Freizeit
Spieler für die Königin der Instrumente gesucht
Seit Jahren fehlt es an gelernten Organistinnen und Organisten. Um Spieler für die Königin der Instrumente zu finden, gibt es ein Förderprogramm der reformierten Kirchen. Eine Teilnehmerin berichtet.
Ihrhove/Leer - Sie ist das größte Instrument mit der reichsten Ausstattung. Ihre Tiefen und Höhen sind von unübertroffenem Umfang. Das Spektrum der Lautstärke ist einzigartig. Sie gilt als Königin der Instrumente. Die Orgel. So faszinierend sie auch ist, so schwer ist es, sie zu spielen. Je nach Geschick und Ausdauer kann es mitunter Jahre dauern, das Orgelspiel zu erlernen. Ostfriesland ist bekannt für seine zahlreichen historischen Orgeln. Sie stammen aus sechs Jahrhunderten. Ein großer Teil davon ist in den reformierten Kirchen Ostfrieslands zu finden. Doch seit Jahren fehlt es an gelernten Organistinnen und Organisten.
Orgelunterricht wird finanziell gefördert
Die Kirchengemeinden brauchen sie dringend für die musikalische Gestaltung ihrer Gottesdienste. Um Abhilfe zu schaffen, gibt es seit zehn Jahren ein Programm der reformierten Kirchen, das den professionellen Orgelunterricht finanziell fördert. Bis heute haben zahlreiche Personen daran teilgenommen. Edeltraut Bode (72 Jahre) aus Leer, die unter anderem in Ihrhove Grundschullehrerin war, ist eine davon. Sie erzählt, wie es dazu kam. Und wie es mit einer Königin so ist. Die Orgel stand quasi vor der Tür„Mein Schwiegervater war Pastor, meine Schwiegermutter hat auch immer Orgel gespielt. Das fand ich schon immer toll. Das wollte ich auch gerne lernen“, erinnert sich Edeltraut Bode. Ihr Mann war Pastor, da stand die Orgel quasi gleich vor der Tür. Beste Voraussetzungen zum Üben.
Mit 42 Jahren begann sie, auf der Orgel zu spielen. Was jedoch fehlte, war Zeit. Als Lehrerin an der Grundschule Ihrhove, Mutter von drei Kindern und Pfarrfrau waren oft andere Dinge wichtiger. Sie brauchte sechs Jahre, bis sie ihre Prüfung bei Pastor Ingo Brookmann in Ihrhove ablegte. Die meisten anderen Prüflinge hatten vorher Klaviererfahrung. Sie selbst spielte ausschließlich Melodieninstrumente wie Geige und Querflöte. Ein Nachteil, da man hierbei die Noten nur einstimmig liest. Bei der Orgel spielt man mehrere Töne gleichzeitig.
Eine Orgel kann man sich nicht einfach kaufen
Jahre später erfuhr sie von dem Ausbildungsprogramm und nahm daran teil. Für sie eine gute Entscheidung. „Es ist eine einmalige Gelegenheit, an die Königin der Instrumente heran zu kommen“, betont Edeltraut Bode. „Eine Orgel kann man sich nicht kaufen.“ Ein großer Vorteil ist auch, dass man zeitlich nicht unter Druck gesetzt wird. Jede und jeder wird nach individuellem Tempo gefördert. So lange, bis man die Hilfe nicht mehr braucht. Geprüft werden fünf Psalme, fünf Choräle, fünf Stücke mit und fünf Stücke ohne Pedal. Doch damit kommt man nicht weit, weiß Bode. „Man muss auch nach der Prüfung weiter lernen. Das Gesangsbuch ist ja sehr dick. Ich hatte das Glück, dass ich bei dem Programm eine sehr gute Orgellehrerin hatte, Judy Riefel. Sie hat mich die Jahre begleitet und unterstützt.“
100 Personen haben das Angebot bereits genutzt
Das Programm der reformierten Kirchen, Orgelunterricht finanziell zu fördern, gibt es bereits seit zehn Jahren. Es gilt landeskirchenweit, für das nördliche und südliche Ostfriesland, das Rheiderland, aber auch zum Beispiel für Bayern oder Sachsen. „An die 100 Personen haben das Angebot bereits genutzt“, so Ingo Brookmann, Pastor der evangelisch-reformierten Kirche Loga. „Etwa zwei Drittel davon sind Jugendliche, die zum Studieren schnell weg sind. Einige kehren aber auch nach dem Studium wieder zurück nach Ostfriesland. Wie zum Beispiel junge Männer, die die Höfe ihrer Eltern übernehmen. Ein Drittel sind Erwachsene. Es ist toll, wenn sie auch mit dem Orgelspielen anfangen.“
Vorteil dabei ist, dass sie in den Gemeinden wohnen und auch bleiben. Seit drei Jahren ist das Programm intensiver geworden. Die Landeskirchen übernehmen einen hohen Anteil der Ausbildungskosten. Ziel der Ausbildung ist, im Gottesdienst die Gemeinde auf der Orgel zu begleiten. Man wird dafür auch entlohnt. Bezahlt wird pro Dienst. Es eignet sich also auch gut für jüngere Menschen, die damit ihr Taschengeld ausbessern können. Es braucht Zeit zum Üben, die richtige Motivation und Spaß am Instrument.
Als Organist Europa kennenlernen
Als Organistin und Organist hat man die Möglichkeit, Europa kennen zu lernen. Durch den AGO European Chapter. Es ist ein amerikanischer Verband, der jährlich in europäischen Ländern Orgeltreffen organisiert und veranstaltet. Gemeinsam verbringt man eine Woche am Ort des jeweiligen Gastgebers und besichtigt Orgeln, erlebt Konzerte und hat die Möglichkeit, selbst zu spielen. Das Ehepaar Bode nimmt seit zehn Jahren daran teil. Bisheriger Höhepunkt war ihre Fahrt nach Washington D.C. in 2017.
Heute ist Edeltraut Bode im Ruhestand. Seit zehn Jahren lebt sie mit ihrem Mann in Leer. Sie haben sieben Enkelkinder. Dieses Jahr ist ihr 25-jähriges Orgel-Prüfungsjubiläum. Sie spielt regelmäßig bei Gottesdiensten in Leer und Großwolde. Besonders schön findet sie Trauungen und Taufen. Auch zur Passionszeit spielt sie gerne, wenn besinnliche Lieder und Choräle mit alter Harmoniefolge gesungen werden. „Psalm 68 gefällt mir besonders gut. Es ist der reformierte Schlagerpsalm.“
Alleine in der Kirche an der Orgel üben
Das Spiel an der Orgel gibt Bode gerade in Zeiten von Corona Kraft. „Es ist ein sehr großes Geschenk, dass man den Kirchenschlüssel bekommt und ganz alleine in der Kirche an der Orgel üben und spielen darf. Für mich ist es eine sehr große Unterstützung und Freude, sich da Mut zu holen. Alle anderen Gruppen fielen ja aus. Ich kann es also nur empfehlen. Man lernt nie aus. Man kann so lange lernen, bis alle Finger gleich lang sind“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Und vielleicht hat der eine oder andere sie auch schon bei einem Gottesdienst in Loga getroffen, der wegen Corona im Garten abgehalten wurde. Dort spielte sie Saxofon. Dieses Instrument lernte sie als Rentnerin auch noch dazu.
Wer jetzt Lust hat, Orgel spielen zu lernen, kann sich bei Pastor Ingo Brookmann unter Telefon 0491/71233 oder loga@reformiert.de melden.