Herdenschutz
Bezirksförster sollen Wolfsrisse untersuchen
Wolfsrisse werden in Niedersachsen nicht mehr von ehrenamtlichen Wolfsberatern untersucht. Das Umweltministerium hat eine andere Lösung gefunden. Doch die Anzahl der Wölfe in der Region ist ungewiss.
Oldenburger Münsterland - Noch hält sich das niedersächsische Umweltministerium bedeckt. Bisher hieß es nur, dass die Landwirtschaftskammer bereits ab Februar die Rissuntersuchung von Nutztieren übernimmt. Ende des Jahres waren die in Niedersachsen tätigen Wolfsberater seitens des Wolfsbüros und des Ministeriums darüber informiert worden. Ihr ehrenamtliches Engagement ist dann nicht mehr gefragt. Das hatte hiesige Wolfsberater verärgert und bei ihnen die Frage aufgeworfen, wer künftig nachts und am Wochenende zu den Tierhaltern fährt, wenn ein Wolf zugeschlagen hat.
Wolfgang Ehrecke, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer, lüftete jetzt auf Anfrage das Geheimnis, wer künftig landesweit aktiv wird. „Die Bezirksförster werden die Ansprechpartner sein“, sagt er. Zwar werde die Landwirtschaftskammer die Rissbegutachtung im Auftrage des Landes durchführen. Geplant sei aber, dass sich ein Tierhalter im Falle eines Risses an den zuständigen Bezirksförster seines Bereichs wendet und dieser dann tätig wird.
Noch ein schwebender Prozess
Die zentralen Aufgaben eines Bezirksförsters bestehen bisher aus Holzernte, Waldbau, Waldschutz und Wegebau. Künftig werde der Bereich Wolf hinzukommen, bestätigt Bernhard Tapken als Leiter der Geschäftsstelle des Forstamtes Weser-Ems in Oldenburg.
Noch, so sagt er, sei alles ein „schwebender Prozess“. Noch sei nicht alles geklärt und abgestimmt. Klar ist demnach aber, dass die Bezirksförster in vier Modulen geschult werden sollen. Drei davon sollen praktischer Art sein. Die Amtsträger sollen auf diese Weise befähigt werden, zu beurteilen, ob der Riss von einem Wolf verursacht wurde oder nicht und auch, ob ein ausreichender Herdenschutz vorlag. Tapken bestätigt, dass im Regelfall, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind und das Rissbild eindeutig ist, der Bezirksförster noch vor Ort eine sogenannte amtliche Feststellung treffen kann. Dem Tierhalter wird also künftig sofort mitgeteilt, ob er eine Entschädigung für den Riss erhält oder nicht.
Betroffene warteten Monate auf Geld
Bisher traf diese hoheitliche Entscheidung nur das Wolfsbüro. Betroffene mussten oft monatelang auf sogenannte Billigkeitsleistungen warten. Tapken räumt aber ein, dass im Moment noch gar nicht eingeschätzt werden kann, wie viel Mehrarbeit auf die Förster künftig zukommt. Insgesamt sei das Thema Rissbegutachtung „spannend“ und eines, „was die Mitarbeiter sehr bewegt“. Geklärt sei auch noch nicht, wie Einsätze am Wochenende geregelt werden. Das alles, so hofft er, soll aber in der kommenden Woche spruchreif sein und dann auch den Tierhaltern mitgeteilt werden.
Die Wölfe im und an der Grenze zum Oldenburger Münsterland verhalten sich aktuell zumindest recht ruhig. Das Goldenstedter/Barnstorfer Rudel fällt ebenso wenig durch Nutztierrisse auf wie das des Rehdender Geestmoores, das hin und wieder auch im Bereich des Dümmers gesichtet wird. Das gleiche gilt für die Wolfsrudel, die sich im Landkreis Cloppenburg beziehungsweise im Grenzbereich zum Emsland aufhalten. „Es gibt keine Risse, auch nicht beim Rehwild“, bestätigt Cloppenburgs Kreisjägermeister Herbert Pitann auf Anfrage.
Existieren vier Rudel in der Region?
Die Frage ist nur, wie aktiv oder existent die vier bekannten Wolfsrudel sind. Denn für die in Rehden, Goldenstedt/Barnstorf und im Bereich Werlte ist für das vergangene Jahr Nachwuchs nachgewiesen worden, nicht aber für das im Bereich Löningen/Herzlake. Die Landesjägerschaft, die das Wolfsmonitoring für das Land Niedersachsen durchführt, stuft den Status des Rudels sogar als „unklar“ ein. Es gibt also keinerlei Hinweise. Dabei waren die Elterntiere des Rudels noch im vergangenen Jahr so aktiv, dass für eines wegen vieler Schafsrisse sogar die Entnahme angeordnet wurde. Jäger erlegten daraufhin in einer Geheimaktion einen Wolf, erwischten aber den falschen. Ein Jungtier wurde erschossen.
Eigentlich hatte Kreisjägermeister Pitann angekündigt, die Jägerschaft würde sich künftig aktiv ins Monitoring einbringen wollen. Hierfür werden Sichtungen, Fotos und Kotproben von Wölfen an die Landesjägerschaft übermittelt. Dort ist aber nichts angekommen. „Wir hatten uns das auf die Fahnen geschrieben“, räumt Pitann ein. Aber zwingen könne er niemanden.
Spekulationen über illegalen Abschuss
Die unklare Rudelsituation zwischen Löningen und Herzlake führt inzwischen zu wilden Spekulationen bei Wolfsbefürwortern in Sozialen Netzwerken. Dort wird davon ausgegangen, dass ein oder mehrere Wölfe des Rudel illegal getötet worden sein könnten. Ins gleiche Horn stößt auch ein ehemaliger Jäger aus dem Bereich Löningen, der seinen Namen vertraulich behandelt wissen möchte. „Ich glaube, da wird Selbstjustiz geübt“, gibt er sich überzeugt. Nach der angeordneten Entnahme eines sonst streng geschützten Tieres würden „Leute jetzt meinen, sie können machen, was sie wollen“.
Herbert Pitann kann sich das jedoch nicht von der Jägerschaft vorstellen. „Das sind reine Vermutungen“, sagt er. Nachdem ein Wolf mit Genehmigung geschossen worden sei, seien sofort alle Jäger informiert worden, damit kein weiterer Schuss abgegeben werde, erklärt er das Vorgehen bei der geforderten Entnahme vor fast einem Jahr. Jeder Jäger wisse um die damit verbundenen Konsequenzen, wenn jemand bei dem streng geschützte Tier unberechtigt den „Finger krumm macht“. Er räumt ein, dass das Thema Wolf „manchem unter den Nägeln brennt“. „Ich stelle mich schützend vor die Jäger“, sagt Pitann.
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