Geschichte
Rhauderfehn: Schüler gedenken der Holocaust-Opfer
Der 27. Januar ist der zentrale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Im Beisein des Holocaustüberlebenden Albrecht Weinberg sind an dem Tag am Rhauderfehner Gymnasium Aktionen geplant.
Rhauderfehn - Im Januar 1996 hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum zentralen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus erklärt. 2005 beschloss außerdem die Generalversammlung der Vereinten Nationen, den Tag auch international zum Holocaust-Gedenktag zu machen.
„Wir sind heute aufgefordert zu handeln, damit die Erinnerung lebendig gehalten wird und sich Auschwitz nicht wiederholt“, sagte Anke Chudzinski-Schubert, Lehrerin am Albrecht-Weinberg-Gymnasium in Rhauderfehn. Im Beisein des Holocaustüberlebenden Albrecht Weinberg - dem Namensgeber des Gymnasiums - haben Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler anlässlich des bevorstehenden Gedenktages Aktionen geplant - alles unter Einhaltung der Coronar-Regeln.
Gedenkveranstaltung mit Albrecht Weinberg
„Zum Gedenken an die Opfer des Holocaust werden Mitglieder eines Seminarfaches einen Kranz gestalten und diesen am 27. Januar zusammen mit Kollegen, Schülern der Schülervertretung sowie mit Albrecht Weinberg in der Nähe der Linde ablegen“, sagte Chudzinski-Schubert. Diese Linde hatte Weinberg im November 2021 auf dem Schulhof pflanzen lassen. Der Baum, so die Lehrerin, steht auf der einen Seite für Begegnung, für Austausch sowie für eine wachsende, lebendige, gute Zukunft. „Die Linde dient uns aber auch als Mahnmal. Albrecht Weinberg hat den Holocaust überlebt - viele seiner Familienmitglieder und Freunde aber nicht“, führte Chudzinski-Schubert aus.
Ab dem 27. Januar besteht für Lehrer sowie den Schülerinnen und Schülern des Albrecht-Weinberg-Gymnasiums außerdem die Möglichkeit, an der Linde als Zeichen des Gedenkens einen Stein abzulegen. „Eine Tradition, die im Judentum seit langem besteht“, so die Lehrerin.
Holocaustüberlebender: „Ich fühle mich im Kreise der Schüler immer wohl“
Von Carsten Ammermann
Der Holocaustüberlebende Albrecht Weinberg ist regelmäßig am Albrecht-Weinberg-Gymnasium Rhauderfehn zu Gast und berichtet den Schülerinnen und Schülern von seiner Vertreibung und der Verfolgung durch die Nazis. In einem Interview lobt Weinberg das Engagement der jungen Leute und die Arbeit der Schule.
Frage: Herr Weinberg, im vergangenen Jahr gab es eine kleine Feierstunde zur Namensänderung des Gymnasiums Rhauderfehn. Es trägt jetzt Ihren Namen. Außerdem haben Sie rund 80 Jahre nach Ihrer Vertreibung und Verfolgung durch die Nazis im vergangenen Jahr durch die Schulleitung das Ehrenabitur des Gymnasiums Rhauderfehn verliehen bekommen. Was bedeuten diese beiden symbolträchtigen Ehrungen für Sie?
Weinberg: Nach dem, was mir in Rhauderfehn durch die Nationalsozialisten angetan wurde, ist es für mich kaum zu glauben, welche Ehrungen mir zu Teil wurden. Wo mir doch verboten war, zur Schule zu gehen, trägt heute eine Schule meinen Namen.
Frage: Sie haben im November 2021 in Absprache mit der Schulleitung eine Linde auf dem Schulhof pflanzen lassen. Wofür steht diese Linde?
Weinberg: Die Linde soll ein Treffpunkt für die Schülerinnen und Schüler werden, wo Gespräche und Diskussionen über alles mögliche stattfinden. Hoffentlich kommt noch eine Rundbank dort hin. Schon im Mittelalter traf man sich unter einer Linde, um sich auszutauschen.
Frage: Sie haben über viele Jahre den Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums in einzigartig berührender Weise über ihr persönliches Schicksal und die Gräuel des Nationalsozialismus‘ berichtet. Wie erleben sie die Schülerinnen und Schüler, wenn Sie gemeinsam mit den Jugendlichen auch ihre sehr bewegende persönliche Geschichte aufarbeiten?
Weinberg: Zunächst einmal muss ich den jungen Leuten ein Kompliment machen, wie diszipliniert und aufmerksam sie mir über eine lange Zeit, die ja mein Vortrag dauert, zuhören. Wie interessiert sie auch im persönlichen Gespräch mit mir sind. Das Albrecht-Weinberg-Gymnasium macht hier eine tolle Arbeit und ich fühle mich dort im Kreise der Schülerinnen und Schüler immer sehr wohl.