Gesundheit

Kinderärzte: Kein Platz für kleine Patienten

Christian Belling
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Von Christian Belling
| 11.01.2022 09:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Im Emsland fehlen Ärzte, die Kinder behandeln. Symbolfoto: Jan Woitas/dpa
Im Emsland fehlen Ärzte, die Kinder behandeln. Symbolfoto: Jan Woitas/dpa
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Einen Termin bei einem Kinderarzt zu finden, ist derzeit im nördlichen Emsland schwierig. In Papenburg haben viele einen Aufnahmestopp verhängt. Diese Tipps gibt die Kassenärztliche Vereinigung.

Papenburg - In Kinderarztpraxen in Papenburg werden wegen zu vieler Patienten Aufnahmestopps verhängt. Das sorgt für verzweifelte Eltern und Probleme.

Eltern suchen eine Kinderarztpraxis für ihren Nachwuchs und werden mit Verweis auf einen Aufnahmestopp abgewiesen. So ergeht es aktuell auch Jasmine Büscher, die für ihren fast vierjährigen Sohn einen neuen Kinderarzt sucht, nachdem der bisherige Arzt weggezogen ist. Bei allen Kinderärzten im Papenburger Stadtgebiet habe sie nach eigenen Angaben angefragt. Stets sei sie aufgrund eines Aufnahmestopps für neue Patienten abgewiesen worden.

Nicht allein mit dem Problem

In ihrer Verzweiflung sucht Büscher nun Rat in den sozialen Medien. Auch wenn ihr dort keiner wirklich weiterhelfen konnte, wird in den Beiträgen deutlich, dass Büscher nicht als einzige Mutter vor Schwierigkeiten steht, einen Kinderarzt für den Nachwuchs zu bekommen. Zu Jahresbeginn verschärft hat sich die ohnehin angespannte Lage durch den Weggang des Kinder- und Jugendmediziners Nawar Kamel aus dem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) des Marien-Hospitals Papenburg-Aschendorf. Seit dem 1. Januar behandelt Kamel seine jungen Patienten in seiner Praxis in Rhauderfehn.

„Wir sind bemüht, schnellstmöglich die Versorgung der Kinder und Jugendlichen in Papenburg durch einen Nachfolger sicherzustellen“, heißt es auf der Homepage des MVZ. Bis dahin werden Eltern gebeten, sich an die Kinder- und Hausärzte in der näheren Umgebung zu wenden. Doch die sind mit jungen Patienten mehr als gut versorgt.

Weite Wege

Das weiß auch die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN). „Die medizinische Versorgung der Kinder wird immer schwieriger. Vor allem in den Randlagen der Städte und auf dem Land müssen Kinder- und Jugendärzte heute schon einen Aufnahmestopp verhängen“, teilt KVN-Sprecher Detlef Haffke auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Wenn die Politik nicht bald mehr Medizinstudienplätze schaffe und vor allem die Niederlassung attraktiver mache, müssten Haffke zufolge Eltern und Kinder in Zukunft noch längere Wartezeiten und vor allem auf dem Land noch weitere Wege bis zur nächsten Praxis bewältigen. „Vor allem für die wachsende Zahl chronisch kranker Kinder und Jugendlicher bedeutet diese Entwicklung nichts Gutes“, so der Sprecher.

Keine Dauerlösung

Deutlich weitere Wege als bislang wird zukünftig auch Jasmine Büscher mit ihrem Sohn zurücklegen müssen. Da die Mutter in Papenburg nicht fündig wurde, ist sie nach Leer ausgewichen, wo sie einen Termin bei der Kinderärztin Dr. Sabrina Albracht bekommen habe. „Die Praxis ist mit dem Zug gut zu erreichen. Für dringende Sachen müssen wir dann aber in die Ambulanz“, erklärt Büscher. Eine Dauerlösung sei dies gleichwohl nicht. „Wenn das Kind krank ist, möchte man natürlich möglichst schnell in eine Praxis“, erklärt die Mutter.

Mit dem Ausweichen ins rund 20 Kilometer entfernte Leer folgt die Papenburgerin einer Empfehlung der KVN. Die lautet nach Worten des Sprechers, nicht nur im unmittelbaren Umfeld nach einem Kinder- und Jugendarzt zu suchen. Zudem könne die Terminservicestelle der KVN unter Telefon 116117 kontaktiert werden.

Einfluss, dem Engpass entgegenzuwirken, hat die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen nach eigenen Angaben kaum. „Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben können wir da wenig machen, da laut Bedarfsplanung die Versorgung im Emsland gut ist“, erklärt Haffke.

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