Osnabrück
Eiskalte Allianz im Osten: Europa und die USA werden sich warm anziehen müssen
Treffen bei Olympia: Xi Jinping und Wladimir Putin sind sich einig, die bestehende internationale Ordnung in Frage zu stellen. Und der Westen weiß nicht recht, wie er sich darauf einstellen soll. Das ist gefährlich.
Im Westen wähnt man sich fein raus. Der von zahlreichen Ländern vollzogene diplomatische Boykott bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele mag für ein reines Gewissen sorgen. Es ist aber trügerisch.
Anstatt das Großereignis für informelle und gegebenenfalls vertrauensbildende Gespräche am Rande der Arenen zu nutzen, hat man Xi Jinping, Wladimir Putin und anderen autoritären Potentaten das Feld zur Selbstinszenierung überlassen. Chinas Präsident und sein russischer Amtskollege wussten dies auch gleich zu nutzen und demonstrierten den Schulterschluss.
Russlands Sicherheitsinteressen vor seiner Haustür seien legitim, eskortiert Peking den Wunsch Moskaus nach einem Zurückdrängen der Nato in Europa. Beide Staatschef bekräftigen ihre ablehnenden Haltung gegenüber der Einflussnahme der USA im indopazifischen Raum - wohl wissend, dass dort international wichtige Handelswege verlaufen und die Unabhängigkeit Taiwans auf dem Spiel steht.
Das US-geführte transatlantische Militärbündnis müsse die Herangehensweise „aus der Ära des Kalten Krieges“ aufgeben, fordern ausgerechnet Xi und Putin.
Aus einstigen Rivalen sind strategische Partner geworden. Ihre gemeinsame Vision einer neuen Ära der internationalen Sicherheitspolitik zielt vor allem auf eines ab: die Schwächung der USA, der EU und der Nato, mithin auf die Sicherung erweiterter Einflusszonen. Liberale und offene Gesellschaften sind Xi und Putin ein Dorn im Auge, könnte ein Freiheitsfunke doch auf die eigenen Gesellschaften überspringen.
Dass mit China eine wirtschaftlich, technologisch und militärisch immer potentere Macht die internationale Ordnung aufmischen würde, hat man im Westen lange unterschätzt. Nun sind sowohl die USA wie auch die EU auf der Suche nach dem richtigen Umgang mit der Volksrepublik.
Die Hoffnungen, dass sich China und Russland durch Handelsbeziehungen im Sinne westlicher Vorstellungen entwickeln würden, waren naiv. Für das, was kommt, wird man sich im Westen warm anziehen müssen.