Tourismus
Wird der Urlaub in Ditzum teurer?
Gästebeitrag, Stellplätze, Parken: Viele Gebühren wurden in Jemgum besprochen. Wird viel geboten, kann man die Preise anheben, sagt ein Tourismus-Fachmann.
Jemgum - Lage, Lage, Lage: Das ist der entscheidende Punkt, der Urlaub in Jemgum so beliebt macht. Das sagt Kurt Radtke, Chef der Touristik-GmbH Südliches Ostfriesland. „Es ist natürlich auch die Nähe zum Wasser, das angenehme Klima, die Ruhe und Erholung und das Preis-Leistungs-Verhältnis gerade im Vergleich zur Küste“, sagt er. Über die Preise wurde jüngst in Jemgum diskutiert.
Zur Debatte standen im zuständigen Ausschuss unter anderem die Erhöhung der Stellplatzgebühren, der Parkgebühren im Ortskern von Ditzum, des Gästebeitrags und ein neuer Tourismusbeitrag.
Was und warum
Darum geht es: Urlaub in Jemgum ist ein Renner. Mit dem Rad und dem Wohnmobil kommen jede Menge Touristen dorthin. Nun wollte man an der Gebührenschraube drehen, das geht auch, sagt der Tourismus-Experte. Es gibt aber noch Klärungsbedarf.
Vor allem interessant für: Urlauber und Einheimische
Deshalb berichten wir: Der Tourismus ist ein wichtiges Thema in Ostfriesland. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Preise für Wohnmobilisten
Einiges von dieser Liste ist vertragt worden. Wer mit einem Wohnmobil in Jemgum Urlaub machen will, sollte künftig zwölf statt zehn Euro für einen Stellplatz zahlen. Man war sich aber unsicher, ob die Erhöhung zu hoch oder zu niedrig ausfallen würde. Zum einen wurden die steigenden Strompreise angeführt, andererseits die weiteren Gebühren, die auf Urlauber zukämen. Nun sollen die verschiedenen Punkte aufgelistet und mit anderen Stellplätzen verglichen werden. „Eine Erhöhung der Gebühren wäre in dem Maße durchaus vertretbar“, sagt Touristik-Fachmann Kurt Radtke. Die Entscheidung und das Wissen liege allerdings vor Ort.
Generell gelte aber: „Man muss immer schauen, wie empfindlich die Gäste auf Erhöhungen reagieren, aber Qualität hat eben auch ihren Preis“, sagt er. Es sei einiges passiert auf den Stellplätzen, so gebe es nun zum Beispiel WLAN. Stiegen die Preise, müsse auch ein Gegenwert geboten werden.
Gäste- und Tourismusbeitrag
Ob der Gästebeitrag um rund einen Euro steigen soll, ist ebenfalls noch nicht raus. „Viele Gäste nehmen den Beitrag hin. Manche fragen aber auch, wenn eine Straße verschmutzt ist, wofür sie bezahlen“, sagt Annegret Bommelmann, Vorsitzende des Verkehrsverein Ems-Dollart und Ausschussmitglied. Der Gästebeitrag sei nicht dafür gedacht, Gewinne zu erwirtschaften, er solle nur die Ausgaben decken, erklärte Bürgermeister Heikens. Da diese gestiegen seien, solle das auch der Beitrag tun. Die Verwaltung soll nun mehr Informationen beschaffen, damit der Ausschuss über die Anhebung entscheiden kann. Auch die Entscheidung über die Parkgebühren für den Hermann-Tempel-Platz in Ditzum ist vertagt. Auch hier wurden mehr Infos gefordert.
Festgelegt hat man sich allerdings vorerst, was einen neuen Tourismusbeitrag angeht: Das ist eine Abgabe, die jeder Selbstständige an die Gemeinde zahlt, der vom Tourismus profitiert – in Abstufungen. Das Geld soll dann wiederum in den Tourismus investiert werden. Wie diese Stufen aussehen, soll jetzt in einem Konzept aufgestellt werden. Gleichzeitig wolle man Rücksicht auf die Lage des Gastgewerbes und der Gastronomie wegen der Pandemie nehmen.
Warum kommen die Leute nach Jemgum?
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. „Jemgum gehört zu denen, die bei Übernachtungen die 100.000-Marke knacken“, sagt Radtke. Das beziehe sich nur auf die Buchungen, die die Touristik-GmbH auflisten könne, private kämen noch hinzu. Die Beliebtheit seit von 1985 mit rund 10.300 auf 63.000 im Jahr 2000 bis auf mehr als 102.000 Übernachtungen im Jahr 2019 gestiegen. In Anbetracht der Einwohnerzahl sei das beachtlich. Auch der Fahrradtourismus laufe überaus gut.
„Dadurch, dass viele Menschen angesichts der Coronasituation über lange Zeit nicht in einen Flieger gestiegen sind, um in ferne Länder zu reisen, haben sie in Deutschland ihren Urlaub verbracht“, sagt Bürgermeister Heikens. Von diesen Gästen hätten sicher einige erkannt, wie schön es vor der eigenen Haustür ist und einige würden Stammgäste. Kann man denn noch mehr Gäste aufnehmen? Gerade im Wohnmobil-Bereich kommt man in Jemgum an seine Grenzen. „Der Wohnmobilsektor ist der Bereich, der schon vor der Pandemie enormen Aufwind erfuhr. Durch Corona hat sich dies noch einmal deutlich nach oben potenziert“, sagt Heikens. Das Angebot sollte breiter werden. Allerdings habe es seine Schattenseiten, beispielsweise ein erhöhtes Verkehrsaufkommen. „Darum müssen wir sehr wohl überlegen, wo die Grenzen des Erträglichen und Machbaren sind. Hierüber werden wir in diesem Jahr in den politischen Gremien reden müssen.“
Wichtiges Standbein für Jemgum
Neben dem Tourismus gebe es zwei weitere wichtige Standbeine: Die kleinen und mittelständischen Unternehmen und die Landwirtschaft, so Heikens. Viele Betriebe lebten vom Tourismus, beispielsweise der Gaststättenbereich oder auch Beherbergungsbetriebe. Aber auch viele Privathaushalte sicherten sich hierüber ein zusätzliches Einkommen.
„Aber auch unsere Einwohnerinnen und Einwohner profitieren vom Tourismus“, sagt der Verwaltungschef. „In Tourismusregionen ist allgemein die Infrastruktur besser ausgebaut. Diese Infrastruktur nutzen ja nicht nur die Urlauber, sondern auch die Einheimischen.“ Als Beispiel nennt er den barrierefreien Ausbau der Viehsperren. „Davon profitieren letztlich alle.“