Kolumne: Klare Kante

Bringt Merz den Frühling?

Dieter Weirich
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Eine Kolumne von Dieter Weirich
| 20.01.2022 09:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Dieter Weirich
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Auf unserem Online-Auftritt veröffentlichen wir an sechs Tagen pro Woche eine Kolumne. Donnerstags gibt es klare Kante.

Wenn die CDU am Sonnabend ihren Bundesparteitag in digitaler Form abhält, ist eine wichtige Vorentscheidung bereits getroffen. Der frühere Bundestagsfraktionschef und Bundestagsabgeordnete Friedrich Merz wird Parteichef, womit die Delegierten dem Ergebnis einer Mitgliederbefragung folgen. Über 62 Prozent hatten für den profilierten Wirtschaftspolitiker gestimmt.

Zur Person

Dieter Weirich (76), Publizist und Buchautor, ist ein Grenzgänger zwischen Medien und Politik. Der gebürtige Schwabe war hessischer Landtags- und Bundestagsabgeordneter der CDU und Intendant der Deutschen Welle. Heute lebt er in Berlin.

Ein Publikumsliebling ist der 66 Jahre alte Sauerländer nicht. Zu sehr von oben herab, zu wirtschaftsfreundlich und zu forsch sei der Kandidat, lauten manche Empfindungen. Allerdings wird Merz’ Wirtschaftskompetenz nicht bestritten. Angesichts eines wahrscheinlich langanhaltenden Inflations-Gespenstes, einer abnehmenden Wettbewerbsfähigkeit der Republik und den Bürden einer teuren Energiepolitik könnte aber genau dieser Politiker-Typus zum Hoffnungsträger werden.

Merz will die Union jünger und weiblicher machen. Er setzt hierbei vor allem auf Carsten Linnemann, der ein neues Parteiprogramm vorbereiten soll, auf den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, aber auch auf Frauen wie etwa Sylvia Breher, Julia Klöckner und Ronja Kemmer, die Vorsitzende der Jungen Gruppe in der Unionsfraktion.

Wahlanalysen haben die Defizite der Union bei sozialen Fragen offenbart. Deshalb ist es ein kluger Schachzug, sich den Berliner Abgeordneten Mario Czaja, der im linken Osten der Hauptstadt einen Wahlkreis direkt erobert hat, als Generalsekretär zur Seite zu stellen. Merz braucht für die Selbstdarstellung der Union die Bühne als Oppositionsführer im Bundestag. Der „Streit von 2021 darf sich nicht wiederholen“ sagt auch CSU-Chef Markus Söder und gesteht Merz das Zugriffsrecht auf dieses Amt zu. Bei so viel Übereinstimmung wird dem jetzigen Fraktionschef Ralph Brinkhaus nichts anderes übrig bleiben, als solidarisch zur Seite zu treten.

Die politischen Bewährungsproben stehen für die Union am 27. März bei der Landtagswahl an der Saar sowie am 8. und 15. Mai in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen an. Die Partei erhofft sich unter neuer Führung einen „politischen Frühling“.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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