita Müller - hat der Fehntjer in guter Erinnerung behalten.
Mit 38 Jahren aufgehört
In den 90er Jahren sei der Betrieb in der Tanzschule weniger geworden. „Es gab bei mir auch mal Überlegungen, die Tanzschule zu übernehmen. Doch davon habe ich abgesehen. Aus heutiger Sicht war das die richtige Entscheidung, denn es wäre schwierig gewesen, davon zu leben“, stellt Winkler fest.
Im Alter von 38 Jahren legte er seine letzte flotte Sohle aufs Parkett. Dann stellte er seine Tanzschuhe in die Ecke. „Als Brigitte von Pidoll 2003 starb und zu Grabe getragen wurde, war das für mich sehr emotional. Es hat mich stark berührt. Meine Tanzschuhe habe ich als letzten Gruß ins Grab gelegt“, sagt der ehemalige Tanzlehrer mit Wehmut in der Stimme.
Als Winkler erfuhr, dass das Gebäude umgebaut wird, konnte er noch etwas aus dem Fundus retten. „Ich habe auch noch das erste Abendkleid von Brigitte gefunden. Doch ich konnte es nicht übers Herz bringen, das Kleid mitzunehmen“, so der zweifache Familienvater.
Seine frühere Chefin war auch eine begabte Malerin. Viele Blumenbilder brachte sie auf die Leinwand. Einige Gemälde hängen jetzt in der Wohnung an der Schifferstraße. „Für mich sind es wunderbare Erinnerungen an eine tolle Zeit mit Brigitte in Strücklingen“, versichert der Fehntjer.
Übers Parkett wandern nun Blumensträuße
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