Fachkräftemangel
Personalmangel in Rathäusern ist schlecht für die Bürger
Viele schimpfen über sie, aber ohne eine Verwaltung verläuft das öffentliche Leben kaum reibungslos. Städte und Gemeinden haben jedoch das Problem, Stellen zu besetzen. Gibt es eine Lösung?
Landkreis Leer - Sie beraten bei Fragen zur Rente oder Sozialhilfe, stellen Geburtskunden aus, schließen Ehen, bearbeiten Bauanträge und Steuerbescheide und kümmern sich darum, dass man ein Auto anmelden kann – die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Städte und Gemeinden. Das Netzwerk Junge Bürgermeister*innen weist auf ein Problem hin, dass die Verwaltungen zunehmend beschäftigt und deren Funktionsfähigkeit gefährden kann: Stellen bleiben aus Mangel an Bewerbern unbesetzt.
Was und warum
Darum geht es: Viele Branchen klagen über Personalmangel. Den gibt es zunehmend auch in den Verwaltungen der Städte und Gemeinden.
Vor allem interessant für: alle Bürgerinnen und Bürger
Deshalb berichten wir: Das Netzwerk Junge Bürgermeister*innen sieht die Funktionsfähigkeit von Verwaltungen in Gefahr, weil längst nicht mehr alle offenen Stellen neu besetzt werden können. Die Autorin erreichen Sie unter: schneider-b@zgo.de
Die Stadt Leer hat sechs Stellen ausgeschrieben. Gesucht wird unter anderem jemand, der den Fachdienst Recht und Vergaben leiten möchte, sich für Landschafts- und Freizeitplanung interessiert oder als Diplom-Ingenieur für den Fachdienst Bauordnung arbeiten möchte. Seit Mitte des Jahres 2020 ist die Stelle des Stadtbaurates vakant. Dieser Posten wurde bereits mehrfach ausgeschrieben, bisher jedoch ohne Erfolg. „Die aktuelle Bewerbungsfrist läuft bis zum 31. Januar. Es liegen Bewerbungen vor“, sagt Stadtsprecherin Sabine Dannen.
Aussicht für die Zukunft
Die Samtgemeinde Hesel sucht aktuell niemanden für die Verwaltung. „Wir bauen dem Fachkräftemangel allerdings auch vor“, sagt Verwaltungschef Uwe Themann. Vor zwei Jahren sei die Zahl der Ausbildungsstellen von ein bis zwei auf sechs erhöht worden. Das sei einer der Gründe dafür, warum in jüngster Vergangenheit Stellen innerhalb der Verwaltung aus dem eigenen Mitarbeiterstamm hätten besetzt werden können. „Schwierig wird es jedoch in den Themengebieten, in denen wir selbst nicht ausbilden“, so Samtgemeindebürgermeister Themann und nennt als Stichwort Energiemanagement. Dafür werde mittelfristig jemand gesucht. Er sei gespannt, was der Arbeitsmarkt dafür hergibt.
Nach einer aktuellen Prognose (Stand: September 2021) geht in den nächsten zehn Jahren jeder dritte Beschäftigte im öffentlichen Dienst in den Ruhestand, heißt es in einer Mitteilung der kommunalen Spitzenverbände, des Verbandes kommunaler Unternehmen und der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände. Das bedeute, dass bis zum Jahr 2030 rund 731.000 Beschäftigte fehlten. Damit vergrößere sich die Personallücke von heute knapp vier Prozent auf dann fast 16 Prozent aller Beschäftigten. Schon jetzt zeichne sich ab, dass die Auswirkungen vor allem bei den technischen Berufsgruppen, beim Personal für Kindertagesstätten und bei den IT-Fachkräften groß sei.
Nachwuchskräfte fördern
Deshalb setzt auch die Gemeinde Uplengen auf die Nachwuchsförderung. Derzeit werden drei junge Leute in der Verwaltung ausgebildet. Zwei Auszubildende, die jüngst fertig geworden seien, habe man übernommen, teilt Beate Bäuerle, zuständig für den Fachdienst Bildung, Zentrale Dienste und Personal, mit.
Insgesamt hat die Gemeinde 210 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Von denen sind drei Beamte und 37 Verwaltungsfachangestellte und arbeiten im Rathaus in Remels. 20 Beschäftigte der Gemeinde sind beispielsweise für den Bauhof und die Kläranlage tätig, 74 arbeiten in den kommunalen Kitas. Drei Kolleginnen und Kollegen gingen erst in den nächsten Jahren in den Ruhestand, so Bäuerle. Aktuell suche man Bewerber für zwei Vollzeitstellen für das Sachgebiet Finanzen.
Es fehlt an Ärzten und Technikern
„Von einer Personalnot im Sinne einer gefährdeten Funktionsfähigkeit zu sprechen, wäre der aktuellen Lage beim Landkreis Leer nicht angemessen“, sagt deren Sprecher Philipp Koenen. Allerdings sei es in der Tat nicht einfach, offene Stellen zu besetzen. Die Personalknappheit äußere sich zum Beispiel im Rückgang der Bewerberzahlen für die Verwaltung. Außerhalb der Verwaltungsberufe sei es sehr schwierig, Personal für bestimmte Stellen zu bekommen, vor allem Ärzte, Ingenieure, staatlich geprüfte Techniker und Sozialpädagogen.
Um erst gar nicht in die Lage zu kommen, dass offene Stellen vakant bleiben, wirbt die Gemeinde Westoverledingen als attraktiver Arbeitergeber für sich. Zur familienorientierten Personalpolitik gehöre unter anderem das Angebot von Gleitzeit-, Tele- und Teilzeitarbeit, eine betriebliche Gesundheitsförderung sowie ein Spieletreff für die Kinder der Mitarbeiterinnen und MitarbeiterInnen, teilt die Sprecherin der Gemeinde, Kirsten Beening, mit.
Dominik Jung vom Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund bringt es auf den Punkt: „Angesichts der unterschiedlichen Vergütungsstruktur von öffentlichem Dienst und Privatwirtschaft braucht es einen intelligenten Maßnahmenmix aus attraktiven Arbeitsbedingungen, der Verbesserung der Wahrnehmung der Kommunen als attraktiver Arbeitgeber und einer Digitalisierung aller Verwaltungsbereiche.“