Berlin

AfD-Vorsitzender Meuthen verlässt die Partei: „Klar totalitäre Anklänge“

DPA User, Marvin Weber
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Von DPA User, Marvin Weber
| 28.01.2022 13:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Nach der Bundestagswahl - AfD Foto: dpa
Nach der Bundestagswahl - AfD Foto: dpa
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AfD-Parteichef Jörg Meuthen ist nicht mehr Mitglied der „Alternative für Deutschland“. Nach Informationen von WDR, NDR und des ARD-Hauptstadtstudios hat Meuthen damit auch seinen Parteivorsitz mit sofortiger Wirkung niedergelegt.

Der langjährige AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen kehrt der Partei den Rücken. Er habe der Bundesgeschäftsstelle mitgeteilt, dass er sein Amt niederlegen und die AfD verlassen werde, sagte Meuthen am Freitag auf Anfrage. Zuvor hatten WDR, NDR und das ARD-Hauptstadtstudio berichtet.

Sein Mandat im Europäischen Parlament will der 60-Jährige behalten. Teile der Partei stünden seiner Meinung nach nicht auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung, sagte er nach Angaben ARD - „ich sehe da ganz klar totalitäre Anklänge“. Allenfalls als ostdeutsche Regionalpartei sehe er noch eine Zukunft für die AfD. Meuthen haderte schon lange mit seiner Partei. Der Volkswirt plädierte in den vergangenen zwei Jahren wiederholt für einen gemäßigteren Kurs der AfD. Damit machte er sich Feinde, vor allem in der Rechtsaußen-Strömung um den Thüringer Landeschef Björn Höcke.

Alleiniger Parteichef ist jetzt bis zur Neuwahl der Parteispitze der bisherige Co-Vorsitzende Tino Chrupalla. Das Verhältnis zwischen Meuthen und Chrupalla war praktisch von Anfang an schwierig.

Zuletzt hatte es für Meuthens Vorschläge im Parteivorstand nicht immer Mehrheiten gegeben. So war beispielsweise im August der Versuch gescheitert, den Rauswurf des nordrhein-westfälischen AfD-Bundestagskandidaten Matthias Helferich zu beantragen. Meuthen war im Sommer 2015 als einer von zwei Co-Vorsitzenden an die Parteispitze gewählt worden, damals an der Seite von Frauke Petry, die gut zwei Jahre später die Partei verließ.

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Kritik hat Meuthen in den vergangenen Jahren auch an den Positionen einiger Parteifunktionäre in der Corona-Pandemie geübt. Obgleich er sich selbst gegen das Virus impfen ließ, trat er vehement gegen eine Impfpflicht ein. Für AfD-Politiker, die von einer „Corona-Diktatur“ fabulierten, habe er aber kein Verständnis, betonte der Volkswirt. 

Während das Verhältnis der beiden als angespannt galt, kam Meuthen mit dem späteren Co-Vorsitzenden Alexander Gauland lange Zeit gut zurecht.

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