Pandemie
Corona-Impfungen entlasten Kliniken – trotz Rekord-Inzidenzen
Trotz Rekord-Inzidenzen gibt es aus den Kliniken keine Überlastungsanzeigen wie in früheren Corona-Wellen. Auch in Ostfriesland wütet Omikron derzeit. Was bedeutet das für die Intensivstationen?
Berlin/Ostfriesland/Bremen/Hamburg - Wenige Tage vor den ersten Beratungen über eine Corona-Impfpflicht im Bundestag nehmen die Pläne der Befürworter Konturen an. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (DPA). Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Dirk Wiese, der mit anderen Abgeordneten der Ampel-Koalition Eckpunkte einer Impfpflicht ab 18 Jahren vorbereitet, nennt jetzt Einzelheiten: Die Pflicht sollte auf ein bis zwei Jahre befristet sein, für nicht mehr als drei Impfungen gelten und über Bußgelder durchgesetzt werden, sagt der Innen- und Rechtspolitiker. Auf ein Impfregister will er wegen des zu großen Zeitaufwands verzichten und Ausnahmen vom Amtsarzt kontrollieren lassen.
Derweil haben die Kliniken in den früh von Omikron getroffenen Städten Bremen und Hamburg trotz steigender Patientenzahlen keine größeren Probleme, so die DPA. Die Hansestädte weisen mit die höchsten Infektionsraten auf. Da sie gleichzeitig zu den Spitzenreitern bei den Impfquoten gehören, sind Vergleiche mit anderen Regionen aber nur bedingt möglich – weil das schwere Verläufe seltener machen dürfte.
Wie belastet sind die Krankenhäuser in Deutschland?
Bundesweit sei die Belegung der Normalstationen vergangene Woche um 3,5 Prozent gestiegen, teilte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKD) mit. In Hamburg und Bremen liege die Zunahme zwischen zehn und 15 Prozent.
„Belastung ja, Überlastung nein“, sagte ein Sprecher der Bremer Gesundheitssenatorin zur Klinik-Lage. Trotz Sieben-Tage-Inzidenz von – in der Spitze am 14. Januar – 1427,2. Hamburg erreichte am Sonntag nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) eine Inzidenz von 1552,9. Kurz zuvor sagte Professor Stefan Kluge, Leiter der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE): „Die Lage ist handhabbar.“
Geimpfte Omikron-Infizierte müssen relativ selten ins Krankenhaus
„Die gute Nachricht ist, dass aktuelle Daten aus unterschiedlichen Ländern zeigen, dass das Risiko, mit einer Omikron-Infektion ins Krankenhaus zu müssen, im Vergleich zur Delta-Variante um mehr als die Hälfte reduziert wird“, sagte Kluge. Omikron sei viel leichter übertragbar, führe aber insbesondere bei Geboosterten über alle Altersgruppen hinweg nicht zu so schweren Verläufen.
Das Delme-Klinikum in Delmenhorst – der Stadt mit der höchsten Inzidenz in Niedersachsen – verzeichne eine „deutliche Zunahme an stationär behandlungsbedürftigen Patienten“, sagte Geschäftsführer Florian Friedel. „Wir beobachten, dass die Patienten, die wir derzeit versorgen, weniger schwer erkrankt sind und die durchschnittliche Verweildauer geringer geworden ist.“ Neun von zehn Covid-Patienten seien ungeimpft.
Viele Corona-Infizierte sind nicht wegen dem Virus im Krankenhaus
Unter den Corona-Infizierten, die in Bremer Kliniken eingeliefert werden, sei nur etwa ein Drittel an Covid-19 erkrankt, sagte ein Sprecher des Gesundheitsressorts. Zwei Drittel der Patienten kämen wegen anderer Diagnosen und seien zusätzlich infiziert.
Solche Patienten könnten „einen ähnlich hohen Aufwand verursachen wie tatsächlich an Covid-19 Erkrankte“, sagte DKD-Chef Gerald Gaß. Sie müssten isoliert untergebracht werden. Das Personal, das sie betreue, könne nicht in Bereichen mit Nicht-Infizierten eingesetzt werden.
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte, die Belastung von Normalstationen genauso zu erfassen wie die Belegung der Intensivbetten mit Covid-19-Kranken – auch corona-infizierte Patienten mit anderen Diagnosen sollten erfasst werden.
Wie sieht es auf den Intensivstationen aus – auch in Ostfriesland?
Bundesweit ist die Zahl der Covid-19-Intensivpatienten seit der ersten Dezemberhälfte von rund 5000 auf 2418 (Freitag) gesunken – laut Intensivmedizinervereinigung Divi. Niedersachsen meldete am Wochenende einen Belegungsrückgang von 4,9 auf 4,5 Prozent. In Ostfriesland war am Sonntag nur ein Corona-Intensivpatient im Divi-Register verzeichnet. Und das trotz Rekord-Inzidenzen: Landkreis Aurich (426,4), Landkreis Leer (489,3), Landkreis Wittmund (332,8) und Stadt Emden (613,5)
Die adjustierte Hospitalisierungsinzidenz des RKI, die abschätzt, wie viele Menschen wegen Covid-19 in einer Klinik behandelt werden müssen, war laut DPA seit rund drei Wochen stabil. Darauf wirken sich hohe Infektionszahlen aber nicht sofort aus, weil Erkrankte nicht gleich ins Krankenhaus kommen. In Niedersachsen stieg die Hospitalisierungsinzidenz seit Freitag von 6,1 auf 6,5.
Mit Material von dpa.