Berlin

Studie zu Fake-News: So leichtgläubig sind Deutsche im Internet

Jan-Malte Wortmann
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Von Jan-Malte Wortmann
| 07.01.2022 13:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Desinformationen, verzerrte Darstellungen und Behauptungen ohne Faktenbasis, oft zusammengefasst unter dem Begriff Fake News, sind grade auf sozialen Netzwerken weit verbreitet. Foto: imago images/duiwoy55
Desinformationen, verzerrte Darstellungen und Behauptungen ohne Faktenbasis, oft zusammengefasst unter dem Begriff Fake News, sind grade auf sozialen Netzwerken weit verbreitet. Foto: imago images/duiwoy55
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Nutzer von sozialen Netzwerken werden immer wieder mit Falschmeldungen konfrontiert. Einer Studie zufolge gehen die Deutschen dabei im europäischen Vergleich ziemlich gutgläubig mit Fake-News auf Facebook, YouTube und Co. um.

Nicht alles, was im Internet steht, stimmt. Das sollte eigentlich den meisten Menschen klar sein. Dennoch entwickeln sich Fake-News in sozialen Netzwerken immer mehr zu einem gesellschaftlichen Problem, nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie. Falschinformationen, aus dem Zusammenhang gerissene Zitate oder absichtlich falsch interpretierte Daten werden genutzt, um Stimmung zu machen oder um Hetze und Propaganda zu verbreiten. 

Wie gefährlich gezielte Desinformationen im Internet sind, ließ sich unter anderem beobachten, als Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten war. Zudem sind Fake-News wohl auch ein entscheidender Faktor dafür, dass es immer häufiger zu Gewalt bei „Querdenker“-Protesten kommt.

Die Pandemie hat den Aufwärtstrend von Fake-News noch weiter verstärkt. Laut Informationen des „Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND)“ gaben 2020 drei Viertel der Deutschen in einer Befragung an, seit Beginn der Pandemie häufiger über Falschnachrichten zu stolpern als vorher. Fast die Hälfte der Befragten werde regelmäßig mit falschen oder irreführenden Informationen zu Covid-19 konfrontiert.

Deutsche gehen vergleichsweise unkritisch mit Fake-News um

Doch nur wenige Menschen gehen wirklich kritisch mit Meldungen im Internet um. Die Deutschen schneiden dabei im europäischen Vergleich vergleichsweise schlecht ab:  Das europäische Statistikamt „Eurostat“ hat in einer Studie verglichen, wie misstrauisch die Menschen in der EU mit Informationen auf Newsseiten im Internet und aus den sozialen Medien umgehen. Dazu wurden Menschen im Alter zwischen 16 und 74 Jahren aus 29 Ländern befragt. 

Grafik: Anteil der Befragten, der Informationen von Newsseiten und Social Media überprüft

Nicht mal ein Fünftel (19 Prozent) der deutschen Befragten gab an, sich in den vorangegangenen drei Monaten um Faktenchecks bei Meldungen aus dem Internet bemüht zu haben. Damit liegt Deutschland auf dem 20. Platz im Ranking und sogar noch unter dem EU-Durchschnitt von 23 Prozent. 

Besonders kritisch gehen die Bürger demnach in den Niederlanden (45 Prozent), Luxemburg (41 Prozent) oder Irland (39 Prozent) mit Informationen aus dem Internet um. Am schlechtesten schnitten Litauen mit elf Prozent und Rumänien mit zwölf Prozent ab.

Faktenchecks erfolgten bei den meisten der befragten, kritischen Bürger über eine Überprüfung der Quelle (20 Prozent), über eine Diskussion mit anderen Personen oder durch das Nachschlagen in Offline-Quellen (zwölf Prozent).

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Facebook und WhatsApp sind führende Plattformen für Fake-News

In einer qualitativen Befragung der „Vodafone Stiftung“ aus dem Juli 2021 wurden 63 Expertinnen und Experten aus Deutschland um eine Einschätzung gebeten, welche Plattformen sie für besonders relevant bei der Verbreitung von Fake-News halten. Laut den Experten tragen WhatsApp, Facebook und YouTube am meisten zur Verbreitung von Falschmeldungen und Desinformationen bei. Auch die Bedeutung des Messengers Telegram nehme immer weiter zu.

Grafik: Plattformen, die nach Ansicht von Experten besonders relevant für die Verbreitung von Fake-News sind

Die größte Gefahr von Fake-News sehen die Fachleute in der Polarisierung der Gesellschaft und der Radikalisierung Einzelner. Ältere Menschen seien dabei besonders gefährdet, den Desinformationskampagnen auf Social Media Glauben zu schenken. Hier sei noch nicht genügend Aufklärungsarbeit betrieben worden. Der Begriff „Fake News“ sei aus Sicht der Experten im übrigen grundlegend eher ungeeignet, da er nicht klar definiert sei und häufig als politischer Kampfbegriff genutzt werde. Geeigneter seien Begriffe wie Desinformation oder Falschinformation.

Sie forderten eine stärkere Vermittlung von Medienkompetenz, zum einen in der Schule, zum anderen aber auch für alle Altersgruppen, um der steigenden Verbreitung von Desinformation entgegenzuwirken. Darüber hinaus seien auch die Social-Media-Plattformen selber in der Pflicht, der Verbreitung von Falschinformationen etwas entgegenzusetzen.

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