Ostsee
Ist Ihre Ehe auch so? Norddeutscher TV-Film „Wo ist die Liebe hin“
Wie schnell ein Vorzeigepaar in eine Ehekrise schlittern kann, zeigt der Film „Wo ist die Liebe hin?“ mit Ulrike C. Tscharre und Roeland Wiesnekker. Interview zum Mittwochsfilm im Ersten.
„Ich mag solche alltäglichen Geschichten“, sagt Ulrike C. Tscharre, „Geschichten, die leise erzählt sind, unspektakulär, aber bei denen man merkt: Solche Leute kenne ich, das könnten Freunde sein, das hat etwas mit meinem eigenen Leben zu tun.“
Mehr TV-Themen
17 Jahre Ehe und nie Streit: „Wo ist die Liebe hin“?
Tatsächlich ist das Leben von Agnes (Ulrike C. Tscharre) und Gregor (Roeland Wiesnekker) unspektakulär, fast schon langweilig. Seit 17 Jahren sind sie verheiratet und noch immer ein Herz und eine Seele. Während ihre besten Freunde Conny (Uygar Tamer) und Bernhard (Rainer Bock) ständig streiten, kommt über ihre Lippen kein böses Wort. „Es ist für Agnes wie für Gregor die zweite Ehe“, sagt Ulrike C. Tscharre im Gespräch mit unserer Redaktion. „Diesmal wollen sie alles richtig machen und gehen unglaublich achtsam miteinander um.“ Streit passt da nicht ins Konzept.
Bis eine Kleinigkeit alles durcheinander wirft. Agnes, die bislang vor allem für die Familie da war, verliert ihr Herz an ein Ehrenamt: die Mitarbeit bei der „Tafel“. Statt die 15-jährige Tochter vom Sport abzuholen, sortiert sie Lebensmittel; statt ihren Mann in seinen beruflichen Sorgen zu unterstützen, schreibt sie Bettelbriefe; statt die leckere Lasagne zu backen, holt sie schnell Pizza vom Italiener. „Sind wir dir eigentlich nicht mehr wichtig?“, wirft Gregor ihr an den Kopf. Und als Agnes von einer „neuen Phase in unserer Ehe“ spricht, kontert er: „Ich mochte die alte Phase.“ Und zieht sich gekränkt in den Keller zurück.
„Agnes und Gregor geht es wie leider vielen Paaren“, sagt Ulrike C. Tscharre, „sie empfinden Streit als etwas Negatives.“ Dabei sei es in Beziehungen wichtig, sich auseinanderzusetzen, und dabei auch mal emotional zu werden, „ohne gleich alles in Frage zu stellen“. Aber genau das tut Gregor: „Ich will nicht streiten“, sagt er, sieht die Liebe verloren und denkt über Trennung nach.
Liebe hat viele Gesichter
Das klingt überzogen, und tatsächlich ist es nicht leicht, Gregor zu mögen. Ihr Schauspielpartner Roeland Wiesnekker habe „da eine schwierige Aufgabe gehabt“, sagt Ulrike C. Tscharre. Die er aber gut bewältigt habe. „Ich finde, er stellt die Hilflosigkeit von Gregor sehr gut dar, seine Unfähigkeit, mit den eigenen Ängsten umzugehen.“ Denn Gregor ist kein plumper Patriarch, der vom Heimchen am Herd bedient werden möchte. „Er hat einfach nur Angst vor Veränderung und davor, Agnes zu verlieren“, sagt Tscharre. „Und dafür kann ich durchaus Mitgefühl empfinden.“
Liebe, so zeigt es dieser Film, hat viele Gesichter, und Nähe ist eben nur eines davon. Bis Agnes sich bei der Tafel engagiert, haben die beiden praktisch alles zusammen gemacht; die Distanz, die Agnes auf einmal für sich in Anspruch nimmt, ist deshalb ein Problem. Und das nicht nur im Film. „Jeder hat sein eigenes Empfinden von Nähe und Distanz in der Beziehung“, sagt Ulrike C. Tscharre. „Den Wunsch nach Distanz nicht als Ablehnung zu verstehen, das kann schwierig sein.“
Es ist eine Stärke des Films, dass er keine eindeutige Lösung präsentiert. „Die sich ständig streitenden Freunde Conny und Bernhard sind ja auch nicht perfekt“, sagt Tscharre. Eine Ehe ist eben nicht einfach, gerade in Zeiten des Umbruchs. „Und manchmal ist es eben so: Wie man es macht, macht man es falsch.“
Sendetermin: „Wo ist die Liebe hin?“ ARD, Mittwoch, 12. Januar, 20.15 Uhr.
Im Video: Hier können Sie den Film schon jetzt in der ARD-Mediathek sehen.