Porträt
Dannys beschwerliche Reise ins Glück
2015 kam Danny nach Deutschland und lernte über Umwegen Michael Straatmann kennen. Für ihn arbeitet er seit Jahren. Nur die deutschen Behörden sind wohl nicht von dieser Geschichte überzeugt.
Idafehn - „Ich kam nach Deutschland und wurde monatelang nur verarscht!“ So schildert der 32-jährige Kosovo-Flüchtling Shkelzen, genannt „Danny“, Citaku seine Eindrücke während seiner ersten Monate in Deutschland. Sein Chef Michael Straatmann (45), der Inhaber der Aral-Tankstelle in Idafehn, sorgte dafür, dass sich das Blatt für den jungen Kosovaren schnell zum Guten wendete. Nach einer dunklen Zeit in einer Erstaufnahmeunterkunft für Geflüchtete in Bramsche bei Osnabrück, folgte eine nicht minder dunkle Zeit in einer Autowerkstatt, die ihn ausbeutete. Dann aber bekam Michael Straatmann Wind von der Sache und verschaffte Danny einen Ausbildungsplatz in seinem Idafehner Betrieb. Heute ist Danny ausgelernter Geselle der Personenwagentechnik in der zur Tankstelle gehörenden Werkstatt Straatmanns.
Shkelzen Citaku war 2015 als Geflüchteter aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen. „Ich hatte schon sechs oder sieben Jahre im Kosovo in der Kfz-Branche gearbeitet. Die Bezahlung war so schlecht, dass ich Probleme hatte, meine Familie zu ernähren. Dazu kamen private Probleme, weshalb wir uns zu dem riskanten Schritt entschieden, nach Deutschland zu flüchten“, berichtet er.
Angekommen in Ostfriesland
Nach einem Monat in der Asylunterkunft in Bramsche verschlug es ihn nach Ostfriesland, denn hier gab es Jobs. Schnell fand er auch Arbeit in einer Werkstatt in der Region. Auf dem Weg zum Glück wurden ihm jedoch Steine in den Weg gelegt: Der Kosovare wurde ausgebeutet. Rechtlich durfte er mit einer Aufenthalts-Duldung lediglich eine Ausbildung beginnen. Es war seine einzige Möglichkeit, zu arbeiten. Er wurde in jener Werkstatt immer wieder vertröstet. Der Ausbildungsvertrag komme bald, sei ihm Tag um Tag versprochen worden, erzählt er rückblickend.
Ein Kunde habe das zufällig mitbekommen. Er kannte Michael Straatmann und vermittelte Danny an den Idafehner. Die beiden trafen sich zu einem Kennenlerngespräch. „Wir waren bei diesem Gespräch direkt auf einer Wellenlänge. Das muss im Juli gewesen sein – auf jeden Fall nur einige Tage vor dem Ausbildungsbeginn am 1. August. Ich wollte eigentlich erst in dem darauffolgenden Jahr einen neuen Azubi einstellen. Ich wusste aber sofort, dass das mit Danny passt. Und zwar jetzt“, erinnert sich Straatmann.
Heute ist es Freundschaft
Die beiden Männer lächeln sich heute bei der Rückschau an und betonen: „Das hat von der ersten Sekunde an gepasst, wir sind menschlich genau auf einem Nenner, teilen die gleichen Werte.“ Noch am tag des ersten Kennenlernens unterschrieb Danny seinen Ausbildungsvertrag. Michael Straatmann erinnert sich: „Er hatte das gar nicht geglaubt. Er hatte ganz ungläubig gefragt, ob der Vertrag vorübergehend sei. Es hatte kurz gedauert, bis er realisiert hatte, dass er das gefunden hatte, was er die ganze Zeit gewollt hatte.“
„Ich musste ja am Anfang auch noch zum Intensivsprachkurs“, lacht Danny. „Stimmt“, entgegnet sein Chef, „die ersten zwei oder drei Wochen konnte er hier gar nicht arbeiten, weil da für ihn Intensivsprachkurse angesetzt waren. Das war schon alles abenteuerlich.“ Straatmann sagt, er habe die Erfahrung gemacht, „dass es oft gar nicht viel Mühe kostet, Geflüchteten zu helfen.“ Der Tankstellen- und Werkstattinhaber: „Das sind täglich keine zehn Minuten, und man bekommt so viel zurück. Zwar lohnt es sich betriebswirtschaftlich eigentlich nicht, Menschen einzustellen, die unsere Sprache noch nicht richtig verstehen. Aber gerade an Danny sieht man ja, was man da auch für einen enormen Gewinn mit machen kann.“
Wie Pech und Schwefel
Aber Danny habe nicht nur von Straatmann, sondern der auch von Danny profitiert, hebt der Inhaber hervor: „Wir lernen jeden Tag voneinander." Danny ergänzt zustimmend: „In manchen Familien sind sich die Mitglieder nicht so nahe wie Michael und ich. Die Ausbildung hat Danny, dessen Spitzname übrigens von seinen Eltern aus dem Kosovo stammt, mit Bravour gemeistert. Er konnte sie 2017, ein Jahr verkürzt, beenden. Jetzt steckt er mitten in der Meisterlehre. „Danny ist wahrlich eine Koryphäe auf seinem Gebiet“, so Straatmann. Deshalb gebe es Kunden, die einzig und allein nur noch von ihm betreut werden wollten in der Werkstatt. „Gerne schicke ich Danny auch extra zu den Leuten, von denen ich weiß, dass sie ein Problem mit Zugewanderten haben. Deren Bild ändert sich da ganz schnell“, schildert Michael Straatmann.
Für Danny ist das auch eine Lebensaufgabe. Er sagt: „Ich möchte mit der Art, wie ich bin und was ich mache, ein gutes Bild von Ausländern und Flüchtlingen transportieren – mehr nicht!“ Danny habe die Teile drei und vier der Meisterausbildung bereits abgeschlossen. Das seien die sachfremden Themen: Das nötigt Michael Straatmann hohen Respekt ab: „Ich stelle mir vor, ich ginge jetzt in den Kosovo und dann ist das, was ich als erstes bei der Meisterprüfung bestehe, der Teil, in dem vor allem Sprachkenntnisse eine Grundvoraussetzung zum Bestehen sind. Das ist einfach sagenhaft was Danny da leistet. Die allerwenigsten Menschen könnten das, selbst wenn sie es müssten.“
Festgefahrene Situation
Straatmann betont: „Danny hat zwischen Ausbildung und seiner jetzigen Meisterlehre noch zwei Jahre so im Betrieb gearbeitet. Er hätte hier mit Frau und zwei Kindern Ansprüche auf Sozialleistungen gehabt. Sein Motto war immer: Brauche ich nicht, will ich nicht haben.“
Aber: Danny hat nach sechs Jahren in Deutschland noch immer keine Aufenthaltserlaubnis, die ihm Rechte wie das Reisen oder das Wahrnehmen des Wahlrechts ermöglichen. Die Faustregel sei: Bezieht man nach abgeschlossener Ausbildung drei bis vier Jahre keine staatlichen Leistungen, sieht es sehr gut aus mit dem Antrag auf eine Aufenthaltsgenehmigung, so in der Theorie. In der Praxis sieht es aber sehr danach aus, dass sich Danny noch weiter auf sein Bleiberecht gedulden muss, obwohl mit dem kommenden Jahreswechsel diese Frist verstrichen ist.
„Wir sind davon extrem enttäuscht. Ich halte das einfach nicht für gerecht, denn Danny ist ein Paradebeispiel für Integration und jetzt ist es so, dass, sollte etwas schlecht laufen, er immer noch im nächsten Bus oder Flieger Richtung Kosovo säße. Das kann es meiner Ansicht nach nicht sein“, sagt Michael Straatmann.