Gastronomie in Leer

Frust bei Gastwirten, wenn Gäste nicht absagen

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 06.01.2022 18:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wenn ein Tisch reserviert wird, die Gäste dann aber nicht kommen, ist das ärgerlich für den Gastwirt. Foto: karepa/stock.adobe.com
Wenn ein Tisch reserviert wird, die Gäste dann aber nicht kommen, ist das ärgerlich für den Gastwirt. Foto: karepa/stock.adobe.com
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Wenn Tische reserviert werden und die Gäste dann nicht kommen, sorgt das für Frust bei Gastronomen in Leer. Einige Klagen über massive Umsatzeinbrüche.

Leer - Es gibt zahlreiche Berufsgruppen, die schwer unter den Folgen der Corona-Pandemie zu leiden haben. Eine davon ist die der Gastronomen. Über Monate mussten sie ihre Häuser ganz schließen, derzeit dürfen sie – ohne weitere Einschränkungen – nur einen Teil ihrer Tische besetzen. Wöchentlich müssen sie mit neuen Einschränkungen rechnen, viele ihrer Gäste verzichten aus Angst vor Corona oder weil sie sparen müssen auf den Restaurant-Besuch.

Was und warum

Darum geht es: Wenn Tische in Restaurants reserviert werden, die Gäste dann aber nicht kommen, ist das für die Gastronomen gerade während der Pandemie ein echtes Problem.

Vor allem interessant für: Gastronomen und ihre Gäste

Deshalb berichten wir: Wir wurden von Gastronomen angesprochen.

Die Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de und k.mielcarek@web.de

Unter diesen Bedingungen fällt ein für die Gastronomen ärgerliches Phänomen noch viel stärker ins Gewicht als in normalen Zeiten: „Einige Gäste reservieren einen Tisch, kommen dann aber nicht“, sagt Dragan Brala, Geschäftsführer des Restaurants Jadera. Wenn man wegen der Abstandsregeln sowieso nur einen Teil der Tische besetzen dürfe, sei es besonders ärgerlich, wenn die dann trotz Reservierung frei blieben. Bis zu einem Drittel der Einnahmen seien in seinem Haus deshalb an den vergangenen Feiertagen weggefallen. Dass die Ausfälle solche Dimensionen annehmen, überrascht Erich Wagner, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Ostfriesland.

Tische bleiben leer

„Ich habe von dem Phänomen des Öfteren gehört. Im Schnitt soll ein bestellter Tisch pro Abend frei geblieben sein“, sagt er. Das gelte allerdings sowohl für den Bezirk Ostfriesland als auch für Weser-Ems. „Wir versuchen gerade herauszufinden, woran das lag“, so Wagner. Seine Vermutung: Gäste waren wegen der sich ändernden Corona-Regeln verunsichert. „Da wurde dann mal ein Tisch für acht Personen gebucht, einer war ungeimpft und man hat dann nicht abgesagt“, sagt er. Gleichzeitig kann er sich aber zwei weitere Szenarien vorstellen. „Es kann auch sein, das Gäste es einfach vergessen haben, abzusagen. Möglich ist aber auch, dass das Nichterscheinen ein Signal gegen die Coronaregeln sein sollte“, sagt er. Das sei dann besonders für Restaurants schwierig, die extra für diese Gruppen eingekauft hätten. Er vermutet, dass deshalb auch Lebensmittel vernichtet werden mussten.

Im griechischen Restaurant Syrtaki kennt man das Phänomen des Nichtabsagens, bestätigt Inhaber Efstathios Panagopoulos. „Ich habe den Eindruck, dass das während der Pandemie häufiger vorkommt“, sagt er. Blieben eigentlich reservierte Tische in seinem Haus leer, improvisiere sein Team. „Bis jetzt ist es uns meistens gelungen, die Plätze trotzdem kurzfristig zu besetzen, weil wir trotz Pandemie viel Zulauf haben. Es wäre aber fair von den Gästen, wenn sie wenigstens absagen würden, wenn sie nicht kommen.“

Vor allem der Dezember betroffen

Dass gerade im Dezember Tische leer geblieben sind, bestätigt Dardan Thaqui vom 360 Grad. „Da sind auch mal zwei Tische trotz Reservierung frei geblieben“, sagt er. Hätten die Gäste abgesagt, hätte er die Plätze anderweitig vergeben können, erklärt er. „Derzeit läuft das Geschäft allerdings gut“, betont Thaqui. Man habe im 360 Grad auch keine Lebensmittel wegschmeißen müssen, auch wenn Gäste ihre Reservierungen nicht wahrgenommen haben.

Das Phänomen von reservierten, aber frei bleibenden Tischen kennt Mario Brüggemann schon aus seiner Zeit als Restaurant-Chef in Kiel, berichtet der Pächter des Restaurants Zur Waage. Neben den deswegen wegfallenden Einnahmen ärgert ihn noch etwas ganz anderes. Sein Gastronomie-Konzept setze ganz bewusst und konsequent auf Nachhaltigkeit.

Gäste für Situation sensibilisieren

Das bedeute unter anderem eine sehr sorgfältige Planung der Lebensmittel. Wegwerfen sei da eigentlich keine Option. „Ich bin deshalb schon in Kiel dazu übergegangen, online und per Telefon darauf hinzuweisen, dass eine Reservierung mit einem Vertrag vergleichbar ist und eine Nichteinhaltung Forderungen nach sich ziehen können“, sagt er. Dabei gehe es ihm in erster Linie darum, seine Gäste für die Situation des Gastronomen zu sensibilisieren. Viele hätten sich vorher gar keine Gedanken darüber gemacht. Seine Erfahrung: „Es ist deutlich besser geworden.“

Im Pier 23 hatte man ebenfalls weniger Probleme – auch, weil man eine ähnliche Strategie wie im Restaurant Zur Waage fährt. „Wir haben uns Buchungen schriftlich bestätigen lassen und dabei auf eine Stornofrist hingewiesen“, sagt Maren Blumenberg. Sollte diese Frist verstrichen sein und der Gast sei dennoch nicht gekommen, musste er für die Kosten aufkommen. „Wir waren froh über jeden Gast, der kam“, sagt sie.

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