Osnabrück
Michael Dreyer wird Manager der NDR Bigband
Mit dem Morgenland Festival hat Michael Dreyer Osnabrück auf der Landkarte international renommierter Festivals etabliert. Jetzt geht der Intendant einen spannenden neuen Schritt: Er wird Manager der NDR Bigband.
Michael Dreyer, Leiter des Morgenland Festivals Osnabrück, wird neuer Manager der NDR Bigband. Das teilt der NDR in einer Pressemitteilung mit. Seine neue Stelle wird Dreyer am 1. Juli antreten. Er folgt damit auf Axel Dürr, der in Ruhestand geht.
Die Leitung des Morgenland Festivals wird Dreyer nicht aufgeben. Deshalb sieht der Kulturdezernent der Stadt Osnabrück, Wolfgang Beckermann, die Personalie gelassen. „Ich freue mich sehr, weil er der Bigband sicher gut tun wird“, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion. „Ich glaube, dass er ein guter Manager wird.“ Für die Stadt bedeute Dreyers neue Aufgabe eine Win-Win-Situation, „weil sein Netzwerk dadurch noch stärker wird“, so Beckermann weiter. „Ich glaube, dass sich die Leitung der NDR Bigband gut mit der Leitung des Morgenland Festivals vereinbaren lässt.“
Wie gut die Verbindung der beiden Institutionen funktioniert, dokumentieren verschiedene Projekte, die Dreyer als Morgenland-Chef mit der NDR Bigband realisiert hat. 2009 waren zum ersten Mal einzelne Musiker der Bigband beim Morgenland-Festival; seit 2010 gastiert die Formation aus Hamburg regelmäßig beim Morgenland Festival, auch sind einige CD-Produktionen entstanden. Zuletzt spielte die Bigband im Sommer 2019 zusammen mit dem Klarinettisten Kinan Azmeh in der Werkshalle auf dem VW-Gelände, eine Projekt, das in einer hervorragenden CD-Produktion gipfelt, die seit letztem November auf dem Markt ist.
Das war allerdings für die Musiker der NDR Bigband nicht ausschlaggebend. Wichtiger war, dass Dreyer nicht schon Teil des Rundfunkbetriebs ist, sondern von außen kommt. „Wir freuen uns auf den frischen Wind, den Michael Dreyer bringen wird“, sagt Thorsten Benkenstein, Lead-Trompeter der Bigband und als Orchestervorstand am Einstellungsprozess beteiligt. „Er hat sich da gut präsentiert und angekündigt, Programme mit der Band zusammen zu entwickeln.“
Aber wenn auch die bisherigen gemeinsamen Projekte von Bigband und Morgenland Festival nicht Anlass für Dreyers Verpflichtung waren: Seine Arbeit als Morgenland-Chef hat zumindest Türen Job geöffnet. So habe der neue Band-Pianist Florian Weber Dreyer als neuen Manager ins Gespräch gebracht, sagt Benkenstein – jener Florian Weber, der am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück bis letzten Sommer das Studienprofil Jazz gleitet hat und vor allem spannende Projekte beim Morgenland Festival realisiert hat.
Zweitrangig war für die Band auch Dreyers musikalische Sozialisation. „Ich komme ja aus der klassischen Musik und bin nicht ursprünglich im Jazz sozialisert“, sagt Dreyer – er hat in Münster klassische Gitarre studiert, und große Jazzformationen habe er überhaupt erst über die gemeinsamen Projekte mit der NDR-Bigband schätzen und lieben gelernt, sagt er. „Das habe ich der Band gesagt.“ Expertise gäbe es genug, hätten die Musiker entgegnet. „Die haben jemanden gesucht, der brennt, der kommunikativ ist, der spannende Ideen mitbringt.“ Und die hat Dreyer. Was er als Bigband-Manager vorhat, behält er allerdings noch für sich.
Fürs Erste hat er sowieso mit Morgenland Festival noch gut zu tun: Das nächste Festival startet im Juni. „Das Programm für dieses Jahr steht“, sagt er, „und das fürs nächste Jahr in weiten Teilen auch.“ 2023 feiert Osnabrück das 375-jährige Jubiläum des westfälischen Friedens, und dafür stehen große Projekte an, die zum Teil mit EU-Mitteln gefördert werden und entsprechend langen Vorlauf benötigen. „Die Planung inklusive der Anträge auf Fördermittel stelle ich fertig, bevor ich nach Hamburg gehe.“ Danach stellt Dreyer das Festivalteam neu auf, damit Dreyer sich auf die Programmplanung konzentrieren kann und Bigband-Management und Festivalleitung unter einen Hut kriegt. „2024 feiern wir dann 20 Jahre Morgenland Festival, und vielleicht ist das der Zeitpunkt, um eine Zäsur zu setzen.“
Fest steht: „Die NDR Bigband heißt mich wahnsinnig herzlich willkommen“, sagt Dreyer. Und: „Ich freue mich sehr.“ Was man verstehen kann. Denn die NDR Bigband gilt als eine der besten Formationen dieser Art - nicht nur in der deutschen, sondern in der gesamten Jazzwelt.