Politik
Bartz rückt dem Bundestag näher
Knapp hatte der Vechtaer Alexander Bartz den Einzug in den Deutschen Bundestag im Herbst 2021 verpasst. Nun steigen seine Chancen, doch nach Berlin zu kommen. Ob das klappt, hängt von zwei Frauen ab.
Oldenburger Münsterland - Klappt es doch für Alexander Bartz aus Vechta, einen Sitz im Bundestag in dieser Legislaturperiode einzunehmen? Nur knapp hatte er den Einzug ins Parlament an der Spree nach der Bundestagswahl am 26. September verpasst. Seither ist er der zweite Nachrücker auf der Liste der Niedersachsen-SPD.
Bald schon dürfte er einen Rang weiter nach vorn rücken. Denn: Die Abgeordnete Yasmin Fahimi aus Hannover soll Bundesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) werden. Besteht sie die Wahl im Mai, dürfte ihr Verzicht auf das Bundestagsmandat so gut wie sicher sein.
De Ridder schweigt
Dann wäre zunächst der Weg frei für Daniela de Ridder aus der Grafschaft Bentheim, die auf Platz 24 der Niedersachsen-Liste der Sozialdemokraten steht – einen Rang vor Bartz. Eine öffentliche Verlautbarung von de Ridder, ob sie weiterhin bereit ist, das Mandat anzutreten, gibt es bislang nicht.
Wie fühlt Bartz sich angesichts der Entwicklung? „Eine positive Grundspannung ist schon da“, sagt der 37-Jährige. Alles, was er tun könne, sei abzuwarten. Bartz ist seit Jahresbeginn City-Manager in Dinklage. Die Stelle ist bei der Bürgeraktion angesiedelt und wird von der Stadt finanziert. Hat er noch den festen Willen, ein Mandat für Cloppenburg-Vechta anzutreten? In seinem Job fühle er sich „sehr wohl“, sagt Bartz. Er sei in Dinklage sehr gut empfangen worden. Er könne sich keinen besseren Job vorstellen – außer im Bundestag ein Mandat zu haben.
Arbeitgeber weiß Bescheid
Deshalb: „Sollte der Bundestag rufen, bin ich da.“ Das sei „ganz klar“, sagt Bartz. Sein Arbeitgeber wisse um die theoretische Möglichkeit, „dass ich in den Bundestag kommen kann“, sagt Bartz. Er habe „mit offenen Karten gespielt“. Bartz ist verheiratet, hat zwei Kinder, wohnt mit seiner Familie in Oythe. Er ist Vorsitzender des SPD-Stadtverbands Vechta und seit der Kommunalwahl 2021 Mitglied im Stadtrat. Für den Vechtaer Kreistag ist er erster Nachrücker der Sozialdemokraten.
Er hat ein duales Betriebswirtschaftsstudium in Hannover absolviert mit den Schwerpunkten Marketing, Controlling und Tourismus. Er hatte Anstellungen bei Biochem in Lohne, Gepro in Diepholz, Höffmann Reisen in Vechta und als Pressesprecher der Malteser. In der Kreisstadt war er zudem Gästeführer. Während der Bürgermeisterwahl in Vechta 2019 managte er den Wahlkampf von Kristian Kater, der sich gegen zwei Mitbewerber durchgesetzt hatte.
Zwischen Hoffen und Bangen
Bartz erhielt als Kandidat der SPD im Oldenburger Münsterland zur Bundestagswahl 2021 bei der Aufstellungs der Niedersachsen-Liste Platz 25. Das sah nach den damaligen Umfragewerten für die SPD zunächst nach einer weniger hoffnungsvollen Position für ihn aus. Doch es kam anders. Die Sozialdemokraten legten zu. Für Bartz kam ein Mandat in Reichweite, wenn seine Partei bei etwa 24 Prozent landen würde. Die SPD schaffte sogar 25,7 Prozent.
Doch für Bartz reichte es trotzdem nicht. Der Grund: Das Wahlrecht sieht eine komplizierte Vorgehensweise bei der Verrechnung von Erst- und Zweitstimmen vor. Die SPD-Kandidaten aus Niedersachsen holten so viele Direktmandate (Erststimmen), dass über die Landesliste nur drei Sozialdemokraten ins Parlament einzogen.
Vechtaer will nach Berlin
Außerdem: Auch die Direktmandate für die AfD in Sachsen und für die Grünen in Baden-Württemberg spielten eine Rolle, dass Bartz nicht der Sprung in den Bundestag auf Anhieb gelang. Das stellte sich erst am Tag nach der Bundestagswahl heraus. Bartz verbrachte Stunden zwischen Hoffen und Bangen. Er habe am Wahlabend bereits viele Glückwünsche erhalten, auch aus dem Bundestag, erinnert er sich. Als feststand, dass er zu den Nachrückern gehört, sei er „sehr geknickt“ gewesen, berichtet er.
Für den Wahlerfolg geht Bartz Klinken putzen
So stehen die Chancen für die Bundestags-Kandidaten
Nun rückt er seinem Ziel, in den Bundestag zu kommen, noch näher. Daniela de Ridder, die einen Platz vor ihm auf der Liste steht und bereits von 2017 bis 2021 Bundestagsabgeordnete war, habe das erste Zugriffsrecht, sagt Bartz. Einen Sitz im Bundestag zu erhalten, das ist weiter sein fester Wunsch. „Dafür bin ich damals angetreten“, hebt Bartz hervor. „Ich fühle mich dieser Aufgabe gewachsen und habe da sehr viel Lust drauf. Ob das passiert und wann das passiert, liegt nicht bei mir.“ Fest steht für Bartz: „Die Chance, dass ich in den nächsten 3,5 Jahren nachrücke, ist da.“
Er erinnerte daran, dass auch die vormalige SPD-Abgeordnete Gabriele Groneberg aus Cloppenburg zweimal durch Nachrücken in den Bundestag gekommen sei. Und wie sieht es bei Bartz mit einer Bewerbung um eine SPD-Kandidatur zur kommenden Bundestagswahl aus? Den Rückhalt der Partei vorausgesetzt, habe er „nach aktuellem Stand“ durchaus „großes Interesse, noch einmal anzutreten“.