Bildung

Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Leer wird aufgelöst

| 17.01.2022 15:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die VWA hatte ihren Sitz im Leeraner Cityhaus an der Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße. Foto: Cordsen/Archiv
Die VWA hatte ihren Sitz im Leeraner Cityhaus an der Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße. Foto: Cordsen/Archiv
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Nach 50 Jahren ist Schluss: Die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Leer wird aufgelöst. Die Zahl der Studierenden an der VWA sei in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen.

Leer - Nach 50 Jahren wird die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (VWA) in Leer in diesem Jahr aufgelöst. Das habe der Trägerverein in seiner 62. Mitgliederversammlung beschlossen, heißt es in einer Mitteilung. Als Grund nennt die VWA, dass sich der Bereich der Weiterbildung stark verändert habe, so dass die Zahl der Studierenden zuletzt deutlich zurückgegangen sei.

Der Vorsitzende und Akademieleiter, Landrat Matthias Groote (Leer), blicke trotzdem auf ein Kapitel erfolgreicher Bildungsarbeit in Ostfriesland zurück: „Die VWA in Leer hat einen tollen Job gemacht und über einen langen Zeitraum einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die hiesige Wirtschaft und Verwaltung mit qualifizierten Fach- und Führungskräften zu stärken.“ Seit 50 Jahren werden an der VWA nebenberufliche Studiengänge auf Universitätsniveau angeboten. Attraktiv sei es nicht zuletzt gewesen, weil Interessenten dort auch ohne Abitur studieren konnten.

1970 wurde die VWA gegründet

Gegründet wurde die Akademie im Jahr 1970, zunächst noch in der Trägerschaft der Volkshochschule Leer. Der Studienbetrieb wurde 1971 aufgenommen. 1977 wurde die VWA ein eingetragener Verein und damit selbstständig. Bis 2021 erhielten mehr als 1.000 Studierende ihr VWA-Diplom. „Eine große Zahl von Absolventen übt heute Führungstätigkeiten in zahlreichen bekannten Unternehmen und in der Verwaltung aus“, heißt es weiter.

Einer dieser Absolventen ist Olaf Meinen, der heutige Landrat des Landkreises Aurich, der an der VWA ein Studium zum Verwaltungs-Betriebswirt (VWA) absolviert hat. Er sagt im Rückblick: „Die VWA war für mich eine sehr gute Entscheidung. Das hat mir in den letzten 20 Jahren sehr viel gebracht.“

Vorlesungen am Wochenende

Ziel der VWA Leer sei es gewesen, engagierte und leistungsbereite Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Wirtschaftsunternehmen und aus der Verwaltung für Fach- und Führungsaufgaben zu qualifizieren. Das Angebot der VWA sei durch Vorlesungen am Wochenende zeitlich so organisiert gewesen, dass das Studium neben Beruf und Familie möglich gewesen sei. Zum Einsatz kamen Universitätsprofessoren aus ganz Deutschland.

Die Studienangebote seien dabei regelmäßig angepasst worden. So wurde 1986 neben dem betriebswirtschaftlichen Studiengang ein neuer Studienzweig zum Informatik-Betriebswirt eingerichtet. Weil die Betriebswirtschaft auch in der Verwaltung an Bedeutung gewann, bot die VWA 1998 erstmals einen Studienzweig zum Verwaltungs-Betriebswirt an. Durch eine Kooperation mit einer Fachhochschule bestand ab 2014 zudem die Möglichkeit, nebenberuflich in Leer auf das bestandene VWA-Studium aufzubauen und den akademischen Titel „Bachelor of Arts“ in Betriebswirtschaft zu erlangen; dieses Angebot haben in vier Studiengängen insgesamt rund 50 Teilnehmende erfolgreich in Anspruch genommen. Im Jahr 2016 sorgte die VWA allerdings auch für Negativschlagzeilen. 20 ehemalige VWA-Studenten hatten ihre Gebühren zurückverlangt. Sie warfen den damals Verantwortlichen vor, sie über die Anerkennung des von ihnen angestrebten Abschlusses im Fach Verwaltungs-Betriebswirtschaft falsch informiert zu haben. Ihnen sei nicht deutlich gemacht worden, dass der Abschluss nicht generell als Schlüsselqualifikation für den gehobenen Dienst eingestuft werde. Deshalb hatten Studenten ihre Ausbildung abgebrochen.

Immer weniger Studierende

Die Bildungslandschaft habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert, und das habe auch die VWA in Leer zu spüren bekommen. „Die Anzahl der Studierenden ging in den letzten Jahren stetig zurück“, heißt es in der Mitteilung weiter. „Diese Entwicklung konnte nicht nur in Leer, sondern an Akademien deutschlandweit festgestellt werden.“

Für das nebenberufliche Studium gebe es mittlerweile diverse Angebote, unter anderem in Form von Fernstudiengängen. Viele junge Menschen machten heute Abitur und entscheiden sich für ein Studium gleich nach der Schule. „Auch durch diese insgesamt positiven Entwicklungen haben sich in den vergangenen Jahren immer weniger Menschen entschlossen, an der VWA zu studieren“, resümieren die Verantwortlichen.

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