Serie „Das Vereinsleben und das Virus“

Kein Reizen und kein Stechen: Skatspieler hadern

Holger Weers
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Von Holger Weers
| 09.02.2022 15:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bube, Dame, König, As: Beim Saterländer Skatclub kommen die Karten zurzeit nicht auf den Tisch. Foto: Pixabay
Bube, Dame, König, As: Beim Saterländer Skatclub kommen die Karten zurzeit nicht auf den Tisch. Foto: Pixabay
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Der General-Anzeiger taucht in die vielfältige Vereinswelt der Saterländer und Barßeler ein und erkundet, wie sehr das Corona-Virus den Vereinen bisher zugesetzt hat. Diesmal: Der Skatclub Saterland.

Saterland - Auch mit Gesellschaftsspielen haben sich viele Familien während der Corona-Pandemie bisher die Zeit vertrieben. Unter anderem kommen Kartenspiele wie Doppelkopf, Uno, Mau-Mau oder auch Skat auf den Tisch. Endlich wieder einen zünftigen Skat spielen, nach Herzenslust reizen und stechen würden liebend gerne auch wieder Dirk Kramer und Rainer Lindemann. Beide gehören dem Skatclub Saterland an und bekleiden dort die Posten des ersten und zweiten Vorsitzenden.

Der Saterländer Skatclub stellt auch eine Mannschaft, mit der er an Punktspielen in der Oberliga teilnimmt. Normalerweise. Denn die vom Land verordnete „Winterruhe“ macht den Vereinssportlern derzeit einen gehörigen Strich durch die Rechnung. „Unter normalen Umständen veranstalten wir jeden Montagabend in unserem Stammlokal, dem Landgasthof Dockemeyer in Ramsloh, unseren Preisskat. Gespielt wird dann von 19.30 Uhr bis 22.30 Uhr, manchmal auch bis 23 Uhr“, sagt Rainer Lindemann.

Für so wenige Spieler lohnt es sich nicht

„Das ist zurzeit nicht möglich, weil sich nur eine Gruppe von bis zu zehn Personen in den Gastwirtschaften aufhalten darf“, ergänzt Dirk Kramer. „Vor Corona“, so berichten die beiden Skatbrüder, „nahmen 50 Vereinsmitglieder sowie viele Gastspieler am Preisskat teil. Im vergangenen Jahr waren es zuletzt noch 30 bis 35 Personen, im Jahr 2020 hatten wir zwischen 20 und 25 Teilnehmer.“ An jedem Tisch sitzen üblicherweise ein Kartengeber und drei Spieler, wobei man sich abwechselt. „Für so wenige Spieler lohnt es sich nicht, die Räumlichkeiten in der Gaststätte aufzuheizen und Getränke hinzustellen“, bemerkt Kramer.

Dem Skatclub Saterland macht nicht nur Corona zu schaffen. Gerne würden der Vorsitzende Dirk Kramer (links) und der 2. Vorsitzende Rainer Lindemann (rechts) wieder mehr jüngere Mitglieder im Verein begrüßen, um die Altersstruktur zu verbessern. Der achtjährige Hanno Kramer (Mitte) käme so langsam in das Alter, um das Skatspielen zu erlernen. Foto: Weers
Dem Skatclub Saterland macht nicht nur Corona zu schaffen. Gerne würden der Vorsitzende Dirk Kramer (links) und der 2. Vorsitzende Rainer Lindemann (rechts) wieder mehr jüngere Mitglieder im Verein begrüßen, um die Altersstruktur zu verbessern. Der achtjährige Hanno Kramer (Mitte) käme so langsam in das Alter, um das Skatspielen zu erlernen. Foto: Weers

Er hat als kleiner Junge, ebenso wie sein Bruder Christian, das Skatspielen von seinem Vater Wilhelm gelernt, der im Jahr 1984 den Skatclub Saterland gegründet hatte. Aktuell hat der Verein 25 Mitglieder. „Zu Hochzeiten hatten wir auch schon einmal 40 Mitglieder“, berichtet der Vorsitzende. Der Skatclub Saterland scheint insbesondere für viele Gastspieler interessant zu sein. Die Hobbyspieler reisen aus Friesoythe, Leer, Bremen, Westoverledingen, Papenburg, dem Raum Oldenburg oder dem südlichen Bereich Cloppenburg zu den Preisskatabenden an. „Unser ältestes Mitglied ist Hans Marschall aus Friesoythe. Er ist über 90 Jahre alt“, erzählen Kramer und Lindemann.

Der fehlende Nachwuchs ist das Problem

Gleich mehrfach nahmen Vereinsmitglieder in der Vergangenheit erfolgreich an Verbandsmeisterschaften oder sogar Deutschen Meisterschaften teil. Dirk Kramers Bruder Christian holte in der Jugend sogar den Titel Deutscher Meister mit der Mannschaft. „Anfang März 2021 fanden in Oldenburg die Verbandsmeisterschaften statt. Zwei Abende danach konnten wir noch spielen, dann war aufgrund der Corona-Verordnungen am 16. März Schluss“, berichtet der Vorsitzende.

Die Zukunftsprobleme des Clubs sieht er nicht in der Corona-Pandemie, sondern in der Altersstruktur im Verein begründet. „Unsere Mitgliederzahlen sind altersbedingt rückläufig. Die ältere Generation stirbt uns weg. Und es sind nicht mehr viele junge Leute da“, sagt Dirk Kramer. Während früher in den Kneipen immer und überall Skat gespielt wurde, scheint es sehr schwieriger zu werden, junge Leute für das Skatspiel zu begeistern. „Vor Corona haben wir eine Schul-AG angeboten. Die lief auch gut an“, bemerkt Kramer. Aufgrund von Corona ist dies zurzeit auch nicht möglich. „Corona hat uns schon beeinflusst“, räumen die beiden Club-Skatbrüder ein. „Viele Übungsabende und Meisterschaften sind ausgefallen, auch die Preisskatturniere. Mit den Startgeldern werden die Sach- und Geldgewinne ausgezahlt“, so der Kramer. Corona hat uns schon schwer getroffen, weil alles mit viel Aufwand verbunden ist. Du musst die älteren Teilnehmer immer wieder anrufen und über den aktuellen Stand informieren“, erklärt Rainer Lindemann.

Ohne Contra, Re und Bock

„Bei uns wird nicht mit Contra, Re und Bock oder Ramschen gespielt, sondern ganz normal gereizt, eben nach den Regeln des Deutschen Skatverbandes“, betont Lindemann. „Wir wären gerne dazu bereit, jungen Leuten das Skatspielen beizubringen und dafür sogar Übungsabende einzurichten“, sagt Dirk Kramer. Sobald dies wieder möglich ist, soll die Idee mit der Schul-AG wieder aufgenommen werden.

„Beim Skatspielen geht es nicht nur darum Trümpfe und Augen zusammenzuzählen, sondern auch strategische Züge anzuwenden, wie etwa beim Schach“, wirbt Dirk Kramer für sein Hobby. Bei allem Ernst, so betont der 2. Vorsitzende Rainer Lindemann, stehe der Spaß am Spiel immer noch im Vordergrund. „Die Geselligkeit kommt bei uns nicht zu Kurz, zumal die Mitspieler an den Tischen stets neu zugelost werden und sich somit jedes Mal neue Formationen bilden“, so Lindemann.

Der Skatclub Saterland hofft auf baldige Lockerungen der Kontaktbeschränkungen. „Die Leute scharren schon mit den Hufen“, sagt Rainer Lindemann schmunzelnd. Wer Interesse hat, sich dem Skatclub Saterland anzuschließen oder das Skatspielen zu erlernen, kann sich bei Dirk Kramer (Telefon: 04498-7069475) oder Rainer Lindemann (04499-926488) oder per E-Mail (skatclub.saterland@gmx.de) melden.

→ Nächste Folge: Die Volkstanzgruppe Saterland

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