Osnabrück

Nach Edeka und Netto jetzt auch Aldi: Milch aus besseren Ställen

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 13.01.2022 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Diese Kuh kann sich frei im Stall bewegen. Ihre Milch dürfte weiter bei Edeka, Netto und Aldi verkauft werden. Foto: Roland Weihrauch/dpa
Diese Kuh kann sich frei im Stall bewegen. Ihre Milch dürfte weiter bei Edeka, Netto und Aldi verkauft werden. Foto: Roland Weihrauch/dpa
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Nach Edeka und Netto will künftig auch Aldi nur noch Milch von Kühen verkaufen, die besser gehalten wurden. Was das für Kunden, Bauern und Rinder bedeutet. Und wo der Haken ist.

Das Wettrennen der großen deutschen Handelskonzerne um die besten Tierwohlprodukte in den Regalen geht weiter. Nach Fleischprodukten ist nun Milch an der Reihe: Wenige Tage nach der Ankündigung von Edeka und Netto bei der Trinkmilch künftig nur noch Milch von Kühen zu verkaufen, die nicht das ganze Jahre angebunden im Stall stehen, zieht nun Discounter Aldi nach und setzt sogar noch einen oben drauf.

In einer gemeinsamen Mitteilung von Aldi Nord und Süd heißt es, das Trinkmilch-Sortiment solle bis 2030 auf die sogenannten Haltungsformen drei und vier umgestellt werden. Das bedeutet: Aldi will künftig nicht nur keine Milch mehr von Kühen aus sogenannter ganzjähriger Anbindehaltung (Haltungsform 1) verkaufen. (Weiterlesen: Kultur oder Tierquälerei? Warum ein Jungbauer seine Kuh Rosi anbindet)

Auch soll bis 2030 solche Milch aus den Regalen fliegen, bei der die Tiere nur im Winter im Stall angebunden sind und die Sommermonate auf der Weide verbinden dürfen. Im Stall selbst müssen die Bauern den einzelnen Tieren zudem mehr Platz einräumen.

Die Änderung beziehen sowohl bei Aldi als auch bei Edeka und Netto allein auf Trinkmilch der Eigenmarken. Für Produkte namhafter Molkereien gilt die Umstellung nicht. Ebenso wenig für Käse- oder Joghurt-Produkte. Hier kann theoretisch also weiterhin Milch von angebundenen Kühen verarbeitet werden. Auch für Schokolade gilt das.

Anbindehaltung von Rindern ist schon lange umstritten. Im Koalitionsvertrag hat sich die Ampelregierung darauf verständigt, die Haltungsform abzuschaffen, bei der Rinder entweder ganzjährig oder zumindest über kältere Monate angebunden im Stall stehen. Als Zeitfenster für den Ausstieg sind zehn Jahre angegeben.

Die Haltungsform ist vor allem in Süddeutschland verbreitet, wo Betriebe mit Milchvieh im Schnitt deutlich kleiner sind, sprich: weniger Tiere halten, als Landwirte im Norden. Viele Weidetiere kommen aber immerhin über die Sommermonate auf die Alm.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in München werden in Bayern noch in jedem zweiten Betrieb Kühe ganz oder zeitweise angebunden. In Summe macht das etwa 14.000 Betriebe mit zusammengenommen 265.000 Kühe. In Norddeutschland ist Anbindehaltung indes die Ausnahme.

Mit der Ankündigung der Handelskonzerne dürfte sich der Druck auf genau solche Tierhalter weiter erhöhen. Schon jetzt gibt es Molkereien im Süden, die für entsprechende Milch weniger zahlen. Die Absatzmöglichkeiten werden nun wohl noch einmal geringer.

Der Grund, warum die Politik bislang den Umbau scheute, dürfte darin liegen, dass viele Betriebe mit Anbindehaltung nicht umbauen, sondern aufhören, wenn die Haltungsform verboten wird. Die Bauernhöfe befinden sich oft noch innerhalb von Ortschaften. Eine Aussiedlung und ein Neubau dürfte in vielen Fällen nicht möglich sein.

So oder so nimmt die Zahl der in Deutschland gehaltenen Kühe ab. Derzeit machen die gestiegenen Energie- und Futterpreise den Milchbauern zu schaffen. Die zusätzlichen Ausgaben fressen die Mehreinnahmen durch höhere Milchpreise wieder auf. Aus der Milchbranche heißt es bereits jetzt hinter vorgehaltener Hand, es werde in manchen Regionen zunehmend schwieriger ausreichend Milch zu organisieren. Aldi indes lässt sich davon nicht beirren: Der Discounter will mittelfristig nur Trinkmilch aus Deutschland anbieten.

Die Haltungskriterien, an denen sich die Handelsunternehmen in ihren Ankündigungen orientieren, basieren übrigens nicht auf gesetzlichen Vorgaben zum Halten von Kühen. Die fehlen in Deutschland nämlich. Die sogenannte Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung macht Vorgaben zur Haltung von Kälbern, Kühe fehlen aber komplett. Die Haltungsformen orientieren sich an der privatwirtschaftlich organisierten „Initiative Tierwohl“. 

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