Seltenheit

Wangerooge: Zwei Seepferdchen lagen am Strand

Susanne Ullrich
|
Von Susanne Ullrich
| 19.01.2022 15:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Nur etwa vier Zentimeter ist dieses Kurzschnäuzige Seepferdchen groß, das auf der Insel Wangerooge gefunden wurde. Foto: Timon Hülsmann/Mellumrat e.V.
Nur etwa vier Zentimeter ist dieses Kurzschnäuzige Seepferdchen groß, das auf der Insel Wangerooge gefunden wurde. Foto: Timon Hülsmann/Mellumrat e.V.
Artikel teilen:

Zwei tote Seepferdchen haben Naturschutzwarte beim Säubern des Wangerooger Strandes gefunden. Die gelten in der Nordsee eigentlich als ausgestorben. 2020 waren schon zwei vor Borkum ins Netz gegangen.

Wangerooge/Borkum - Eine ungewöhnliche Entdeckung machten Naturschutzwarte des Mellumrates auf Wangerooge Mitte Januar: Sie fanden zwei tote Seepferdchen im Spülsaum des Nordoststrandes der Insel, teilte der Geschäftsführer der Naturschutz- und Forschungsgemeinschaft, Mathias Heckroth, am Mittwoch auf Nachfrage mit. Beide waren jeweils etwa vier Zentimeter groß. Sie hätten in einem Abstand von rund 50 Metern im Sand gelegen.

Der Mellumrat führt an verschiedenen Strandabschnitten auf Wangerooge alle zwei Wochen ein Müllmonitoring durch, wo genau erfasst wird, welcher Müll angespült wird. Die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer hat der Organisation die Schutzgebietsbetreuung übertragen. „Das Meer spült immer wieder interessante Funde an“, stellt Heckroth fest. Seepferdchen waren bisher noch nie dabei. Denn eigentlich gilt das Kurzschnäuzige Seepferdchen in der Nordsee als ausgestorben. Und das bereits seit den 1930er Jahren. „Eine Pilzinfektion zerstörte ihren Lebensraum, die Seegraswiesen.“

Ist das Seepferdchen zurück in der Nordsee?

In letzter Zeit allerdings waren vermehrt Funde des Kurzschnäuzigen Seepferdchens im Niedersächsischen Wattenmeer gemeldet worden. Das seien Hinweise darauf, dass der wundersam geformte Fisch zurückgekehrt ist, meint Heckroth: „Experten vermuten, dass sich der Bestand von Seepferdchen erholt.“ Experten wie der Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer in Husum, Rainer Borcherding. Der Diplom-Biologe führt das auch auf den Klimawandel zurück. Er hat die Internetplattform „BeachExplorer“ mit aufgebaut. Der Datenbank für außergewöhnliche Strandfunde wurden im Vorjahr fünf dieser besonderen und seltenen Seepferdchen gemeldet.

Im Jahr 2020 waren sechs Meldungen eingegangen. Zwei der gemeldeten Exemplare wurde lebendig gefangen: Eines zog ein Junge mit dem Köcher aus dem Borkumer Hafenbecken, das andere entdeckten Fischer in ihren Netzen. Beide bekamen im Nordsee-Aquarium Borkum ein neues Zuhause, verstarben aber 2021. „Die hatten ein gutes, glückliches Leben“, sagt Göran Sell, Geschäftsführer der Nordseeheilbad Borkum GmbH, am Mittwoch auf Anfrage. Neue Seepferdchen, beispielsweise Nachzuchten von Zoos, werde es im Borkumer Aquarium vorerst nicht geben. Die artgerechte Haltung der kleinen Fische sei unglaublich aufwendig. „Für unser kleines Aquarium wäre das zu groß.“

Ähnliche Artikel