Justiz

Papenburg: Verwirrung im Prozess um mutmaßliche Vergewaltigung

Christian Belling
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Von Christian Belling
| 07.01.2022 18:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eine mutmaßliche Vergewaltigung wird aktuell am Amtsgericht in Papenburg verhandelt. Foto: Belling
Eine mutmaßliche Vergewaltigung wird aktuell am Amtsgericht in Papenburg verhandelt. Foto: Belling
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In einem Prozess vor dem Amtsgericht in Papenburg geht es zurzeit um eine mutmaßliche Vergewaltigung. Dabei gibt es allerdings so manche Widersprüche.

Papenburg- Knapp fünf Stunden verhandelt und nicht wirklich schlauer: So lässt sich die Verhandlung um eine mutmaßliche Vergewaltigung in Papenburg zusammenfassen. Für die beiden Schöffen und Richter Gerhard Többen wird es bis zur Urteilsfindung wahrlich keine leichte Aufgabe sein, die diese Verhandlung am Papenburger Amtsgericht mit sich bringt.

Seit Ende November vergangenen Jahres wird darüber verhandelt, ob ein heute 28-jähriger Mann im Februar 2020 am Papenburger Hauptkanal eine junge Frau vergewaltigt hat oder nicht. Gesehen hat die angebliche Tat keiner. So stützen sich die Aussagen der Zeugen darauf, was sich an dem Abend vor oder nach dem schlimmen Vorwurf abgespielt hat.

Die Anklage

Weil er eine junge Frau vergewaltigt haben soll, muss sich ein 28-Jähriger vor dem Amtsgericht Papenburg verantworten. Die Straftat soll sich im Februar 2020 ereignet haben. Laut Anklage hat er die junge Frau in einer Gaststätte in Papenburg kennengelernt. Im Verlauf des Abends soll der Angeklagte das mutmaßliche Opfer in eine Gasse am Hauptkanal gezerrt und zu Boden gedrückt haben.

Hier soll er gegen den Willen der Frau sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen haben. Erst als die junge Frau sagte, sie habe ihre Periode, soll der Angeklagte von ihr abgelassen haben. Zu den am ersten Prozesstag Ende November vorgetragenen Vorwürfen schwieg der Angeklagte.

Die Zeugen

Mitte Dezember hatte bereits die beste Freundin – die mit dem mutmaßlichen Opfer den Abend verbrachte – vor Gericht ausgesagt. Sie schilderte unter anderem, wie ihre Freundin nach der angeblichen Tat weinend auf dem Ceka-Parkplatz zusammengebrochen sei und ihr unter Tränen immer wieder gesagt habe, dass sie das nicht gewollt habe. Nun sagten dann weitere vier geladene Zeugen vor Gericht aus. Darunter auch der beste Freund des Angeklagten. Zu zweit machten sie sich am besagten Abend auf in mehrere Gaststätten in der Papenburger Innenstadt. In einer Lokalität lernten sie das mutmaßliche Opfer sowie die beste Freundin kennen.

Als den Kumpel des Angeklagten und die beste Freundin zu nächtlicher Stunde dann das Hungergefühl überkam, brachen sie zu zweit zu einem Schnellrestaurant auf und ließen den Angeklagten und das mutmaßliche Opfer allein am Hauptkanal zurück. Was dann beim Wiedersehen auf dem Ceka-Parkplatz geschah, schilderte der Freund nun aber gänzlich anders als die beste Freundin.

Das sagt der Freund des Angeklagten

Nach seinen Worten ist das mutmaßliche Opfer zu diesem Zeitpunkt gut gelaunt gewesen und hat trotz fortgeschrittener Stunde im Gegensatz zu den anderen dreien noch weiter feiern wollen. „Ich hielt das für unvernünftig und fand die Idee nicht gut, sie hier alleine zurückzulassen“, erklärte der Zeuge.

Dies habe er dem mutmaßlichen Opfer dann auch bestimmt und auch etwas autoritär mitgeteilt und sie bewegen wollen, ebenfalls die Heimfahrt anzutreten. Daraufhin fing die junge Frau nach seinen Worten an zu weinen. Von den Anschuldigungen habe er, so der Zeuge – der sich bei der Vernehmung noch sehr detailliert an die Nacht vor knapp zwei Jahren erinnern konnte und sogar den Verlauf des Abends niederschrieb –, erst an einem der folgenden Tage erfahren. Die Vorwürfe bezeichnete er als „absurd“. Annäherungsversuche habe der Zeuge den gesamten Abend über keine vernommen.

Widersprüchliche Aussagen

Die wiederum seien einem weiteren geladenen Zeugen berichtet worden. Wie ein Bekannter des mutmaßlichen Opfers schilderte, hat ihm vor Ort der Angeklagte selbst zu einer früheren nächtlichen Stunde erzählt, dass es zu einem Kuss zwischen ihm und der jungen Frau gekommen sei. Im weiteren Verlauf hätten sich der Bekannte und das mutmaßliche Opfer zunächst wieder aus den Augen verloren, ehe er die junge Frau zu späterer Stunde dann zufällig weinend und völlig aufgelöst auf dem Ceka-Parkplatz im Beisein ihrer besten Freundin wieder getroffen habe.

Für noch mehr Verwirrung sorgte während der Verhandlung ein als Zeuge geladener Mitarbeiter einer Gaststätte, die in besagter Nacht von dem mutmaßlichen Opfer sowie zwei männlichen Begleitern aufgesucht worden sein soll. Nachdem die drei Gäste dem Mitarbeiter zufolge die Lokalität nach einiger Zeit gut gelaunt wieder verlassen hatten, habe die Frau kurze Zeit später allein wieder den Weg in die Gaststätte gesucht. Dort soll sie dem Mitarbeiter von den angeblichen sexuellen Handlungen an ihr berichtet haben. Dem widersprach allerdings das mutmaßliche Opfer.

So geht es weiter

Bei der schwierigen Beweislage und der Vielzahl an Widersprüchen, die der Prozess bislang hervorgebracht hat, wird viel vom psychologischen Gutachten abhängen, das am nächsten Verhandlungstermin am 19. Januar vorgestellt wird. Auch die beste Freundin des mutmaßlichen Opfers soll dann noch mal aussagen. Ob es während dieser Verhandlung auch zu den Plädoyers und sogar zu einem Urteil kommen wird, ließ Richter Többen offen.

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