Berlin
Schluss mit den Steuer-Millionen für die Luca-App
Daten aus der Luca-App sind von der Polizei missbraucht worden. Doch das Luca-System ist auch abgesehen vom aktuellen Unsicherheitsnachweis ziemlich überflüssig.
Nun ist passiert, wovor Sicherheitsexperten, Datenschützer und Wissenschaftler seit Monaten gewarnt haben: Persönliche Daten aus der Luca-App zur Kontaktnachverfolgung sind missbraucht worden. Das sind extrem schlechte Nachrichten für alle Luca-Nutzer. Es spielt dabei keine Rolle, dass die Daten nicht bei Kriminellen gelandet sind, sondern bei Polizisten aus Mainz.
Ermittler hatten die Kontaktinformationen für eine Zeugensuche angefordert und vom zuständigen Gesundheitsamt tatsächlich bekommen. Und das entgegen allen Beteuerungen des Herstellers, dass die App ausschließlich zur Nachverfolgung von Corona-Infektionen genutzt werden könne und eben nicht beispielsweise für die Strafverfolgung.
Missbrauch von Luca-Daten war eine Frage der Zeit
Genau die in Mainz gezeigten Fehleischätzungen, gepaart mit dem Beugen und Ignorieren von rechtlichen und vertraglich geregelten Grundsätzen, waren zu befürchten. Wiederholung durchaus möglich. Auch deshalb fordern Politiker die Nutzer nun öffentlich dazu auf, die Luca-App zu löschen.
Die Gesundheitsämter nutzen das Luca-System nicht
Doch das Luca-System ist auch abgesehen vom aktuellen Unsicherheitsnachweis schlicht kaum eine Hilfe. In vielen Bundesländern gibt es die verpflichtende, flächendeckende Kontaktnachverfolgung nicht mehr. Die Gesundheitsämter haben das System mit wenigen Ausnahmen ohnehin kaum oder gar nicht benutzt - unabhängig von den Inzidenzen.
Das ist erst einmal kein Fehler des Herstellers, doch es zeigt, dass das System offensichtlich nicht gebraucht wird oder nicht wie beworben funktioniert. In Summe ist sie überflüssig.
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Die Luca-Macher wollen noch mehr Daten
Dass der Hersteller das anders sieht, liegt auf der Hand. Mehr als verwunderlich ist jedoch, dass die Luca-Macher trotz aller Hinweise auf Schwachstellen und Sicherheitslücken, den Pannen der vergangenen Monate und dem nun ersten bekannten Fall von Datenmissbrauch keinen Grund für eine Kurskorrektur sehen. Im Gegenteil: Sie planen, dass Nutzer neben dem Impf- oder Genesenen-Nachweis auch noch die Personalausweise in der App hinterlegen können. Da kann einem angst und bange werden.
Wie die Politik mit Luca weitermachen sollte
Die Verträge mit Luca laufen in vielen Bundesländern im Frühjahr aus. Eine Verlängerung und weitere Millionenzahlungen an den Hersteller kann spätestens nach dem Fall von Mainz kein Landeschef mehr in Betracht ziehen. Allein als bequemer Ersatz für die Zettelwirtschaft ist Luca viel zu teuer. Die staatliche Corona-Warn-App bietet längst viele Luca-Funktionen mit echtem Datenschutz.
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