Herdenschutz
Nun sind Bezirksförster für Wolfsrisse zuständig
Seit 1. Februar sind in Niedersachsen Bezirksförster für die Untersuchung von Wolfsrissen zuständig. Die bisherigen Wolfsberater kritisieren das. Es läuft noch nicht rund, wie ein Selbsttest ergab.
Oldenburger Münsterland - Lange war unklar, wie die von Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) gewünschte Neuregulierung von Wolfsrissen aussehen soll. Jetzt ist es offiziell: Wenn es zu Nutztierrissen auf Weiden kommt, bei denen der Wolf als Verursacher unter Verdacht steht, bleiben seit dem 1. Februar die ehrenamtlichen Wolfsberater zu Hause. Stattdessen sollen Bezirksförster ausrücken, um verletzte und getötete Tiere zu untersuchen.
Das hat jetzt die Landwirtschaftskammer mitgeteilt und zugleich eine zeitnahe Entschädigung für die Tierhalter durch ein beschleunigtes Verfahren versprochen, sofern die Herdenschutzvoraussetzungen erfüllt sind. Wie Jantje Ziegeler als Sprecherin der Landwirtschaftskammer mitteilt, sollen betroffene Nutztierhalter, wenn sie auf ihrer Weide tote oder verletzte Tiere finden, ab sofort die für ihr Gebiet zuständige Bezirksförsterei verständigen. Die Förster sollen dann Spuren sichern und ein Rissprotokoll anfertigen. Dies soll dann Grundlage der Entschädigung sein. Das bisher monatelange Warten auf Laboranalysen soll dann nicht mehr nötig sein. Genommene Genproben sollen demnach künftig nur noch dem Monitoring dienen.
Interaktive Karte mit Kontaktdaten
Welche Bezirksförsterei der Landwirtschaftskammer zuständig ist, können die Tierhalter im Internet unter bit.ly/foerstereien erfahren. Auf der Webseite öffnet sich eine interaktive Karte mit den Kontaktdaten der jeweiligen Forst-Dienststellen. Angekündigt ist auch eine zentrale Telefonnummer, die künftig niedersachsenweit die Erreichbarkeit sicherstellen soll. Noch gibt es diese Nummer aber nicht. Deshalb hat diese Zeitung am Dienstag mehrere Bezirksförstereien der Region angerufen, um die Erreichbarkeit zu testen. Die Bezirksförsterei Visbek war am Nachmittag nicht zu erreichen, bei der in Dinklage wird lediglich eine Festnetznummer mit Anrufbeantworter angegeben.
Auch dort hatte die Redaktion keinen Erfolg. Wer anruft, erhält lediglich die Bandansage, dass der Förster montags bis freitags von 8 bis 9 Uhr zu sprechen ist. Nachrichten kann man nicht hinterlassen. „Ende der Durchsage“, heißt es lediglich. Dafür ging Dorothea Kreinberg von der Bezirksförsterei Damme ans Telefon. Ihre neue Aufgabe könne sie noch nicht wahrnehmen, weil sie noch nicht dafür geschult sei, so wie viele andere Bezirksförster ebenfalls nicht, teilte sie mit. Deshalb müsse sie im Fall der Fälle noch an das Forstamt Weser-Ems in Osnabrück verweisen. Der dortige offensichtlich einzige wolfsgeschulte Kollege weit und breit war aber am Dienstag auch nicht zu erreichen. Er soll an dem Tag frei gehabt haben.
Wolfsberater spricht von Chaos
„Wie soll das jetzt so gelingen? Es ist nichts organisiert“, sagt der ehrenamtliche Wolfsberater Ulrich Heitmann aus Dinklage dazu und spricht von „Chaos“. Er hat erst letzte Woche per Mail erfahren, dass er ab jetzt bei Wolfsrissen nicht mehr gefragt ist. „Wir haben als Wolfsberater über Jahre unsere Arbeit gut gemacht. Nur weil wir die Abschussaktionen des Ministers nicht gut heißen, sollen wir jetzt gehen“, lautet seine Interpretation des Hintergrundes für die Entscheidung des Ministers, die Rissbegutachtung in andere Hände zu legen.
Heitmann und sein Cloppenburger Kollege Hermann Wreesmann überlegen, ob sie unter diesen Voraussetzungen ihr Amt als Wolfsberater künftig aufgeben. Etliche Wolfsberater in Niedersachsen haben das aus Enttäuschung bereits gemacht. Denn das Umweltministerium möchte diese künftig nur noch für das Monitoring, also dem Sichern von Daten über Wölfe und für Aufklärung in der Öffentlichkeit einsetzen. Das ist beiden zu wenig.
Unverständnis über neue Zuständigkeiten
„Ich bin eigentlich aus anderen Beweggründen Wolfsberater geworden“, sagt Wreesmann. Ohne Rissbegutachtung „verliert man den Kontakt zur Basis“, befürchtet er. Die Zusammenarbeit mit den Tierhaltern sei immer sehr kooperativ gewesen. „Wir haben den Job doch für lau gemacht“, erklärt er.
Ganze 25 Euro Aufwandsentschädigung hätten er und seine Kollegen für einen stundenlangen Einsatz mit großen Entfernungen erhalten, bei Tag und Nacht. Deshalb bezweifelt er, ob die Bezirksförster im Notfall wirklich erreichbar sind. „Der Wolf greift meist nicht zwischen 8 und 16 Uhr an, sondern zwischen 16 und 8 Uhr“, gibt er zu bedenken. „Warum man die kostengünstige und erfolgreiche Arbeit der Wolfsberater aufgibt, verstehe ich nicht“, so Wreesmann.
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Da die Landwirtschaftskammer bereits seit längerer Zeit bei Herdenschutzmaßnahmen berät und Förderungen bewilligt, befindet sich nach Angaben von Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies jetzt der komplette Themenkomplex Herdenschutz operativ in der Hand der Kammer. Bei der Prüfung von Gefährdungslagen und Ausnahmegenehmigungen soll es aber bei den „bewährten Zuständigkeiten“ bleiben.