Bilanz
Schnellstmögliche Lösung in Sachen Kletterturm gesucht
Seit 100 Tagen ist Papenburgs Bürgermeisterin Vanessa Gattung im Amt. Ein Projekt, in dem sie vermitteln will, ist der geplante Kletterturm im Stadtpark. Wie fällt das erste Zwischenzeugnis für sie aus?
Papenburg - Gezielte Punktlandung: Am 100. Tag ihrer Amtszeit hat die Papenburger Bürgermeisterin Vanessa Gattung (SPD) ihren 100. Baum gepflanzt. Wie fällt das erste Zwischenzeugnis für die 32-Jährige aus?
Vom früheren US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt (vom 4. März 1933 bis zu seinem Tod am 12. April 1945 im Amt) einst populär gemacht, gelten die ersten 100 Tage als Zeitdauer, die Journalisten neuen (politischen) Amtsinhabern oder Regierungen zugestehen, um sich einzuarbeiten und erste Erfolge vorzuweisen.
Baum Nummer 100ist eine Sumpf-Eiche
Wenn es nach Gattung selbst geht, kann sich ihre bisherige Arbeit sehen lassen. „Ich habe meine Kandidatur mit keiner Sekunde bereut“, erklärt sie am Dienstagvormittag auf dem Parkplatz neben dem Kolpinghaus. Dort hat die Kolpingsfamilie St. Antonius, die 2022 auf ihr 150-jähriges Bestehen zurückblicken kann, eine Stelle für das Pflanzen einer Sumpf-Eiche auserkoren.
Sie ist der 100. Baum, den Gattung pflanzt – diesmal mit tatkräftiger Hilfe von Gärtnermeister Hans-Gerd Bukelo und dem Vorsitzenden der Kolpingsfamilie, Günther Döbber. Mit dem Pflanzen des 100. Baumes erfüllt die Bürgermeisterin eines ihrer Wahlkampfversprechen. Die 32-Jährige hatte sich bei der Kommunalwahl im September 2021 überraschend klar gegen Pascal Albers (CDU) durchgesetzt. Der Jurist ist inzwischen neuer Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Aschendorf-Hümmling.
Nach Außen wenig sichtbar
Gattung scheint von ihrem Wahlsieg noch immer ein wenig überwältigt. „Wer hätte das vor einigen Monaten gedacht? Das ist heute ein besonderer Tag für mich“, sagt sie. Als Bürgermeisterin stelle sie seit ihrem offiziellen Dienstantritt am 1. November 2021 zudem jeden Tag fest, dass das Amt Spaß mache. Sie trete jeden Tag mit dem Ziel an, für die Menschen in Papenburg etwas zum Positiven zu verändern – und wenn es nur eine Kleinigkeit ist.
Dass davon nach außen bislang eher wenig sichtbar ist, begründet Gattung damit, dass zunächst vieles intern eingestielt werden müsse. Hier sieht sie sich und die rund 330-köpfige Stadtverwaltung auf einem guten Weg. Gerne wolle sie in den nächsten Jahren so weitermachen, sagt Gattung. Dafür erntet sie von den Kolpingmitgliedern warmen Applaus.
Sich online umGrundstücke bewerben
Tatsächlich erscheint das bisherige Wirken der neuen Bürgermeisterin auf den ersten Blick noch abstrakt. Im Gespräch mit unserer Redaktion lenkt Gattung als Erstes den Blick auf das Umsetzen einer Digitalisierungsstrategie. Was dahintersteckt? Die Stadt wolle mehr Dienstleistungen auch digital anbieten. So sollen beispielsweise Bauwillige sich online um Grundstücke bewerben können. Bürgerfreundlichkeit und Transparenz bleiben auf ihrer Agenda weit oben.
Als weiteres großes Thema nennt Gattung die Entwicklung zur „Smart City“ mit dem Ziel, ressourcenorientiert zu arbeiten. Smart City steht als Begriff für Stadtentwicklung im digitalen Zeitalter, einem fortlaufenden Prozess, um Kommunen effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver zu gestalten. In diesem Zusammenhang geht es der Bürgermeisterin zufolge auch darum, möglichst schnell klimaneutral zu werden.
Gespräche um Kletterturm
Geht es denn auch schon ein bisschen konkreter? Ja. Denn wie Gattung erklärt, werden bei den umstrittenen Planungen für den Bau eines Kletterturms im Stadtpark aktuell mit allen Beteiligten Gespräche über alternative Standorte in Papenburg außerhalb des Parks geführt. Ein Ergebnis stehe zwar noch aus. Aber es solle „schnellstmöglich eine Lösung“ geben, mit der alle gut leben könnten, betont Gattung. Eine schnellstmögliche Lösung verspricht die Bürgermeisterin auch in Sachen Straßensanierung. „Hier fehlte bislang leider eine Strategie“, sagt sie.
Wie in der ersten öffentlichen Haushaltsberatung für den Etat 2020 angedeutet, stehen für eine Erweiterung im Nordhafen Investitionen in Millionenhöhe an. Genaueres sei derzeit wie viele weitere Projekte noch nicht spruchreif. „Aber es ist wirklich viel in der Pipeline“, versichert Gattung. Wie sie weiter ausführt, solle überdies der Campingplatz am Poggenpoel ausgebaut und auch für jüngere Menschen attraktiver gemacht werden. Außerdem solle es ein Leitbild für die Wirtschaft geben. Nach den ersten 100 Tagen muss von der Vielzahl der Vorhaben nun aber mehr und mehr sichtbar werden.
Gattung nutzt derweil wie im Wahlkampf auch als Bürgermeisterin die sozialen Onlinenetzwerke Facebook und Instagram intensiv, um zu zeigen, was die Amtsführung mit sich bringt „und was eine Bürgermeisterin eigentlich den ganzen Tag so macht“.Die 100 Bäume, von denen viele auf Privatgrundstücken gepflanzt wurden, hat Vanessa Gattung im Übrigen aus eigener Tasche bezahlt. Ein Baum habe im Durchschnitt 38 Euro gekostet.