Wasser

Nach Sturmflut: Deiche sind sicher, Prognosen nicht ganz

Vera Vogt
|
Von Vera Vogt
| 07.02.2022 18:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Jemgumer Hafen stand unter Wasser. Foto: Wolters/Archiv
Der Jemgumer Hafen stand unter Wasser. Foto: Wolters/Archiv
Artikel teilen:

„Die Menschen hier sind sicher“, sagte Minister Olaf Lies beim Besuch in Jemgum. Nach den Überschwemmungen durch eine Sturmflut vor rund einer Woche gab es Kritik. Einen Punkt möchte man angehen.

Jemgum - Die Menschen in Jemgum sind sicher, das unterstrich Landesumweltminister Olaf Lies (SPD) bei einem Spontan-Besuch in Jemgum. Bürgermeister Hans-Peter Heikens (parteilos) hatte um ein Gespräch gebeten, nachdem das Sturmtief „Nadia“ vor rund einer Woche in Teilen von Jemgum und Bingum für Überschwemmungen gesorgt hatte. Ärger hatte es gegeben, weil das Emssperrwerk in Gandersum trotz der Sturmflut offengeblieben war. Es war zu Schäden gekommen: Unter anderem war auf dem Spielplatz im Hafenbereich Land unter und im neuen Vereinsheim des Seglervereins „Luv up“ stand das Wasser.

Dirk Post, Leiter der Betriebsstelle des NLWKN in Aurich (von links), Oberdeichrichter Meint Hensmann, Reinhard Backer, der Leiter des Emssperrwerkes, Landtagsmitglied Sascha Laaken (SPD), Landesumweltminister Olaf Lies (SPD) und Bürgermeister Hans-Peter Heikens trafen sich, um über das Sperrwerk zu sprechen.
Dirk Post, Leiter der Betriebsstelle des NLWKN in Aurich (von links), Oberdeichrichter Meint Hensmann, Reinhard Backer, der Leiter des Emssperrwerkes, Landtagsmitglied Sascha Laaken (SPD), Landesumweltminister Olaf Lies (SPD) und Bürgermeister Hans-Peter Heikens trafen sich, um über das Sperrwerk zu sprechen.

„Wir sprechen über Flächen vor dem Deich“, sagte Lies. Die Deiche seien nicht gefährdet. Er schrecke auf, wenn der Anschein erweckt werde, dass die Bollwerke nicht sicher seien, so Lies. Das Sperrwerk sei ein wichtiger Baustein des Küstenschutzes und funktioniere als solcher gut. Dennoch sei es wichtig, über den Einsatz des Sperrwerkes zu reden, da auch die Flächen vor dem Deich genutzt werden.

Was und warum

Darum geht es: Nach der Sturmflut, die in Jemgum und Bingum zu Überschwemmungen führte, hat Bürgermeister Hans-Peter Heikens Minister Olaf Lies um ein Treffen gebeten. Das fand nun statt.

Vor allem interessant für: Die, die sich für Hochwasserschutz interessieren

Deshalb berichten wir: In Jemgum hatte es eine Welle der Entrüstung gegeben, weil das Emssperrwerk bei Sturmtief „Nadia“ offengeblieben war.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Provisorisch schließen geht nicht

Unter anderem steht genau dort nämlich das Vereinsheim „Luv up“. „Der Wasserstand war genau am Schwellenwert. Bei 20 Zentimetern weniger hätte es keine Probleme gegeben“, so Lies. Das hatten die Prognosen auch vorausgesagt. Diese wurden allerdings von der Realität überholt. Es seien besondere Umstände gewesen, die vor gut einer Woche dazu geführt hätten: „Die Windrichtung und -geschwindigkeit hatten das Steigen beflügelt“, sagte Bürgermeister Hans-Peter Heikens. Das Wasser sei so doch höher aufgetürmt worden als erwartet.

Es gab Wasserschäden am Vereinshaus "Luv Up". Foto: Wolters/Archiv
Es gab Wasserschäden am Vereinshaus "Luv Up". Foto: Wolters/Archiv

Man hatte Wasserstände von zwei Metern über dem mittleren Tidehochwasser erwartet. Bei einem Stand von mehr als 2,10 Meter kann das Emssperrwerk erst geschlossen werden, teilt der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit. „Provisorisch schließen geht nicht“, so Lies. Das sei im Planfeststellungsbeschluss des Sperrwerkes so festgelegt. Außerdem gebe es die Nutzer, die das Sperrwerk passieren müssten.

Möglichst genaue Prognosen

Beim Sturmtief „Nadia“ bewegten sich die Vorhersagen genau um den Schwellenwert von zwei Metern. Schließlich sind allerdings rund 2,25 Meter aufgelaufen. Es gehe aber nicht um Zentimeter, das Team des Sperrwerkes komme schon vorher zusammen, um die Entwicklungen im Auge zu behalten und gegebenenfalls eine Schließung des Sperrwerkes einzuleiten, erklärt NLWKN-Sprecher Carsten Lippe. Am vergangenen Wochenende zum Beispiel habe der Einsatzstab erneut stundenlang getagt, weil erhöhte Wasserstände zu erwarten waren. „Da haben wir eine hohe fachliche Kompetenz vor Ort“, sagte Lies.

Dennoch arbeite das Team mit den Gegebenheiten der Natur, die nie mit letzter Sicherheit vorhergesagt werden könnten, so Lies. Die Prognosen, die erstellt werden, kommen vom überregionalen Sturmflutwarndienst mit Sitz in Norden. „Prognosen“ waren beim Ministerbesuch auch das entscheidende Stichwort. Diese sollten verlässlicher werden. Man müsse betrachten, inwiefern man genauere Daten, beispiesweise vom Deutschen Wetterdienst bekommen könne, so Heikens. „Wir sind sehr froh, dass eine bessere Datengrundlage geschaffen werden soll“, sagte er. Prognosen blieben allerdings eben Prognosen – und damit nicht todsicher: „Das kennt jeder vom Wetterbericht. Es bleibt eine Vorhersage“, so Heikens. Dennoch sei es gut zu wissen, dass man weiter bemüht sei, eine bessere Datenbasis zu legen.

Ähnliche Artikel