Küstenschutz
Inselstrände und Dünen werden im Sommer wieder aufgespült
Die bei Sturmtief „Nadia“ weggerissenen Strände und Dünen sollen im Sommer wieder aufgespült werden – aber nicht auf allen Inseln. Im Fokus stehen vor allem Norderney und Langeoog.
Norden - Sturmtief „Nadia“ hat auf den Ostfriesischen Inseln sichtbare Spuren hinterlassen. Wie viel Sand dadurch abgetragen wurde, steht laut einer Mitteilung des niedersächsischen Umweltministeriums aber immer noch nicht fest. Genaue Vermessungen seien erst bei ruhigerem Wetter möglich.
Das bestätigt auch Carsten Lippe, Sprecher des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), aus Norden. „Voraussichtlich in der kommenden Woche werden die Abbruchkanten mit Lasertechnik vermessen“, sagt er. Besonderen Bedarf sieht der NLWKN auf den Inseln Norderney und Langeoog sowie auf Teilen von Wangerooge. „Die Sandverluste bewegen sich aber noch im Bereich des normalen Wintergeschehens“, so Lippe.
Lies betont Bedeutung der Aufspülungen
Von Schäden will der NLWKN-Sprecher bei den Abbruchkanten, die unter anderem an der Weißen Düne auf Norderney besonders sichtbar sind, nicht. „Betonmauern können Schäden nehmen“, sagt Lippe. Bei den Aufspülungen und Aufschüttungen von Schutzdünen sei ein gewisser Verlust aber einkalkuliert. „Die Bilder der Abbruchkanten sehen natürlich dennoch spektakulär aus“, sagt Lippe. Dass das für Aufsehen sorgt, sei verständlich.
Aber auch wenn die Sandverluste noch im kalkulierten Bereich liegen: „Die jüngsten Entwicklungen unterstreichen noch einmal die Bedeutung der Aufspülungen und Verstärkungen in den vergangenen Jahren unter anderem auf Langeoog oder im Westteil von Juist“, wird Umweltminister Olaf Lies (SPD) in der Mitteilung des Umweltministeriums zitiert. Nach einer ersten Einschätzung der Lage mahnt Lies die künftig weiter steigende große Bedeutung des Küstenschutzes an.
Appell an Fußgänger: Abstand zu Abbruchkanten
Auf allen Inseln sei mit einem verstärkten Bedarf an Maßnahmen zum Sandfang zu rechnen, um die teilweise weggespülten Dünenfüße wieder aufzubauen. Für Norderney und Langeoog seien noch für dieses Sommerhalbjahr konkrete größere Spülungen erforderlich, um Dünen zu verstärken und Strände aufzuspülen. Die letzte größere Maßnahme dieser Art wurde auf Langeoog vor zwei Jahren durchgeführt. Für Wangerooge wird eine kleinräumige Dünenverstärkung an den Nord-Ost-Dünen angekündigt. Geld sei bereits vorsorglich eingeplant worden, so Prof. Frank Thorenz, Leiter des für den Inselschutz zuständigen Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Norden. Lies kündigte an, das Thema auch für das nächste Treffen mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der Inselgemeinden auf die Tagesordnung zu setzen.
„Sandverlust hatten wir auch nach der leichten Sturmflut am Wochenende auf allen Inseln“, so Lippe gegenüber unserer Zeitung. So auch zum Beispiel auf Borkum: „Nördlich der Schutzdünen setzt sich der langjährig andauernde Veränderungsprozess der Strände und Dünen fort: Hier sind durch die schmalen Strände auf Grund des nahen Voorentiefs Dünenabbrüche an den einzeln stehenden Randdünen aufgetreten, die aber die Sicherheit der Insel nicht gefährden“, sagt Lippe. Aber: „Eine unmittelbare Gefährdung der Sicherheit besteht nach Einschätzung des NLWKN auf keiner der Ostfriesischen Inseln.“ Zudem seien die Schutzmaßnahmen, das ist der Mitteilung des Ministeriums zu entnehmen, für deutlich stärkere Sturmflutereignisse als die vom Wochenende konzipiert. So wurden auf den Ostfriesischen Inseln am Wochenende Wasserstände von rund 1,75 Meter über dem mittleren Tidehochwasser erreicht. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 seien es etwa 2,90 Meter gewesen, womit es sich bei „Nadia“ um keine ungewöhnlichen Sturmfluthöhen handelte.
Doch auch wenn der Sturmflutschutz gewährleistet ist, hat der NLWKN dennoch eine Bitte, vor allem an Fußgängern: Anders als beispielsweise bei festen Bauwerken, lassen sich Bewegungen an Dünen schwierig vorhersagen. „Die Abbruchkanten sind gerade für Fußgänger ein Gefahrenbereich“, sagt Lippe. Es könne ohne Vorwarnung zu weiteren Abbrüchen kommen. So wurde erst Anfang des Monats eine Spaziergängerin bis zum Hals verschüttet. Am Dienstag dieser Woche stürzte eine Frau die Abbruchkante auf Wangerooge herunter und verletzte sich schwer. Lippe appelliert daher: „Bitte halten Sie sich von den Abbruchkanten fern und beachten Sie die Hinweisschilder.“