Osnabrück

Was hat der „Laffe“ mit dem Geck, Stutzer und dem Dandy zu tun?

Dr. Stefan Lüddemann
|
Von Dr. Stefan Lüddemann
| 13.01.2022 14:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Woher kommt eigentlich das Wort „Laffe“ - und was bedeutet es? Der Blick in den Duden gibt Aufschluss. Foto: Stefan Lüddemann Foto: Stefan Lüddemann
Woher kommt eigentlich das Wort „Laffe“ - und was bedeutet es? Der Blick in den Duden gibt Aufschluss. Foto: Stefan Lüddemann Foto: Stefan Lüddemann
Artikel teilen:

Alte Wörter: In der Sprachkolumne „Wortklauber“ geht es Sprachschätze, die in Gefahr sind, verloren zu gehen. Das Wort heute: Laffe.

„So ein Laffe!“: Lächelt heute noch jemand beipflichtend, wenn dieses Wort fällt? Oder zuckt noch zusammen, wer mit „Sie Laffe!“ angesprochen wird, gerade so, als träfe ihn ein Peitschenhieb? Nein, keine Spur mehr davon. Laffe: Das ist ein gutes Beispiel für ein Wort, das verschwindet, weil die gesellschaftliche Konvention, die es bezeichnet, blass und matt geworden ist. Wer so genannt wurde, galt als eingebildet, ja arrogant, und hochfahrend. Laffe: Das Wort drückte eine Missbilligung aus, für deren Schärfe es heute kaum noch ein Äquivalent gibt. Heute wird dieses Wort nicht mehr verstanden. Der Reflex, der mit ihm verbunden war, ist entsprechend aus dem Sozialleben verschwunden. Hier weiterlesen: Fisimatenten - was bedeutet das Wort?

Mit offenem Mund gaffen

Das geht nicht nur dem Laffen so. Auch der Geck oder Stutzer, beide ihrem Sinn nach engste Verwandte des Laffen, haben sich aus dem Sprachgebrauch verabschiedet. Alle drei haben etwas mit dem Dandy gemein, erreichen aber nicht dessen Nonchalance und Klasse. Vor allem der Laffe galt als Inbegriff des eingebildeten, meist jungen Mannes. Die Herleitung der Vokabel belegt, dass dieses Wort nicht nur abfällig klingt, sondern auch genau einen solchen Sinn hat. Im Mittelhochdeutschen ist die „laffe“ die Hängelippe, der Laffe folglich also jemand, der mit offenem Mund gafft. So erklärt es die Duden-Enzyklopädie. Hier weiterlesen: Was ist eigentlich ein „Augenglas“?

Sprache ist stets im Wandel - sagen Sie uns Ihre Meinung:

Was Thomas Mann erzählt

Der Laffe gafft, der Geck ist eingebildet, der Stutzer herausgeputzt - und alle drei wirkten auf ihre Umwelt ebenso eitel und arrogant wie beschränkt. Der Unterschied: Mit dem Laffen verband sich der schärfste Tadel. In Thomas Manns Erzählung „Das Eisenbahnunglück“ beschimpft ein Fahrgast der ersten Klasse den Schaffner, der sich untersteht, an seine Schlafwagentür zu klopfen, als „Affenschwanz“. „Ein Herrenausdruck, ein Reiter- und Kavaliersausdruck“, heißt es dazu kommentierend in der Erzählung, die 1909 erschien, und etwas von jener gesellschaftlichen Atmosphäre vermittelt, in die auch das Wort Laffe gehört. Das Wort ist perdu, das, was es bezeichnet, aber nicht unbedingt. Laffen gibt es noch. Sie heißen nur nicht mehr so.

Ähnliche Artikel