Bremen

Trotz guter Impfquote: Warum Bremen den höchsten Corona-Inzidenzwert hat

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 13.01.2022 14:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bremen ist derzeit einsamer Corona-Spitzenreiter. Foto: imago images/Norbert Neetz
Bremen ist derzeit einsamer Corona-Spitzenreiter. Foto: imago images/Norbert Neetz
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Das kleinste Bundesland Deutschlands hat mit Abstand den höchsten Corona-Inzidenzwert – und das, obwohl Bremen gleichzeitig die höchste Impfquote aufweist. Wie passt das zusammen? Eine Spurensuche.

Am Donnerstag betrug der Inzidenzwert in Bremen 1349,2 (Vortrag: 1296,8). Damit ist die Hansestadt weiterhin einsamer Corona-Spitzenreiter unter den 16 Bundesländern. Mit großem Abstand folgt Berlin mit einem Inzidenzwert von 918,6, dahinter kommen Schleswig-Holstein (655,6) und Hamburg (576,3). An den Zahlen zeigt sich, dass die Omikron-Variante des Coronavirus speziell den Norden Deutschlands schwer getroffen hat. Im Fall der Hansestadt Bremen verwundert dieses Phänomen dennoch.

Hohe Inzidenz hat womöglich mehrere Ursachen

Denn das kleinste Bundesland Deutschlands hat zwar den höchsten Inzidenzwert, allerdings gibt es hier gleichzeitig auch die höchste Impfquote. Demnach sind in Bremen 88,2 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft, 84,7 Prozent sind vollständig geimpft und 49,4 Prozent sind geboostert (Stand: Donnerstag, 13. Januar). Wie passt das mit dem hohen Inzidenzwert zusammen?

Experten bringen mehrere Ursachen ins Spiel. Laut Robert Koch-Institut (RKI) macht die Omikron-Variante in Bremen mittlerweile über 90 Prozent der Ansteckungen aus. Gleichzeitig schützt eine Zweit- oder Boosterimpfung zwar vor schweren Krankheitsverläufen, die Vakzine wirken allerdings nicht so stark gegen die aktuell vorherrschende Omikron-Mutation.

Bremen testet häufiger

Als weiterer Grund wird angegeben, dass sich Menschen in Ballungsräumen schneller anstecken als beispielsweise auf dem Land. Darüber hinaus hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bereits vor Weihnachten die geografische Nähe zu den mit hohen Inzidenzen kämpfenden Niederlanden und Dänemark ins Spiel gebracht. Dass trotz der angespannten Lage in Bremen noch der Weihnachtsmarkt im Dezember stattgefunden hat, dürfte die Situation wohl weiter verschärft haben.

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Grund zur Hoffnung?

Anders als Hamburg und Schleswig-Holstein verzichtet Bremen trotz der angespannten Situation auf die Ausrufung einer epidemischen Notlage. Laut einem Bericht des Regionalmagazins „buten un binnen“ gebe es vom Bremer Senat derzeit keine Überlegungen diesbezüglich. In der Hansestadt gilt derzeit die höchste Warnstufe vier. Diese sieht unter anderem eine Verschärfung der 2Gplus-Regel vor. So dürfen nur vollständig Geimpfte oder Genesene mit einem tagesaktuellen negativen Corona-Test gastronomische Betriebe betreten. Geboosterte und Menschen, deren doppelte Impfung nicht länger als drei Monate zurückliegt, sind von der Regelung ausgenommen.

Allerdings gibt es in Bremen auch leichten Grund zur Hoffnung. Trotz des hohen Inzidenzwertes bleibt die Lage auf den Intensivstationen bislang stabil. Derzeit liegt die Hospitalisierungsrate bei 15,71 (Stand: Donnerstag, 13. Januar). Dieser Wert ist im Vergleich zwar ebenfalls hoch, allerdings hat sich die Zahl in den vergangenen Tagen nicht drastisch erhöht. 

Nach Angaben der Kliniken in Bremen sei die Situation angespannt, aber noch beherrschbar. Aktuell werden in Bremen 110 Corona-Patienten im Krankenhaus behandelt, davon liegen 21 auf der Intensivstation. Das Gesundheitsamt der Stadt gab zudem an, dass die Versorgung aller Bremer weiterhin gewährleistet sei, auch bei akuten Notfällen.

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