Politik

Bürgermeister Busboom lernt jeden Tag etwas dazu

Christine Schneider-Berents
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Von Christine Schneider-Berents
| 28.01.2022 19:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Christoph Busboom aus Holtland ist seit dem 1. November Bürgermeister der Samtgemeinde Jümme. Foto: Ortgies
Christoph Busboom aus Holtland ist seit dem 1. November Bürgermeister der Samtgemeinde Jümme. Foto: Ortgies
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Seit dem 1. November 2021 ist Christoph Busboom Samtgemeindebürgermeister von Jümme. Der 43-Jährige weiß inzwischen, wer im Rathaus welche Post bekommt. Aber er hat noch viele Fragen an die Kollegen.

Jümme - Christoph Busboom ist noch immer beeindruckt von dem, was er an seinem ersten Arbeitstag erlebt hat: Es ist der 1. November. Um kurz vor acht Uhr betritt der neue Bürgermeister der Samtgemeinde Jümme das Rathaus in Filsum – seine künftige Wirkungsstätte. „Da standen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unten im Foyer, um mich willkommen zu heißen. Das war sehr herzlich. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Da musste ich erst einmal ganz schnell in mein Büro, ein paar Minuten für mich sein“, erzählt der 43-Jährige.

Was und warum

Darum geht es: Christoph Busboom ist seit gut drei Monaten Bürgermeister der Samtgemeinde Jümme. Wir wollten wissen, wie es ihm an seiner neuen Wirkungsstätte geht.

Vor allem interessant für: alle Bürgerinnen und Bürger in Jümme

Deshalb berichten wir: Wer eine neue Arbeitsstelle antritt, erlebt viel Neues.

Die Autorin erreichen Sie unter: schneider-b@zgo.de

Im vergangenen September ist er bei der Kommunalwahl von den Jümmern zum Nachfolger von Johann Boelsen gewählt worden. Seitdem hat sich für den Holtlander vieles im Alltag verändert. Die Arbeitstage seien schon immer lang gewesen, als er – bis zur Wahl – noch als stellvertretender Leiter des Leeraner Stadtbauamtes gearbeitet habe. Seit er Samtgemeindebürgermeister sei, seien noch ein paar Stunden in der Woche hinzugekommen: Besprechungen mit Mitarbeitern im Rathaus, Termine mit Firmenchefs und dann noch die Ausschuss- und Ratssitzungen: „Da kommt einiges zusammen. Es ist etwas anderes, ob ich in einem Amt tätig bin oder in einer Kommune. Das hier ist eine andere Liga“, sagt Busboom.

Einfluss nehmen und Ideen entwickeln

Die Arbeit mache ihm Spaß. „Hier kann ich mitgestalten, Einfluss auf Entwicklungen nehmen, Ideen mit auf den Weg bringen“, sagt er. Allerdings ist sich der Rathauschef auch bewusst, dass er – obwohl er mit der Arbeit einer Verwaltung vertraut ist – noch viel lernen muss. „Wer welche Post bekommt, weiß ich inzwischen“, sagt Busboom und lacht. Es vergehe kein Tag, an dem er nicht Fragen zu irgendeinem Thema habe. So ganz tief stecke er noch nicht in allen Themen drin. Während die Samtgemeinde beispielsweise für die Grundschulen, den Tourismus und das Klärwerk zuständig sei, liege die Verantwortung für die Kindergärten, den Straßenbau und die Planung für Bau- und Gewerbegebiete bei den Mitgliedsgemeinden Detern, Filsum und Nortmoor. „Wir haben hier im Rathaus ein tolles Team. Die Kolleginnen und Kollegen stehen alle hinter mir. Ich kann mit den exotischsten Fragen zu ihnen kommen.“

Hier steht Christoph Busboom auf der Treppe, die ins Oberschoss des Rathauses in Filsum führt. Dort hat der Verwaltungschef sein Büro. Foto: Ortgies
Hier steht Christoph Busboom auf der Treppe, die ins Oberschoss des Rathauses in Filsum führt. Dort hat der Verwaltungschef sein Büro. Foto: Ortgies

Gleichwohl behält Christoph Busboom im Blick, wofür er in seinem Wahlkampf vor einigen Monaten geworben hatte: „Wir brauchen mehr Bauland.“ In Detern tue sich in dieser Frage gerade etwas, dank privater Investoren. Für eine Fläche im Ortszentrum von Filsum wird der Bebauungsplan aufgestellt. „Leider wird es immer schwieriger, an Land zu kommen, um neue Baugebiete zu erschließen“, sagt er. Das gehe allen Kommunen so. Deshalb sei er dafür, auch in Jümme die Innenraumverdichtung voranzutreiben. Dafür werbe er. Überall in den Dörfern gebe es einzelne freie Grundstücke, einige seien an einen Landwirt verpachtet. „Vielleicht braucht der das kleine Stück Land mitten im Ort gar nicht, sagt das dem Eigentümer jedoch nicht“, so Busboom. Das wolle er ändern.

Für Menschen mit kleinem Geldbeutel

Darüber hinaus braucht Jümme nach Ansicht des Bürgermeisters mehr Einkaufsmöglichkeiten. „Detern ist in dieser Frage gut aufgestellt. In Nortmoor gibt es nur einen Bäcker. Und in Filsum? Das Feinkostgeschäft dort hat kein Angebot für den täglichen Bedarf“, so Busboom. Deshalb hätte er es am liebsten, in der Samtgemeinde würde sich ein Discounter ansiedeln. Gespräche mit potenziellen Interessenten würden bereits geführt. „Es gibt viele Menschen, die auf jeden Cent schauen müssen, Ältere mit kleiner Rente, Alleinerziehende, Familien mit Kindern. Für die gibt es bei uns nicht genügend Angebote.“

Ungeachtet dieser Überlegung verfolgt die Gemeinde Filsum ihre Pläne für die Realisierung eines sogenannten Ostfriesland-Marktes weiter. Darin sollen in der Region produzierte und angefertigte Lebensmittel und Geschenkartikel verkauft werden. Ende 2020 bewarb sich die Kommune mit ihrer Idee für die Fördermaßnahme „LandVersorgt – Neue Wege der Nahversorgung in ländlichen Räumen“, 2021 gab es vom Bundeslandwirtschaftsministerium 50.000 Euro für die Erstellung eines konkreten Planes. 58 andere Gemeinden hatten ebenfalls Vorschläge für solch ein Projekt eingereicht, 15 – darunter Filsum – bekamen letztendlich das Geld für die Ausarbeitung eines Konzeptes. In einer weiteren Runde geht es jetzt darum, welche drei bis maximal fünf Gemeinden ihre Idee mit Hilfe des Landwirtschaftsministerium konkret werden umsetzen können.

Ob Filsum zu den Gewinnern gehören wird, steht noch nicht fest. Ungeachtet dessen wurde im Ort schon einmal nach einem geeigneten Platz Ausschau gehalten. Er befindet sich in der Nähe des Sportplatzes. Dort verfügt die Gemeinde über eine eigene Fläche. Durch Zukauf eines Privatgrundstückes ist das Areal jetzt groß genug für den Bau des geplanten Ostfriesland-Marktes. „Ich bin überzeugt, dass der neben einem Discounter bestehen kann“, sagt Christoph Busboom.

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