Osnabrück

„ZERV - Zeit der Abrechnung“ zeigt ein Stück kaum erzählte deutsche Geschichte

Sven Stahmann
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Von Sven Stahmann
| 01.02.2022 15:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Karo Schubert (Nadja Uhl) und Peter Simon (Fabian Hinrichs) kämpfen in „ZERV - Zeit der Abrechnung“ gemeinsam gegen Verbrechen in der Wendezeit direkt nach dem Mauerfall. Foto: ARD/Merav Maroody
Karo Schubert (Nadja Uhl) und Peter Simon (Fabian Hinrichs) kämpfen in „ZERV - Zeit der Abrechnung“ gemeinsam gegen Verbrechen in der Wendezeit direkt nach dem Mauerfall. Foto: ARD/Merav Maroody
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Zwei Jahre nach dem Mauerfall entsteht die Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität - kurz: ZERV - in Berlin. Die ARD-Serie „ZERV - Zeit der Abrechnung“ verfilmt erstmals diese polizeiliche Dienststelle und zeigt damit ein Stück bisher selten erzählte deutsch-deutsche Geschichte.

Berlin, 1991: West-Kommissar Peter Simon (Fabian Hinrichs) will nach der ersten Betrachtung eines neuen Mordfalls am Stadtrand von Berlin wieder zurück in die Stadt. Doch das Taxi, das auf ihn warten sollte, ist nicht mehr da. Und dann sind da noch diese schlechten Straßenverhältnisse. Simon tritt in eine Pfütze: „Dieser scheiß Osten!“ flucht er. Bei der Einrichtung des neuen Büros für die Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität (ZERV) am Morgen waren die Rohre verstopft und die Telefone funktionierten nicht. Zudem gibt es nur kalte Bockwurst und warmes Bier - der Ex-Bremer, der nun bei der ZERV angestellt ist, hat bereits nach dem ersten Arbeitstag im Osten genug.

Immerhin bringt die ungleiche Ost-Kollegin Karo Schubert (Nadja Uhl) Simon mit ihrem Auto zu der nächsten Bushaltstelle. Ein erster Versuch, die unterschiedlichen Persönlichkeiten zueinander zu bringen? Ob sie wollen oder nicht - Schubert und Simon müssen gemeinsam arbeiten, um die SED- und DDR-Verbrechen strafrechtlich aufzuarbeiten. Dabei geht es um illegale Waffengeschäfte, um nicht vollzogene Abrüstung und um politisches und gesellschaftliches Unrecht, das sich eben nur mit dem gemeinsamen Wissen der Ost- und der West-Kollegen auflösen lässt.

„ZERV - Zeit der Abrechnung“ ist eine historisch-politische Krimiserie und beruht auf wahren Geschehnissen. Sie zeigt ein Stück bisher kaum erzählte Geschichte in der Zeit der deutschen Wiedervereinigung: Als Helmut Kohl Anfang der 1990er-Jahre die ZERV ins Leben ruft, will er ein Zeichen setzen. Er will verhindern, dass sich das Vertuschen von Verbrechen und das Nichtaufarbeiten von Schuld wiederholt. Was dabei herauskam? 700 Ermittler arbeiteten etwa acht Jahre an 20.000 Fällen, es wurden Milliarden veruntreuter Gelder zurückgeholt und so mancher Krimineller vor Gericht gebracht. Die wahre Geschichte zeigt auch die fünfteilige Dokuserie, die im MDR ausgestrahlt wird.

Die Unterschiede, die zwei Jahre nach dem Mauerfall zwischen dem Osten und dem Westen Deutschlands bestehen, werden in der Serie immer wieder geschickt thematisiert. Das kann mal der Kleidungsstil sein oder auch die Sprache. In einem Meeting wird den Ost-Polizisten erstmal klargemacht, dass das „Kollektiv“ jetzt „Team“ heißt, damit die Zusammenarbeit der „westdeutschen Profis“ mit den „ostdeutschen Amateuren“ vereinfacht wird. „Raider heißt es jetzt Twix - sonst ändert sich nix“, fügt Schubert frech hinzu. Das sind Szenen, die den Betrachter schnell in die Story reinziehen.

Schubert ist die Frau für die gute Laune, die in der Serie durchaus auch versprüht wird. Es handelt sich bei „ZERV - Zeit der Abrechnung“ nämlich nicht um eine düstere Krimiserie, die die Altlasten der DDR aufzeigt. Die Geschichte ist spannend, es wird sich aber auch Zeit genommen, um die unterschiedlichen Kulturen des vereinten Deutschlands aufzuzeigen. Das wird immer wieder humorvoll verpackt, wodurch das schwierige Thema der SED-Vergangenheit leichtfüßig erzählt wird, ohne dabei den Ernst außen vor zu lassen. Zumal dieser alleine durch die Tatsache vertieft wird, dass der Tote Matthias Trockland ein Freund von Schuberts Eltern war. Bei den Ermittlungen kommt Schubert dadurch an immer mehr Informationen, die auch den Tod ihres geliebten Vaters betreffen.

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