Köln
„Kinder zurzeit, was Ratten in der Pest waren“: Wirbel um Böhmermann-Zitat
TV-Gesicht Jan Böhmermann sorgt mit einer Corona-Satire im ZDF Magazin Royale für Wirbel. Der Moderator vergleicht Kinder in der Corona-Pandemie mit Ratten zur Zeit der Pest. Wie war der Scherz genau gemeint?
Bei Kindern hört der Spaß auf! Aber nicht für Satiriker Jan Böhmermann vom ZDF Magazin Royale? In der ersten Sendung nach der Winterpause am Freitagabend sorgt der für seine scharfe Zunge bekannte Moderator mit einem Scherz über Kinder in der Corona-Pandemie für Kritik.
„Was die Ratten in der Zeit der Pest waren, sind Kinder zurzeit für Covid-19: Wirtstiere“, lautete Böhmermanns spitz formulierte Aussage. Der Satiriker weiter: „Ständig infizieren sie sich mit irgendwelchen Viren, und was machen die unverantwortlichen kleinen Halbmenschen dagegen? Nix! Setzen sich jeden Tag in eiskalte Klassenräume.“
Im Video: ZDF Magazin Royale vom 28. Januar 2022
Böhmermann wollte mit seiner drastischen Aussage den Finger in die Wunde legen und auf eine mehr als besorgniserregende Entwicklung aufmerksam machen: die explodierenden Corona-Zahlen in den Schulen und Kitas.
Wie aus Zahlen des Robert-Koch-Instituts (Wochenbericht vom 27. Januar) hervorgeht, ist die Sieben-Tages-Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 14 Jahren besonders stark angestiegen. In der vergangenen Woche lag der Wert für Grundschüler (Gruppe der Fünf- bis Neunjährigen) bei 2365 und hatte sich damit binnen einer Woche verdoppelt. Es ist der bislang höchste gemessene Wert in einer Altersklasse. Auch bei den Zehn- bis 14-Jährigen wurde die 2000er-Marke überschritten. Dem RKI sind bislang 46 validierte Covid-19-Todesfälle bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 0 und 19 Jahren übermittelt worden. Bei 32 Fällen lagen Angaben zu bekannten Vorerkrankungen vor.
Trotz der extrem hohen Inzidenzen in den Altersgruppen sind Einrichtungen wie Schulen und Kitas nicht geschlossen, Präsenzpflicht besteht weiterhin. Eltern riskieren sogar Bußgelder, wenn sie ihre Schützlinge aus Sorge einfach zu Hause lassen. Die getroffenen Schutzmaßnahmen in den Schulen reichen jedoch bei weitem nicht aus, um Ansteckungen zu verhindern. Böhmermann stellte es satirisch so dar, als handelten Kinder deshalb verantwortungslos, wenn sie zum Unterricht erscheinen. Natürlich in dem Wissen, dass sie diejenigen sind, die am wenigsten dafür können.
Böhmermann beließ es bei seiner Corona-Satire nicht bei dem Vergleich mit Ratten, er setzte Kinder auch mit Querdenkern gleich, von denen einige die Pandemie noch immer leugnen und sich nicht impfen lassen wollen: „Und geimpft, geboostert sind die wenigsten, die kleinen Querdenker. Kinder sind noch schlimmer als Aluhutträger in der sächsischen Fußgängerzone, weil die handeln unverantwortlich und sehen dabei so niedlich aus“, verlautete Böhmermann.
Einigen gingen die als satirisch zu verstehenden Aussagen dann doch zu weit. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Daniel Föst bezeichnete die Böhmermann-Sätze auf Twitter als „abartig geschmackslos“.
Tweet von Daniel Föst:
Der Grünen-Politiker Dieter Janecek, ein Fürsprecher der Aktion #allesdichtmachen, äußerte sich ebenfalls und störte sich an den Vergleichen: „Jo, Jan Böhmermann, ist Satire. Aber bedient halt auch die seit zwei Jahre verbreiteten (haltlosen) Narrative, dass Kinder ‘Schuld’ an der Pandemie seien und blendet konsequent die massiven psycho-sozialen Folgen von Lockdowns aus. I‘m not convinced“, schrieb der Bundestagsabgeordnete auf Twitter:
Tweet von Dieter Janecek:
Kritik kam auch von der AfD: Europapolitiker Bernhard Zimniok unterstellte Böhmermann ständige „widerwärtige Hetze“. Er attackiere „die Schwächsten der Gesellschaft“.
Tweet von Bernhard Zimniok:
Böhmermann bekam aber auch Zuspruch für seine drastischen Worte: „Das ZDF-Magazin ist mittlerweile eine der besten Sendungen im Öffentlich-Rechtlichen. Aufklärung at it’s best. Dafür zahle ich gerne Gebühren. Danke, Jan Böhmermann“, schrieb etwa Lorenz Gösta Beutin, Mitglied im Parteivorstand der Linken.
Tweet von Lorenz Gösta Beutin:
Was klar sein dürfte: Böhmermann gab nicht wirklich Kindern Schuld an der Pandemie, sondern kritisierte die politischen Verantwortungsträger, bislang zu wenig unternommen zu haben, um die „Schwächsten der Gesellschaft“ zu schützen.