Serie „Das Vereinsleben und das Virus“

Einige haben ihre Boote gar nicht erst zu Wasser gelassen

Holger Weers
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Von Holger Weers
| 02.02.2022 12:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Wassersportverein Sagter Ems hofft, nach einigen schwierigen Jahren wieder in ruhigere Fahrwasser zu gelangen. Liebend gerne würde der Vorsitzende Emil Hartmann (im Bild) wieder Bootsgäste in Strücklingen begrüßen dürfen. Foto: Weers
Der Wassersportverein Sagter Ems hofft, nach einigen schwierigen Jahren wieder in ruhigere Fahrwasser zu gelangen. Liebend gerne würde der Vorsitzende Emil Hartmann (im Bild) wieder Bootsgäste in Strücklingen begrüßen dürfen. Foto: Weers
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Corona, Corona, Corona! Seit zwei Jahren lähmt die Pandemie das Vereinsleben im Saterland und in der Gemeinde Barßel. Wie gehen die Mitglieder damit um? Der GA berichtet in einer Serie. Diesmal: der Saterländer Wassersportverein Sagter Ems.

Strücklingen - Wenn Boote und Yachten über die hiesigen Kanäle schippern, sind sie beliebte Fotomotive. Erst recht, wenn sie – schön aufgereiht – im Heimathafen am Steg liegen. Auch zahlreiche Gast-Skipper aus dem In- und Ausland sorgen für maritimes Flair und zudem für wichtige Einnahmen hiesiger Wassersportvereine. Die Corona-Pandemie mit ihren fortwährenden Kontaktbeschränkungen und Versammlungsverboten macht den Freizeit-Kapitänen jedoch einen gehörigen Strich durch die Rechnung.

Für den 1984 gegründeten Wassersportverein (WSV) Sagter Ems waren es bisher zwei besonders harte Jahre, weil es neben Corona weitere schwere Rückschläge zu verkraften gab. „Durch den Brückenneubau in Osterhausen hatten wir plötzlich keine Gäste mehr in Strücklingen“, sagt Emil Hartmann, Vorsitzender des Vereins. Die fehlenden Einnahmen rissen ein großes Loch in die Kasse. Im April 2018 waren letztmalig Sportboote durch die alte Klappbrücke geschleust worden. Erst nach einigen baulichen Verzögerungen wurde die neue Klappbrücke über die Sagter Ems in Osterhausen wieder für den Straßenverkehr freigegeben. Im März 2020 erhielt dann auch der WSV von offizieller Seite grünes Licht für zukünftige Schleusungen der Brücke.

Das Vereinsheim stand auf der Kippe

Doch Gäste-Skipper mit ihren Booten und Yachten blieben wegen der Corona-Pandemie weiterhin aus. Dann folgte der nächste Schock: Im vergangenen Jahr wurde der beliebte Treffpunkt der Wassersportler, der Strücklinger Hof (Helmke-Kallage), geschlossen und abgerissen. Die bisherigen Inhaber verkauften das Gebäude samt Gelände an einen Investor. Auf jenem Gelände stand jedoch auch das Vereinsheim der Wassersportler. „Die Gemeinde Saterland hat das Vereinshaus gekauft und uns zur Verfügung gestellt. Zum Glück war die Zuwegung zum Gebäude im Grundbuch eingetragen“, berichtet Emil Hartmann.

„Im Vereinsheim können nun weiterhin unsere Veranstaltungen stattfinden, darunter auch die Jahreshauptversammlung“, betont Hartmann, der seit 18 Jahren den Verein als erster Vorsitzender anführt. Der 84-Jährige und sein Stellvertreter Jonny Flatken (74 Jahre), beides Gründungsmitglieder, möchten ihre Posten aber auf der nächsten Jahreshauptversammlung aus Altersgründen zur Verfügung stellen und die Vereinsarbeit in jüngere Hände übergeben. Interessenten für die Nachfolge gibt es bereits. „Vor der Jahreshauptversammlung, die für den 4. März im Vereinsheim geplant ist, wird es noch eine Bootsanliegerversammlung geben“, so Hartmann. Ursprünglich sollten die Neuwahlen zum Vorstand bereits auf der letzten Versammlung im November durchgeführt worden sein. Das war jedoch aufgrund der Corona-Pandemie verschoben worden.

„Derzeit ist kein vernünftiges Vereinsleben möglich“

„Durch Corona verzeichneten einige Vereine einen sagenhaften Aufschwung, nur wir nicht. Viele Bootsanleger waren ausgebucht, weil die Skipper mit ihren Booten und Yachten wegen der Pandemie im In- und Ausland festsaßen und weiterreisen durften“, erklärt der Vorsitzende. Gerne erinnert er sich an die Zeiten zurück, wo der Wassersportverein Sagter Ems mit seinen rund 65 Mitgliedern Bootsgäste aus ganz Deutschland, wie etwa Bad Honnef oder dem Ruhrgebiet, begrüßen durfte.

„Ich hoffe, dass es dieses Jahr besser wird. Viele Interessenten mit Booten haben wegen der Pandemie von einem Besuch bei uns bislang Abstand genommen. Derzeit ist kein vernünftiges Vereinsleben möglich“, klagt Emil Hartmann. „Einige Vereinsmitglieder haben ihre Boote gar nicht zu Wasser gelassen, andere in Leer oder an anderen Standorten untergebracht. Das ganze Vereinsleben hat darunter gelitten. Ich hoffe, dass sich das Ganze normalisiert“, betont der Vorsitzende.

Er selbst und andere Interessenten würden so gerne wieder an geführten Bootstouren, die der Landesverband Motorbootsport Niedersachsen jährlich durchführt, teilnehmen. Auch Lehrgänge für Tourenskipper werden angeboten. „Die Termine sind wegen Corona nur unter Vorbehalt“, so Emil Hartmann. Aus dem gleichem Grund führt der WSV seit Pandemiebeginn auch keinen Wintergang mehr durch.

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