Gebäude

Über 90 Polizisten, aber nur eine Dusche

Gerd Schade
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Von Gerd Schade
| 11.02.2022 14:07 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Fassade täuscht: Das Gebäude des Polizeikommissariats Papenburg in der Straße Gasthauskanal ist dringend sanierungsbedürftig. FOTO: SCHADE
Die Fassade täuscht: Das Gebäude des Polizeikommissariats Papenburg in der Straße Gasthauskanal ist dringend sanierungsbedürftig. FOTO: SCHADE
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Gesetzeshüter in alten Gemäuern: Das Polizeigebäude in Papenburg ist stark sanierungsbedürftig. Nun sind erstmals Lösungen für das Kommissariat in Papenburg in Sicht.

Papenburg - Das Polizeikommissariat in Papenburg genügt räumlich schon lange nicht mehr aktuellen Anforderungen. Nun zeichnet sich erstmals eine Lösung ab – entweder eine kleine oder eine große. Barrierefreiheit? Fehlanzeige. Diskretion im Anmeldebereich auf der Wache? Nicht vorhanden. Anzahl und Zustand der sanitären Anlagen? Fragwürdig. Ein Beispiel: Im denkmalgeschützten Gebäude des Polizeikommissariats (PK) am Gasthauskanal sind mehr als 90 Männer und Frauen beschäftigt. Für sie steht nach Einsätzen im Bedarfsfall sage und schreibe eine einzige Dusche zur Verfügung.

Neben dem Heizungsraum lagert Ausrüstung für Bereitschaftspolizisten.
Neben dem Heizungsraum lagert Ausrüstung für Bereitschaftspolizisten.

Der Landtagsvizepräsident und CDU-Landtagsabgeordnete Bernd Busemann aus Dörpen geht bei einem Besuch von Landesfinanzminister Reinhold Hilbers (CDU) im PK noch einen Schritt weiter. „Was die Toiletten angeht, ist jeder Sportverein im Emsland besser ausgestattet“, sagt Busemann. Und die Sozialräume für die Beamten „verdienen ihren Namen nicht“. Den dringenden Sanierungsbedarf verkennt auch Hilbers nicht, wie er deutlich macht. Als der nicht nur für die Finanzen, sondern auch fürs Bauen in Niedersachsen zuständige Minister skizziert er zwei Lösungen.

Erweiterung oder Neubau

Die kleinere von beiden wäre ein Erweiterungsbau für knapp fünf Millionen Euro, die große Lösung ein Neubau für voraussichtlich bis zu neun Millionen Euro. Wie Hilbers weiter ausführt, muss im nächsten Schritt das Innenministerium als Dienstgeber der Polizei beide Varianten prüfen und eine Priorität festlegen. „Deswegen kann ich hier und heute keine Zusage machen“, betont der Finanzminister. Er verhehlt allerdings nicht, dass nach seiner Auffassung „einiges für eine große Lösung“ spricht. So oder so aber erscheint der Weg noch weit. Im Doppelhaushalt des Landes für die Jahre 2022 und 2023 ist für das „Projekt PK Papenburg“ zwangsläufig noch kein Geld enthalten.

Tatsache ist aber auch, dass sich für das „seit Jahrzehnten leidige Thema“ (Busemann) erstmals überhaupt eine nachhaltige Lösung abzeichnet. Die Gedankenspiele gehen so weit, dass im Fall eines Neubaus der Verkauf des bisherigen Polizeigebäudes nicht abwegig ist. Ein Neubau würde zudem die Standortfrage aufwerfen. Darauf gibt es heute zwar keine Antwort, Hilbers betont in diesem Zusammenhang aber, wie wichtig es für die Bürger ist, dass die Polizei in einer Stadt buchstäblich sichtbar ist. Das sieht auch Bürgermeisterin Vanessa Gattung (SPD) so. „Gerade das Sicherheitsgefühl hängt unmittelbar mit der Lebensqualität einer Stadt zusammen“, meint sie. PK-Leiter Lars Zengler – seit Oktober 2021 in Papenburg im Amt – weiß indes, dass weiter Geduld gefragt ist. Und doch wertet er den Ministerbesuch als „ein tolles Signal“ und „schönes Zeichen der Wertschätzung“. Busemann zufolge ist an dem im 19. Jahrhundert errichteten PK-Gebäude viel zu lange und viel zu häufig immer wieder Flickschusterei betrieben worden – und das zum Teil kostspielig. „Ein Fass ohne Boden“, sagt er. Jetzt müsse es klotzen statt kleckern heißen.

Unterm Teppichlauert Asbest

Wie die Leiterin der Polizeiinspektion (PI) Emsland/Grafschaft Bentheim, Nicola Simon, und PK-Leiter Zengler in diesem Zusammenhang erläutern, würde allein das Schaffen von Barrierefreiheit im Eingang sowie dessen Umbau im Sinne von Diskretion und Datenschutz jeweils einen sechsstelligen Betrag erfordern. Und doch seien die Summen am Ende nur Tropfen auf den heißen Stein. Dasselbe gilt Zengler zufolge für einen Austausch des Teppichs im ersten Obergeschoss, unter dem Asbest lauert. Auch energetisch liegt in dem Altbau einiges im Argen. Die Heizkostenrechnung für Papenburg sei die höchste in der PI, sagt Simon. „Wir heizen hier für außen mit.“

Der Heizungsraum mit seiner mehr als 20 Jahre alten Anlage steht regelmäßig unter Wasser.
Der Heizungsraum mit seiner mehr als 20 Jahre alten Anlage steht regelmäßig unter Wasser.

Die Heizungsanlage selbst hat inzwischen mehr als 20 Jahre auf dem Buckel und ist in einem baufällig wirkenden Nebengebäude untergebracht. Dort wurde Simon zufolge früher Koks gelagert. Wie Zengler berichtet, steht der Heizungsraum regelmäßig unter Wasser. Gleich nebenan lagert Ausrüstung für Bereitschaftspolizisten. Überhaupt mangelt es den Gesetzeshütern in den alten Gemäuern an Lagermöglichkeiten – auch für Beweismaterial.

Vieles provisorisch

Beim Gang durch die Gebäude erscheint vieles nicht mehr zeitgemäß und deshalb provisorisch. Rollstuhlfahrer beispielsweise können nur über mobile Rampen und über den Nebeneingang ins Gebäude gelangen. Für Hilbers ein Unding. „Jeder Mensch sollte selbstständig in ein Gebäude kommen können“, stellt er fest. Aber selbst wenn das in Papenburg gelänge: Im Inneren des PK bestehen vielfach Höhenunterschiede.

Auch der räumliche Zuschnitt passe nicht mehr, erklärt der Leiter des Einsatz- und Streifendienstes, Wilfried Bohse. „Viele Tätigkeiten erfordern heute Einzelbüros“, betont er.

Handlungsbedarf besteht nach Auffassung der Polizei in diesem Zusammenhang auch für das Nachbargebäude, das die Beamten seit Jahrzehnten angemietet haben. Bemerkenswert: Wenn jemand, der vorübergehend in einer der Zellen im Altbau einsitzt, erkennungsdienstlich registriert werden muss, müssen die Beamten mit der Person zwischen beiden Gebäuden pendeln.

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